Tageszeitungen: Der Niedergang von DuMont

Das Neven DuMont Haus am Abend.

Tageszeitungen: Der Niedergang von DuMont

  • "Irgendwann wird nicht mehr täglich gedruckt"
  • "Stadt-Anzeiger und Express wahre Goldgrube"
  • Ausverkauf bei DuMont

Vor zehn Jahren gehörte DuMont zu den auflagenstärksten Tageszeitungsverlagen. Inzwischen setzt das Kölner Traditionshaus weniger auf Journalismus, sondern auf Marketing-Technology, erklärt der Medienökonom Professor Frank Lobigs von der TU Dortmund und analysiert: "Das hat mit Journalismus nichts mehr zu tun, ist aber wirtschaftlich vielversprechend."

"Irgendwann wird nicht mehr täglich gedruckt"

Eine Ursache für die Entwicklung ist der digitale Wandel, gedruckte Tageszeitungen lassen sich immer schlechter verkaufen und könnten bald der Vergangenheit angehören. Beim Kölner Express werden die Inhalte deshalb zuerst im Internet gezeigt und erst dann in der gedruckten Zeitung.

Vor einem Jahr sagte Express-Chefredakteur Constantin Blaß: „Die Wahrheit ist nun mal, ein Printprodukt ist endlich. Irgendwann wird es nicht mehr täglich gedruckt werden. Das ist aus meiner Sicht so sicher wie das Amen in der Kirche.“

"Stadt-Anzeiger und Express wahre Goldgrube"

Seit gut 30 Jahren sinken die Auflagen der Zeitungen kontinuierlich. Einige Verlage setzen deshalb auf Größe und kauften kleinere Tageszeitungen auf, um Synergie-Effekte zu nutzen. So kaufte Dumont die Frankfurter Rundschau, Mitteldeutsche Zeitung, den Berliner Verlag und auch die Hamburger Morgenpost auf.

Der Niedergang von DuMont

WDR 5 Töne, Texte, Bilder - Beiträge 15.02.2020 04:49 Min. Verfügbar bis 13.02.2021 WDR 5 Von Michael Borgers

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DuMont ging es damals wirtschaftlich sehr gut, erinnert sich Lobigs: "Vor dem An- und Verkauf der anderen Verlage war der Kölner Stadt-Anzeiger und der Kölner Express eine wahre Goldgrube, ein lukratives, ein großartiges Geschäft."

Allerdings erwies sich die Strategie als Fehler. Das Haus habe bis zu 350 Millionen Euro Verluste gemacht, analysiert Lobigs: "Viel riskiert, viel verloren, kein Happy End, aber zuletzt auch keine Alternativen.“

Ausverkauf bei DuMont

Der Verlag verkaufte also wieder alle zugekauften Zeitungen, zwischenzeitlich hatte der Verlag sogar geprüft seine eigenen Stammblätter, den Kölner Stadt-Anzeiger und den Express, zu verkaufen.

Dank des Sparkurses von Unternehmenschef Christoph Bauer ist die Situation für die verbliebenen Zeitungen besser, es bleibe aber nicht einfach, sagt Lobigs: "Zwar hat man noch immer eine einträgliche Marktstellung als Monopolist in Köln. Doch bemüht man sich nun, irgendwie die Transformation ins Digitale zu schaffen."

Die Auflagenzahlen von Express und Stadtanzeiger zeigen das sehr deutlich, denn die sinkende Auflage kann derzeit nicht durch die verkauften ePaper und Abo-Modelle ausgeglichen werden.

Stand: 15.02.2020, 06:00

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