Tod nach Po-OP: Düsseldorfer Schönheitschirurg steht vor Gericht

Tod nach Po-OP: Düsseldorfer Schönheitschirurg steht vor Gericht

Tod nach Po-OP: Düsseldorfer Schönheitschirurg steht vor Gericht

Vor dem Landgericht muss sich ein Düsseldorfer Arzt verantworten. Zwei seiner Patientinnen waren nach Po-Vergrößerungen mittels Eigenfett-Transplantation gestorben.

Der Staatsanwalt ist überzeugt, dass der 50-jährige Mediziner die Eingriffe zur Po-Vergrößerung nicht fachgerecht durchgeführt und die Patientinnen nicht ausreichend aufgeklärt habe. Bereits im letzten Jahr hatte das Düsseldorfer Landgericht deshalb entschieden, dass der Mediziner vorläufig nicht mehr praktizieren dürfe.

Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung mit Todesfolge

Der Düsseldorfer Schönheitschirurg ist in zwei Fällen wegen fahrlässiger Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt sowie in einem weiteren Fall wegen fahrlässiger Körperverletzung. Dem Arzt wird vorgeworfen, die Narkose falsch dosiert zu haben und in einem Fall ein nicht zugelassenes Medikament verabreicht zu haben. Bei dem umstrittenen Eingriff ("Brazilian Butt Lift"), bei dem den Patientinnen Eigenfett transplantiert wird, soll er den Frauen zu viel Fett ins Gewebe gespritzt haben.

Zudem wird dem Arzt der Missbrauch von Titeln vorgeworfen. Der Mann habe einen Doktortitel verwendet, "der kein deutscher Doktortitel ist", so Oberstaatsanwalt Uwe Kessel.

Schon vor Prozessbeginn hatte der Arzt seine Unschuld beteuert. Drei Gutachter würden beweisen, dass die Eingriffe fachgerecht durchgeführt worden seien. Zudem würde man anhand von Aufklärungsbögen, E-Mail-Verkehr und Whatsapp-Chats belegen können, dass der Arzt ordnungsgemäß aufgeklärt habe, erklärte sein Verteidiger am Dienstag am Düsseldorfer Landgericht.

Patientinnen starben an Fettembolie und Blutverlust

Im August 2018 soll der Angeklagte einer 20-Jährigen bei einer ambulanten OP zwölf Liter Fett abgesaugt und diese sowohl in die Brüste als auch in das Gesäß der Frau injiziert haben. Laut Staatsanwaltschaft hätte der Arzt nicht mehr als 5 Liter Fettgewebe entnehmen dürfen. Nachdem die Patientin entlassen wurde, starb sie noch am gleichen Abend an den Folgen des hohen Blutverlustes und einer Fettembolie.

In einem weiteren Fall aus dem Juli 2019 hätte die OP aus Sicht der Staatsanwaltschaft nur stationär und in Anwesenheit eines Anästhesisten durchgeführt werden dürfen. In Folge der OP sei es zu massiven Einblutungen gekommen. Die 42-jährige Frau verstarb am folgenden Tag in der Universitätsklinik Düsseldorf. Eine weitere Frau überlebte im Juni 2018 den gleichen Eingriff nur knapp.

Wird der Arzt verurteilt, drohen ihm zwischen drei und 15 Jahren Haft. Das Urteil soll im Dezember fallen.

Schönheitschirurg ist keine geschützte Bezeichnung

Im Gegensatz zu der Bezeichnung "Facharzt/Fachärztin für Plastische und Ästhetische Chirurgie", für die Ärzte eine entsprechende Zusatzqualifikation benötigen, ist "Schönheitschirurg/ Schönheitschirurgin" in Deutschland keine gesetzlich geschützte Bezeichnung. Jeder approbierte Arzt in Deutschland kann - auch ohne zusätzliche Qualifikation - die Bezeichnung führen. 

Brazilian Butt Lift: Umstrittener Eingriff

Die Gesäßvergrößerung durch Eigenfett wird von vielen plastischen Chirurgen kritisch gesehen. Bei dem Eingriff kann Fettgewebe in die Blutbahn gelangen und eine Embolie auslösen. Laut Dr. Jutta Liebau, Chefärztin für plastische und ästhetische Chirurgie im Florence-Nightingale-Krankenhaus Düsseldorf, sei der Brazilian Butt Lift der risikoreichste Eingriff im Bereich der ästhetischen Chirurgie. Die Ärztin spricht von einer Todesrate von 1 zu 3000.

Die Po-Vergrößerung erfreut sich trotz aller Risiken großer Beliebtheit. Weltweit würden etwa über 300.000 dieser Eingriffe jährlich durchgeführt. Zurückzuführen sei dies vor allem auch auf „Protagonistinnen in den sozialen Medien, die das große Gesäß als Ideal darstellen“, so Liebau.

Stand: 28.09.2021, 16:24