"Er starrt einfach nur vor sich hin" - Düsseldorfer Vereine setzen sich für Verletzen in Kabul ein

Stand: 27.08.2021, 15:13 Uhr

Bei den Anschlägen am Flughafen Kabul soll der Vorsitzende einer Düsseldorfer afghanisch-shiitischen Gemeinde verletzt worden sein.

Wie der Düsseldorfer Kreis der Muslime berichtet, liegt Ali Hussaini, Vorsitzender einer Düsseldorfer afghanisch-shiitischen Gemeinde aktuell verletzt im Krankenhaus in Afghanistan. Nach WDR-Informationen soll er aber einen schweren Schock erlitten haben und derzeit weder hören noch sprechen können. Auch seine Arme und Beine seien verwundet. "Er starrt einfach nur vor sich hin", berichtet Ali Nahavandi. Der gebürtige Iraner, der sich für Flüchtlinge einsetzt, steht zurzeit in Kontakt mit Hussainis Ehefrau.

Seit 2013 lebt Ali Hussaini mit Aufenthaltstitel in Deutschland. Der in Wuppertal lebende Mann soll in Kabul gewesen sein, um nach seiner Hochzeit die Heiratsurkunde anerkennen zu lassen und damit auch seine Frau nach Deutschland holen zu können. Weil Hussainis Frau erkrankte, musste er länger als geplant in Afghanistan bleiben. Sie zurückzulassen war keine Option. Als alleinstehende Frau sei die Lage im Land zu gefährlich, berichtet Flüchtlingshelfer Nahavandi, "sie werden unter Druck gesetzt oder sogar zwangsverheiratet".

An dem Wochenende, an dem Ali Hussaini zurückreisen wollte, hätten die Taliban die Stadt eingenommen. Der Wuppertaler engagiert sich in mehreren muslimischen Organisationen. Als Angehöriger der schiitischen Hazara Minderheit sei Hussaini laut dem Kreis der Düsseldorfer Muslime in größter Gefahr. Der Kreis der Muslime und die Organisation "Afghanischer Aufschrei" hatten deshalb eigenen Angaben nach schon seit Längerem versucht, den gebürtigen Afghanen zurück nach Deutschland zu holen.

Sorge um Schüler aus Solingen

Auch ein Solinger Schüler sitzt aktuell in Afghanistan fest. Der Schüler der Alexander-Coppel-Gesamtschule hatte trotz größter Angst vor den Taliban in den Sommerferien mit seiner Mutter und seinen beiden Schwestern die Familie in Kandahar besucht. Wegen einer Corona-Erkrankung seiner Mutter, konnte der geplante Rückflug nicht stattfinden. Nun sitzt er 500 Kilometer von Kabul entfernt fest.