Todesfälle nach Schönheits-OPs: Arzt hat keinen Doktortitel

Operation von oben.

Todesfälle nach Schönheits-OPs: Arzt hat keinen Doktortitel

  • Frau stirbt nach Po-Vergrößerung
  • Polizei ermittelt in einem weiteren Todesfall aus 2018
  • Arzt darf keinen Doktortitel führen

Der Mediziner einer Privatklinik, der zurzeit wegen zwei tödlich verlaufenen Po-Operationen in der Kritik steht, darf keinen Doktortitel führen. Das hat die Staatsanwaltschaft am Freitag (12.07.2019) bekanntgegeben. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf hat deshalb Strafbefehl gegen ihn erlassen.

Auf seiner Internetseite und in einem sozialen Netzwerk warb er bis zuletzt mit einem Doktortitel. Eine Promotionsurkunde habe er aber in Deutschland nie vorgelegt, so die Staatsanwaltschaft. Deshalb soll er nun gut 13.000 Euro Geldstrafe zahlen. Dagegen hat er beim Amtsgericht Düsseldorf Einspruch eingelegt. Anfang August soll der Fall verhandelt werden.

Polizei ermittelt in zwei Todesfällen

Die Polizei ermittelt derzeit in zwei Todesfällen nach Schönheitsoperationen in der Düsseldorfer Schönheitsklinik. Am vergangenen Freitag war eine Frau nach einer Schönheitsoperation gestorben. Am Dienstag wurde bekannt, dass dies nicht der erste Todesfall in der Klinik war. Bereits im vergangenen Jahr sei eine junge Patientin nach einem ähnlichen Eingriff beim selben Operateur gestorben, bestätigte Staatsanwalt Uwe Kessel gegenüber dem WDR.

Todesermittlungsverfahren dauern an

In beiden Fällen dauern die Todesermittlungsverfahren durch die Polizei an. Die Obduktion am Montag erbrachte noch kein eindeutiges Ergebnis. Weitere Untersuchungen sollen folgen, so der Staatsanwalt.

Gefährlicher Medikamenten-Mix

Der zweite Todesfall liegt bereits ein Jahr zurück. Die Patientin war eine junge Studentin. Auch ihre Obduktion brachte keine klaren Ergebnisse. Dann folgten aufwendige chemisch-toxikologische Untersuchungen, die auch heute noch andauern. Das Schwierige in dem Fall: Die junge Frau soll zahlreiche Medikamente genommen haben. Während der OP wurden ihr offenbar weitere Arzneien verabreicht. Insgesamt fanden sich bei ihr Spuren von zwölf verschiedenen Präparaten. Ob Wechselwirkungen eine Rolle gespielt haben, sei immer noch unklar, so Staatsanwalt Kessel.

Operateur gilt derzeit nicht als Beschuldigter

Da in beiden Fällen noch die sogenannten Todesermittlungsverfahren laufen, gibt es juristisch bislang keine Beschuldigten. Erst wenn die Staatsanwaltschaft zu der Überzeugung kommt, dass bei den Todesfällen ein Fremdverschulden nicht auszuschließen ist, werden Strafermittlungsverfahren eröffnet. Arzt und Klinik stehen derzeit für Medienanfragen nicht zur Verfügung.

Tote nach Po-OP: Obduktionsergebnisse noch nicht aussagekräftig

WDR 2 Nachrichten 09.07.2019 00:45 Min. Verfügbar bis 09.07.2020 WDR 2

Stand: 12.07.2019, 14:08

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