Erstmals in NRW: Bodycam-Video als Beweismittel zugelassen

Erstmals in NRW: Bodycam-Video als Beweismittel zugelassen

Von Werner Czaschke

  • Polizistin filmte nach tödlichem Messerstich
  • Verdächtige verhielt sich wie Täterin
  • Verteidiger wollte Videobeweis verhindern

Als erstes Gericht in NRW lässt das Landgericht Düsseldorf das Bodycam-Video einer Polizistin als Beweismittel zu, auch wenn die Situation laut Polizeigesetz nicht gefilmt werden durfte. Das entschied das Gericht am Freitag (15.02.2019).

In dem Prozess muss sich eine 60-Jährige Düsseldorferin wegen Totschlags an ihrem Mann verantworten. Sie soll im vergangenen Frühjahr nach einem Streit in der heimischen Küche mit einem Fleischermesser auf ihren Ehemann eingestochen und ihn tödlich verletzt haben.

Aufnahmen legen nahe, dass Frau Tat begang

Die Frau rief dann selbst die Polizei. Als die Beamten die Wohnung betraten, filmte die Körperkamera einer Polizistin mit. Auf dem dabei entstandenen Video soll die Frau keinen Zweifel daran gelassen haben, dass sie die Täterin sei.

Mittlerweile bestreitet die 60-Jährige die Tat und spricht von einem tragischen Unfall. Das Gericht wollte das Video der Polizistin im Prozess zeigen. Der Anwalt der Angeklagten wollte das verhindern.

Polizistin durfte nicht filmen

Er zweifelte die rechtliche Zulässigkeit des Videos an. Er sah einen Verstoß gegen das Polizeigesetz. Demnach dürfen Beamte nur dann filmen, wenn für sie Gefahr für Leib und Leben besteht.

Zu dem Zeitpunkt, an dem die Beamte die Tür zur Wohnung der Angeklagten geöffnet hatte, habe diese Gefahr nicht mehr bestanden, argumentierte der Verteidiger. Die Polizistin hätte die Kamera demnach ausschalten müssen.

Das Gericht hat nun dennoch entschieden, das Video im Prozess zu zeigen. Zwar habe die Beamtin gegen das Polizeigesetz verstoßen, dieser Verstoß ändere jedoch nichts an der Verwertbarkeit der Aufnahmen. Die Aufklärung des Totschlagsverbrechens wiege schwerer als der Gesetzesverstoß, so das Gericht.

Stand: 15.02.2019, 15:43

Kommentare zum Thema

2 Kommentare

  • 2 Tina 16.02.2019, 09:26 Uhr

    Finde ich gut, dass das Video zur Aufklärung der Tat verwendet wurde. Schließlich geht es hier um Totschlag und es gibt dem Toten indirekt auch eine Stimme. So kann eine gerechte Strafe gefunden werden, was sich vermutlich Angehörige, Verwandte und Freunde auch wünschen. In Zukunft sollte ein Video immer zur Klärung einer Straftat verwendet werden!!!!

  • 1 Atze 15.02.2019, 18:09 Uhr

    Die widerrertliche erlangten Aufnahmen einer Polizistin können helfen, ein Kapitalverbrechen aufzuklären, da sollte nach meiner Auffassung die Aufzeichnung auch nutzen. Möglicherweise stellt sich ja bei der Ansicht heraus, dass die Beschuldigte Entlastunsgmomente erfahren kann. Wir sollten nicht die Interessen von Tätern schützen, sondern den Opfern beistehen, solche Untaten aufklären zu können. Wer sich mal mit Insassen einer JVA beschäftigt, der kann schnell herausfinden, dass die Knackis mehr als 10 Stellen haben, wo sie sich über ihre Haftsituation beschweren können. Ein Opfer hat bestenfalls den Weißen Ring. Keine Hilfe vom Staat, so ist es nun mal.