Körperverletzung im Amt: Polizisten in Düsseldorf verurteilt

Schlagstock Polizei

Körperverletzung im Amt: Polizisten in Düsseldorf verurteilt

Ein Einsatz, der eskalierte: Zwei Polizeibeamte haben einen Altstadt-Besucher ohne Grund schwer verletzt. Heute wurden die Polizisten zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Den 29 und 35 Jahre alten Beamten wurde Körperverletzung im Amt vorgeworfen. Laut Anklage hatten sie im Oktober 2017 nachts Dienst in der Düsseldorfer Altstadt. Dort sollen die Polizisten einen Mann so häufig ins Gesicht geschlagen haben, dass er mehrere Knochenbrüche im Gesicht erlitt. Die angeklagten Polizeibeamten haben sich vergeblich auf Notwehr berufen. Das Amtsgericht Düsseldorf verurteilte sie am Mittwochabend zu einer Bewährungsstrafe von 6 bzw. 9 Monaten. Sie müssen außerdem 2.500 bzw. 3.000 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zahlen.

Geschlagen und minutenlang fixiert

Die angeklagten Polizisten sollen in der Oktobernacht zwei Männer getrennt haben, die sich miteinander geprügelt hatten. Als einer der Männer weglaufen wollte, sollen sie ihn festgehalten und minutenlang am Boden fixiert haben. Anschließend sollen die Beamten das Opfer abwechselnd geschlagen haben. Sechs weitere Polizisten hatten das Vorgehen der Anklage zufolge abgesichert. Das 38-jährige Opfer sei wehrlos gewesen und habe keinen Widerstand geleistet. Die Gewalt der Polizisten sei nicht gerechtfertigt gewesen.

Das Opfer soll unter anderem einen doppelten Nasenbeinbruch, einen Bruch der Augenhöhle sowie Blutergüsse und Schürfwunden erlitten haben. Überwachungskameras hatten den Einsatz in der Altstadt aufgezeichnet. Die beiden angeklagten Polizisten bestritten die Vorwürfe zunächst.

Forschungsprojekt "Körperverletzung im Amt durch Polizeibeamte"

Bekannt und immer wieder diskutiert ist die Tatsache, dass viele Verfahren gegen Polizeibeamte eingestellt und nie zur Anklage gebracht werden. Deshalb gibt es auch in der Politik immer wieder die Forderung nach unabhängigen Ermittlern, damit nicht Polizisten gegen Polizisten ermitteln müssen.

Nicht bekannt ist hingegen, wie viele Betroffene auf Anzeigen verzichten und was die Gründe für diese Entscheidung sind. Ein Forschungsprojekt der Ruhr-Uni Bochum untersucht das seit 2018.

Deutschlandweit: Betroffene körperlicher Gewalt durch Polizisten

Erstmals wurden deutschlandweit Betroffene nach ihren Erfahrungen befragt. Ziel des Projekts ist es, die fachliche wie auch die gesellschaftliche Debatte um rechtswidrige polizeiliche Gewaltanwendungen wissenschaftlich zu belegen.

Sehr häufig wurde von Stößen und Schlägen berichtet. Knapp ein Fünftel aller Befragten gab an, schwere Verletzungen erlitten zu haben. Neben den körperlichen Folgen berichteten die Befragten auch von erheblichen psychischen Folgen, wie Angst oder Vermeidungsverhalten.

Kaum Anzeigen und Strafverfahren

Nur knapp zehn Prozent aller Befragten sollen sich selbst für eine Anzeigeerstattung entschieden haben. Gegen eine Anzeige entschieden sich die Befragten vor allem, wenn sie von der Erfolglosigkeit eines Strafverfahrens ausgingen. Es wird davon ausgegangen, dass das gesamte Dunkelfeld im Bereich rechtswidriger Gewaltausübung durch Polizisten mindestens fünfmal so groß ist wie das Hellfeld.

Stand: 27.01.2021, 19:30