Autofahrer gewinnt Prozess um Lösegeldforderung

Oberlandesgericht Düsseldorf

Autofahrer gewinnt Prozess um Lösegeldforderung

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Obwohl er die Lösegeldforderung der Diebe seines Autos nicht seiner Versicherung meldete, hat ein Autofahrer Anspruch auf vollen Schadenersatz. Das hat das Düsseldorfer Oberlandesgericht am Dienstag (26.02.2019) entschieden und die Berufung des Versicherers als ohne Aussicht auf Erfolg eingestuft. Der Versicherer nahm sie daraufhin zurück (Az.: I-4 U 127/17).

Dabei ließ das Gericht offen, ob Versicherte Lösegeldforderungen grundsätzlich ihrer Versicherung melden müssen. Dies sei rechtliches Neuland. Die Versicherung hatte sich auf den Standpunkt gestellt, ein Verschweigen einer solchen Forderung sei ein Verstoß gegen die Schadensminderungspflicht. Denn damit werde ihr die Möglichkeit genommen, auf die Forderung einzugehen.

Dem Bestohlenen kann kein grob fahrlässiges Handeln vorgeworfen werden

Im konkreten Fall könne dem bestohlenen Autofahrer aber nicht vorgeworfen werden, grob fahrlässig gehandelt zu haben, stellte das Gericht fest. Dem Autofahrer aus dem Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz war sein Auto im Wert von 21.000 Euro in Bosnien gestohlen worden. Telefonisch forderte ihn ein Unbekannter einen Tag später zur Zahlung von 4.000 Euro auf, dann werde er seinen Wagen zurückerhalten. Die bosnische Polizei habe ihm geraten, auf eine solche Forderung nicht einzugehen, hatte der Kläger berichtet. Er hatte den Anruf sogar mitgeschnitten und später der Polizei in Deutschland zur Verfügung gestellt.

Als die Versicherung davon aus den Akten erfuhr, zahlte sie dem Bestohlenen nur 7.000 Euro - ein Drittel des Wertes des Autos aus. Dagegen klagte der Mann. Es gebe nicht nur bei gestohlenen Kunstwerken, sondern auch bei entwendeten Autos die Praxis, Lösegeld zu zahlen, hatte der Versicherer behauptet. Vor Gericht blieb er den Beweis am Dienstag aber schuldig: Er sei in 20 Jahren noch nicht mit so einem Fall konfrontiert gewesen, sagte der zuständige Sachbearbeiter der Schadensregulierung als Zeuge aus. Es gebe auch heute noch - fast fünf Jahre nach dem Diebstahl - keine Prozedur oder Vorgabe in seinem Haus, wie damit umzugehen sei. Dennoch hätte er damals einen Privatdetektiv in Österreich mit Kontakten in Bosnien beauftragt, sich um die Sache zu kümmern, beteuerte der Versicherungsmitarbeiter.

Stand: 26.02.2019, 15:10