Corona-Tests in Düsseldorfer Kitas begonnen

Ein Abstrichstäbchen wird in einer ambulanten Corona-Test- Einrichtung gehalten.

Corona-Tests in Düsseldorfer Kitas begonnen

  • Mehr als 5.000 Kinder und Erzieher*innen machen Corona-Tests
  • Sie geben freiwillig zweimal wöchentlich Speichelproben ab
  • Untersucht wird die Rolle der Kinder bei Infektionsketten

In vielen Düsseldorfer Kitas ist am Mittwoch (10.06.2020) eine bundesweit einmalige Modellstudie zum Coronavirus gestartet.

Über vier Wochen wollen die Uniklinik, die Stadt und die Landesregierung Erkenntnisse darüber gewinnen, welche Rolle Kinder bei der Verbreitung des Virus spielen.

5.000 Speichelproben in Kitas

Rund 3.900 Kinder und 1.200 Erzieher*innen in Kindertageseinrichtungen machen freiwillig bei der Studie mit. Sie geben zweimal wöchentlich Speichelproben in ihrer Kita ab, die dann auf das Coronavirus untersucht werden.

Statt eines Rachenabstrichs und eines unangenehmen Wattestäbchens in Hals oder Nase reicht den Forschern die Spuck-Probe. Das Test-Ergebnis bekommen die Eltern binnen 48 Stunden. Die Proben werden in den Kitas gesammelt und von der Uniklinik abgeholt.

"Die Proben geben uns auf jeden Fall Sicherheit, weil wir dann wissen, wo wir dran sind. Vor allem im Hinblick auf die Ferien, wenn es mit den Großeltern in den Urlaub geht", erzählt Sabine Dreßen. Ihre vierjährige Tochter wird im Rahmen der Studie regelmäßig getestet. "Ich denke aber auch, dass es für die Erzieherinnen selber auch eine große Erleichterung sein wird, wenn die getesteten Kinder mit einem negativen Ergebnis rauskommen."

Infektionsketten werden untersucht

Im Fokus der Forschung stehen die Infektionsketten. Die Virologen wollen herausfinden, inwieweit der gerade begonnene eingeschränkte Regelbetrieb in Kitas zu neuen Infektionen führt und welche Rolle vor allem die Kinder dabei spielen.

Das NRW-Familienministerium will auf Basis der Studie dann seine Schutzmaßnahmen bewerten und sie gegebenfalls anpassen.

Ergebnisse könnten Kita-Schließungen beenden

Insgesamt sollen 40.000 Speichelproben untersucht werden. Die Teilnahme erfolgt freiwillig. Die Auswertung der Ergebnisse ist für Juli vorgesehen.

Die Ergebnisse der Studie dürften sich auch auf die Maßnahmen der Stadt Düsseldorf auswirken, so Stadtdirektor Burkhard Hintzsche: "Wenn wir jetzt aufgrund dieser Studie feststellen, dass das Infektionsgeschehen in Kitas entweder ein sehr kleines oder ein sehr beherrschbares ist, dann müssen wir nicht zum Instrument der Kita-Schließungen greifen. Und ich glaube, das wäre für alle berufstätigen Eltern eine interessante Maßnahme."

Interview mit Virologe Prof. Dr. Timm

Leiter der Studie ist Prof. Dr. Jörg Timm vom Institut für Virologie an der Uniklinik Düsseldorf. In der WDR Lokalzeit aus Düsseldorf am Mittwochabend (10.06.2020) hat er Fragen zur Testreihe beantwortet.

WDR: Herr Timm, warum weiß man bisher so wenig darüber, welche Auswirkungen Corona bei kleineren Kindern hat?

Prof. Dr. Timm: Ein wesentlicher Punkt ist, dass die Untersuchungen üblicherweise tiefe Nasen-Rachen-Abstriche sind. Da ist die Hemmschwelle schon etwas größer, das bei den Kindern durchzuführen – deswegen wird einfach weniger getestet. Dazu kommt, und das ist sicherlich von der Datenlage klar, dass Kinder weniger krank werden. Patienten, die nicht schwer krank sind, denen wird man eine Untersuchung unter Umständen natürlich ersparen.

WDR: Welche Erkenntnisse erhoffen Sie sich durch die Studie?

Prof. Dr. Timm: Die Diskussion ist in den letzten Wochen ja kontrovers gewesen. Ich glaube, es gibt gute Untersuchungen, die zeigen, dass Kinder das Virus vielleicht weniger weitergeben. Gleichzeitig gibt es aber eben auch Daten, zum Beispiel aus Berlin, die zeigen, dass die Virusmengen in den oberen Atemwegen erst einmal ähnlich sind, sodass ich es auch plausibel finden würde, dass die Kinder das Virus genauso weitergeben. Es wäre natürlich die Hoffnung, dass wir dazu ein paar neue Erkenntnisse bekommen.

WDR: Wie sehen Sie die aktuellen Zahlen, die stabil auf einem niedrigen Niveau zu verharren scheinen?

Prof. Dr. Timm: Das ist natürlich erstmal positiv. Insbesondere, wenn wir jetzt sehen, dass es in den letzten Wochen zu Lockerungen der Maßnahmen gekommen ist. Wir sehen trotzdem keinen Anstieg der Infektionszahlen. Das ist ein guter Beweis dafür, dass das, was wir jetzt als Maßnahmen ergreifen, immer noch eine gewisse Sicherheit bietet. Das zeigt aber auch ein bisschen, dass wir jetzt in einer Phase sind, wo das Wetter besser geworden ist, wir viel draußen sind. Dann ist es natürlich auch ein bisschen einfacher für uns, weil die üblichen Übertragungswege wahrscheinlich eher in Räumen ein Problem sind. Spannend wird es nach dem Sommer, denke ich.

Stand: 10.06.2020, 20:07