Joe Bausch vor Tatort-Logo - Archivfoto

Gerichtsverfahren gegen Tatort-Star Joe Bausch eingestellt

Stand: 18.01.2022, 19:51 Uhr

Seit fast 25 Jahren ist Joe Bausch als Rechtsmediziner Joseph Roth aus den Kölner Tatorten nicht wegzudenken. Am Dienstag stand er als Angeklagter vor dem Amtsgericht Düsseldorf. Das stellte das Betrugsverfahren gegen ihn vorläufig ein.

Von Martin Höke / Michael Laumen

Das Düsseldorfer Amtsgericht entschied noch am Dienstag, der für eine Verurteilung wegen Betruges notwendige Vorsatz sei Joe Bausch nicht nachzuweisen, und stellte das Verfahren unter Auflagen ein.

Vorwurf: Sechs Jahre lang keinen Mietzuschuss gezahlt

In dem Prozess war es um Zahlungen für eine Dienstwohnung gegangen. 32 Jahre lang war der 68-Jährige Gefängnisarzt in Werl. Die Anklage warf ihm vor, von Dezember 2012 bis zu seiner Pensionierung Ende November 2018 sechs Jahre lang keinen Mietzuschuss für seine Dienstwohnung in Gefängnisnähe gezahlt zu haben, dort also widerrechtlich kostenfrei gelebt zu haben.

Liegt der Fehler bei einer Behörde?

Auslöser, so sein Verteidiger Peter Wehn aus Hamm, sei ein Bearbeitungsfehler des Landesamts für Besoldung gewesen. Das hatte ab November 2012 den fälligen Mietzuschuss für die Dienstwohnung des Gefängnisarztes nicht mehr von dessen Bezügen abgezogen, nachdem Bausch sich wegen einer Nebentätigkeit nur für diesen einen Monat ohne Bezüge habe beurlauben lassen.

Bausch habe in den 6 Jahren fast 58.000 Euro an „Dienstwohnungsvergütung“ eingespart, rechnete die Anklage vor. Als Beamter hätte er das Besoldungsamt auf den Fehler hinweisen müssen und es pflichtwidrig und vorsätzlich nicht getan.

"Joe Bausch hat nicht gemerkt, dass die Vergütung nicht mehr abgezogen wird." Joe Bauschs Anwalt

Doch das Düsseldorfer Amtsgericht entschied, es sei dem Schauspieler nicht zu beweisen, dass er den Berechnungsfehler des Besoldungsamtes ausgenutzt habe. Bauschs Anwalt hatte zuvor erklärt, es habe sich um ein Versehen gehandelt: "Joe Bausch hat nicht gemerkt, dass die Vergütung nicht mehr abgezogen wird."

Bausch soll Verfahren selbst ausgelöst haben

Ein Toter und eine Tasche voller Geld: Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär, l) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, 3.v.l) und Rechtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch, M) am Tatort.

Joe Bausch und seine Kollegen Dietmar Bär und Klaus J. Behrendt am Tatort-Set

Der Schauspieler sagte, durch seine verschiedenen Jobs und Einkünfte als Schauspieler, Autor und Arzt hätte er seine Einkünfte nicht genau kontrolliert. "Insofern war ich sicherlich kein ordentlicher Beamter, das kann ich mir heute wirklich vorhalten. Aber ich bin kein Straftäter."

Laut Verteidigung habe Joe Bausch das Verfahren selbst in Gang gebracht, als er nach seiner Pensionierung angefragt habe, ob er die Dienstwohnung noch etwas länger nutzen dürfe und bat, den Mietzuschuss weiter abzuziehen. Erst da sei der Bearbeitungsfehler des Düsseldorfer Landesamts aufgefallen.

Größter Teil schon zurückgezahlt

Nach Angaben seines Verteidigers hat Joe Bausch den größten Teil des zu Unrecht eingesparten Geldes bereits an das Besoldungsamt gezahlt. Knapp 10.000 Euro sind noch offen und nicht verjährt – die muss er jetzt noch überweisen, urteilte das Gericht. Zudem muss er als zweite Auflage auf eine Steuerrückforderung in Höhe von 16.600 Euro verzichten.

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