Über 5000 Menschen über Flughäfen in NRW abgeschoben

Über 5000 Menschen über Flughäfen in NRW abgeschoben

  • Jahresbericht des Forums Flughäfen in NRW vorgestellt
  • 5.300 Flugabschiebungen im vergangenen Jahr
  • Kirchenrat kritisisert "Abschiebeorientierung" Deutschlands

Im vergangenen Jahr habe die Bundesrepublik über die Flughäfen Düsseldorf, Köln/Bonn und Dortmund insgesamt fast 5.300 Menschen abgeschoben. Das seien so viele wie nie zuvor, so das Resüme des Forums Flughäfen in NRW (FFiNW), das die Zahlen am Donnerstag (11.04.2019) vorgestellt hat.

Zum Vergleich nennt die Vereinigung, die aus Vertretern von Kirchen, Nichtregierungsorganisationen und Behörden besteht, Zahlen aus dem Jahr 2008 für ganz Deutschland: Damals wurden 7.778 Personen über deutsche Flughäfen rückgeführt.

Betroffene kennen Termin für Abschiebung nicht

In dem Bericht wird außerdem auf Beobachter hingewiesen, laut denen 2018 vermehrt psychisch kranke und selbstmordgefährdete Menschen abgeschoben wurden.

Viele Betroffene kritisierten außerdem, dass der Termin der Abschiebung vorher nicht angekündigt werde. Dadurch hätten die Menschen keine Zeit, Dokumente und Habseligkeiten mitzunehmen.

Tatsächlich ist der Staat seit der Einführung des sogenannten "Asylpakets I" 2015 nicht dazu verpflichtet, die Betroffenen vorab über den Abschiebeplan zu informieren.

Kirchenrat spricht von Kulturwandel

Der evangelische Kirchenrat Rafael Nikodemus sagte bei der Vorstellung des Jahresberichts, Deutschland erlebe seit 2015 einen Wandel von der Willkommenskultur zur Abschiebeorientierung. Dabei sei es eine Stärke des Rechtsstaates, eine unabhängige Abschiebebeobachtung zuzulassen.

Das FFiNW wurde im Jahr 2000 gegründet. Ein Jahr später ist eine Stelle für die Beobachtung von Flugabschiebungen an den Flughäfen in NRW eingerichtet worden. Sie vermittelt beispielsweise bei Streitfällen zwischen der Bundespolizei und den Betroffenen und will nach eigenen Angaben zu mehr Transpanz im Zusammenhang mit Flugabschiebungen beitragen.

Stand: 11.04.2019, 17:04