Drei Monate nach der Flut: Wiederaufbau in Düsseldorf und Erkrath geht voran

Das Bild besteht aus zwei Fotos: Links ist ein Haus, davor ist die überflutete Straße. Rechts ist das gleich Haus. Die Straße ist trocken und die Sonne scheint.

Drei Monate nach der Flut: Wiederaufbau in Düsseldorf und Erkrath geht voran

Von Peter Hild

Drei Monate nach dem Hochwasser sind in Düsseldorf und Erkrath viele Schäden mindestens provisorisch behoben. Die gegenseitige Hilfe ist weiterhin groß.

Rolf Buschhausen ist stolz auf die nach wie vor große Nachbarschaftshilfe in der Düsseldorfer Ostparksiedlung. Dort standen die Häuser mehrerer Straßenzüge bei der Flut vor drei Monaten einen halben Meter hoch unter Wasser.

Mann mit weißem Haar und Brille schaut in die Kamera

Rolf Buschhausen

"Zum Glück haben wir viele gelernte Handwerker in der Siedlung, die jetzt freiwillig mit anpacken, wenn bei Betroffenen der Boden neu verlegt oder eine Wand neu angelegt werden muss", erzählt Buschhausen, denn bei Handwerkern auf dem freien Markt gebe es aktuell lange Wartezeiten.

Viele Schäden bereits behoben

Die Aufräumarbeiten in der stark betroffenen Siedlung seien abgeschlossen, jetzt laufe der Wiederaufbau, sagt Buschhausen, so etwas wie der "Kümmerer" im Viertel. 80 Prozent der Flutopfer seien inzwischen wieder zurück in ihren Häusern, ganz langsam kehre wieder Normalität ein.

Das Bild besteht aus zwei Fotos: Links ist eine überflutete Straße, die aussieht wie ein Fluss. Auf dem rechten Foto ist die Straße trocken, die Sonne scheint.

Hier auf der Zweibrückenstraße in der Düsseldorfer Ostparksiedlung mussten die Anwohner knietief durch das Wasser waten. Heute erinnert nichts mehr an das Hochwasser vor drei Monaten.

Auch im Gerresheimer Süden geht der Wiederaufbau voran. Viele, die nicht versichert gewesen seien, hätten die Schäden zumindest provisorisch repariert, berichtet Dagmar Neugebauer, deren Souterrain selbst voll Wasser stand. Sie lobt die lokalen Handwerker, die oft schnell und unbürokratisch geholfen hätten, zum Beispiel Strom und Heizungen wieder herzustellen.

Viele Betroffene hätten jedoch ein unsicheres Gefühl, jetzt alles wieder aufzubauen, erzählt sie. Denn sie sorgen sich bereits vor einem neuen Hochwasser. Deswegen recherchierten viele aktuell, wie sie den Hochwasserschutz an ihren Häusern zügig verbessern könnten.

Das Bild besteht aus zwei Fotos: Auf dem linken Bild ist ein Haus, davor ist der überschwemmte Garten. Rechts ist das gleiche Haus. Der Rasen ist grün und die Sonne scheint.

Die Sandsäcke neben Pflanzenkübeln erinnern die Bewohner heute noch an die Hochwassernacht.

Zehntausende Euro Soforthilfe ausbezahlt, weitere Anträge möglich

Von der halben Million Euro Soforthilfe der Stadt Düsseldorf für die beiden stark betroffenen Bezirke wurden bislang insgesamt rund 100.000 Euro an Privatpersonen sowie Sport- und Kleingartenvereine ausgezahlt. "Wir warten weiter auf konkrete Anträge", erklärt die Bezirksbürgermeisterin von Gerresheim, Maria Icking (Grüne).

Ihre Amtskollegin Dagmar von Dahlen (CDU) in Vennhausen plant für November eine Stadtbezirkskonferenz, um mehr Bürger über mögliche Hilfen und die geplanten Schutzmaßnahmen der Stadt zu informieren. "Wir wollen den Menschen das Gefühl von Sicherheit zurückgeben", sagt sie. Die Aufbauarbeiten im Bezirk gingen gut voran, viel werde über Eigeninitiative und Nachbarschaftshilfe gestemmt.

Das Bild besteht aus zwei Fotos: Auf dem linken Bild ist eine überflutete Straße, die aussieht wie ein Fluss. Auf dem rechten ist die gleiche Straße: Es ist trocken und die Sonne scheint.

Fast einen halben Meter hoch stand die Düssel auf dem Volmeweg vor drei Monaten.

Erkrath: Gebäudeschäden repariert

Weiter flussaufwärts an der Düssel waren auch Teile von Alt-Erkrath stark vom Hochwasser betroffen. Eine Flüchtlingsunterkunft, in der vor dem Unwetter rund 100 Menschen lebten, muss abgerissen werden. Die Betroffenen wohnen zumindest bis Ende des Jahres in einer Unterkunft in Langenfeld, teilte eine Stadtsprecherin mit.

Ein Großteil der Schäden an den städtischen Gebäuden sei inzwischen repariert: In der Stadthalle können wieder Veranstaltungen stattfinden, in einigen Sporthallen laufen noch die Sanierungsarbeiten. Mehr als 350 Soforthilfe-Anträge von betroffenen Privatleuten, Unternehmen und Landwirten hat die Stadt bisher bewilligt und 933.000 Euro ausgezahlt.

Das Unwetter im Rheinland - so sah es in Düsseldorf und Umgebung aus

Das Unwetter hat vielerorts in Düsseldorf, Erkrath und der Umgebung Bilder der Verwüstung zurückgelassen. Jetzt beginnen die Aufräumarbeiten in der Region.

Überschwemmungen in Düsseldorf Gerresheim

Besonders den Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim hat der Starkregen hart getroffen. Ganze Siedlungen standen hier unter Wasser.

Besonders den Düsseldorfer Stadtteil Gerresheim hat der Starkregen hart getroffen. Ganze Siedlungen standen hier unter Wasser.

Straßen mussten wegen der Überschwemmungen gesperrt werden, so wie hier die B8 in Düsseldorf. Auch die A44 war betroffen.

In Mettmann kam es zu dramatischen Szenen: Am Morgen des 14.07.2021 wurde eine Mitarbeiterin eines Seniorenheims bei dem Versuch, das Haus mit Sandsäcken gegen Wassermassen zu schützen, unter einem umstürzenden Baum eingeklemmt. Nur weil ein Ersthelfer den Kopf der Mitarbeiterin über Wasser hielt, konnte ihr Ertrinken verhindert werden.

Einsatzkräfte versuchten in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, den Damm in der Düsseldorfer Ostparksiedlung zu sichern.

Der von der Feuerwehr errichtete Damm in der Ostparksiedlung konnte den Wassermassen jedoch nicht standhalten.

Eine Wohnsiedlung in Düsseldorf-Vennhausen am Donnerstagmorgen. Die Anwohner mussten lange auf die Feuerwehr warten.

Das Wasser hat die ganze Siedlung durchzogen. Viele Anwohner hatten ihre Häuser und Wohnungen zwischenzeitlich verlassen müssen.

Vennhausen: Hier stand das Wasser bis unter die Decke. Sicherungen und Stromzähler wurden vielerorts zerstört. Viele Anwohner hatten über Tage keinen Strom.

Ebenfalls in Vennhausen: Wo zuvor noch eine Straße war, war nach der Flut ein See. Eine Familie hat sich daran angepasst.

Zwei Männer haben in Düsseldorf-Vennhausen ein Motorrad durch das hohe Wasser geschoben.

Im Düsseldorfer Stadtteil Kaiserswerth ist am Samstag eine Straße unterspült worden und abgesackt. Ein drei Meter tiefes Loch bleibt zurück. Wann die Alte Landstraße wieder freigegeben wird, ist unklar.

Die Sportanlage vom TV Grafenberg stand unter Wasser. Der Fußballplatz ist mittlerweile wieder halbwegs trocken – zurück bleiben Schlamm und Dreck.

Auch das Clubhaus des TV Grafenberg neben der Ostparksiedlung hat es hart getroffen. Wann hier wieder trainiert und Siege gefeiert werden können, ist unklar.

Obwohl ihn das Unwetter kalt erwischt hat, strampelt ein Radfahrer in Düsseldorf-Gerresheim tapfer weiter.

In der Kleingartenanlage Weidenau in Düsseldorf-Gerresheim ist die harte Arbeit vieler Kleingärtner in den Fluten zerstört worden.

Überflutete Straßenschilder und Fahrradständer lassen erahnen, dass hier einmal eine Straße war. Der überflutete Anleger der Rheinfähre in Meerbusch zeigt, wie weit sich der Fluss wegen des Unwetters ausgedehnt hat.

Hochwasser am Rhein: Der Dauerregen und das Unwetter haben auch den Rheinpegel steigen lassen. Der Fluss erreichte in Düsseldorf am Samstag den Höchststand von 7,60 Metern.

In Erkrath war der Stadtteil Alt-Erkrath stark überflutet. 600 Menschen konnten die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag nicht im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung verbringen.

Ein Auto, bis zum Dach im Wasser versunken, steht auf der überfluteten Morper Alle in Erkrath.

In Alt-Erkrath liefen viele Keller und Garagen voll.

Weil die Straße in Erkrath so stark überschwemmt war, musste dieses Auto geschoben werden.

Nach dem Starkregen mussten in Erkrath unzählige Keller ausgepumpt, Sandsäcke abgetragen und zerstörtes Hab und Gut aus den überfluteten Räumen geräumt werden. Am Freitag sammmelte sich in Alt-Erkrath das Sperrgut.

Durchnässter Hausrat, alte Fotoalben, zerstörte Geräte: All das türmt sich nach dem Unwetter schlammbedeckt auf den Straßen in Düsseldorf.

Die Aufräumarbeiten in Düsseldorf laufen noch – allein am ersten Wochenende nach dem Hochwasser hat die Awista rund 350 Tonnen Sperrmüll eingesammelt.

Auch in Ratingen in der Siedlung am Grünen See stapelte sich massenweise zerstörtes Hab und Gut der Anwohner. Laut Feuerwehr, die 185 Einsätze auf dem Ratinger Stadtgebiet gezählt hat, waren vor allem die Stadtteile West, Mitte, Tiefenbroich und Hösel besondere Einsatzschwerpunkte.

Auch das Ufer des Grünen Sees selbst wurde beschädigt, die Böschung ist abgerutscht. Das Grünflächenamt der Stadt Ratingen hat das Gebiet abgesperrt.

Stand: 14.10.2021, 16:36