Prozessauftakt nach tödlicher Messerattacke auf Krefelder in Dresden

Dresden: Ein Kriminaltechniker stellt ein Messer am Tatort sicher.

Prozessauftakt nach tödlicher Messerattacke auf Krefelder in Dresden

Ein Islamist soll im vergangenen Herbst einen Krefelder in Dresden mit einem Messer getötet haben. Der Syrer hat eigentlich schon gestanden, gibt sein Verteidiger zu.

Es war ein Oktoberabend im vergangenen Jahr, als ein 55-jähriger Mann aus Krefeld mit seinem Lebensgefährten durch die Dresdner Altstadt spazierte. Die beiden machten Urlaub in der Stadt, als sie in der Nähe der Frauenkirche unvermittelt von einem damals 20-jährigen Mann mit einem Messer angegriffen wurden.

Homophobie als Motiv?

Der Krefelder starb, sein Begleiter wurde schwer verletzt. Der junge Syrer soll die beiden aus homophoben Gründen attackiert haben, weil er sie als Repräsentanten einer von ihm als "ungläubig" abgelehnten freiheitlichen und offenen Gesellschaftsordnung angesehen habe. So jedenfalls sieht es die Bundesanwaltschaft, die den Mann angeklagt hat. Am Montagvormittag hat der Prozess in Dresden begonnen.

Der Beschuldigte selbst will sich im Prozess nicht zu dem Verbrechen äußern und sich "schweigend verteidigen", sagte sein Anwalt am Montag. Sein Mandant lehne das Gericht als "irdisches Gericht ab, das nicht zu bewerten hat, was er aus göttlicher Sicht getan hat". Dennoch wurden schon Details der Tat und ihrer Umstände bekannt. Denn der Arzt und forensische Psychiater Nobert Leygraf aus Münster hatte sich im März stundenlang mit dem Angeklagten in der Justizvollzugsanstalt Dresden unterhalten.

Angeklagter sieht keine Fehler

Der Angeklagte bezog sich in dem Gespräch auf den Koran. Etwas Falsches habe er in der Tat nicht erkennen können, sagte der junge Syrer dem Gutachter. Einen Fehler sah er lediglich darin, sich vorher nicht mit Vertretern des Kalifats verständigt und dem IS einen Treueschwur geleistet zu haben.

Verteidiger Peter Hollstein gab in einer Verhandlungspause zu, dass der Beschuldigte mit seinen Äußerungen gegenüber dem Gutachter de facto ein Geständnis abgelegt habe: "Er hat die Tat eingeräumt. Es ist hier der richtige Täter vor Gericht."

Gilt noch Jugendstrafrecht?

Sein Mandant habe mit dem Gutachter auch über seine Motivlage gesprochen. Die von der Bundesanwaltschaft genannten Mordmerkmale seien erfüllt. Die andere Frage sei aber, ob Jugendstrafrecht und die Sicherungsverwahrung zur Anwendung kommen.

Der Angeklagte kam als minderjähriger Flüchtling nach Deutschland und geriet früh in den Fokus der deutschen Sicherheitsbehörden. Bereits 2017 stuften sie ihn als islamistischen Gefährder ein, ein Jahr später wurde er wegen Unterstützung des IS verurteilt. Im Jugendstrafvollzug nahm er an einem Deradikalisierungsprogramm teil.

Beobachtung durch den Verfassungsschutz

Doch auch nach seiner Haftentlassung - nur wenige Tage vor der mutmaßlichen Tat in Dresden - galt er weiterhin als Gefährder. Er sollte dreimal die Woche bei der Polizei erscheinen und wurde vom sächsischen Verfassungsschutz beobachtet - sogar am Tattag - allerdings nicht rund um die Uhr.

Stand: 12.04.2021, 14:09