Klima und Forschung: 30 Jahre Wuppertal-Institut

Das Wuppertal-Institut wird 30 Lokalzeit Bergisches Land 23.06.2021 03:47 Min. Verfügbar bis 23.06.2022 WDR Von Rüdiger Knössl

Klima und Forschung: 30 Jahre Wuppertal-Institut

Das renommierte "Wuppertal-Institut für Klima, Forschung und Energie" feiert heute sein 30-jähriges Bestehen. Es war 1991 gegründet worden, um die Politik in ökologischen Fragen zu beraten.

Gegründet wurde es auf Betreiben des damaligen Ministerpräsidenten Johannes Rau. Erklärtes Ziel: Ergebnisse aus der Klimaforschung sollen nicht theoretisch bleiben, sondern direkt in praktische Anwendungen fließen. Vor allem aber sollen die Wuppertaler Wissenschaftler die Politik bei anstehenden Entscheidungen fachkundig beraten.

Oder, wie es das Wuppertal-Institut selbst formuliert: Es forscht daran, wie sich Übergänge in eine nachhaltige Gesellschaft gestalten lassen. Es versteht sich als Mittler zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik. Viele umweltpolitische Diskussionen wurden im Wuppertal-Institut angestoßen, egal, ob es um die Energiewende, die CO2-Bilanz, das Drei-Liter-Auto, oder Verkehrspolitik geht.

In jedem Jahrzehnt andere Herausforderungen

Ein Mann mit kurzen grauen Haaren bekleidet mit einem braunen Anzug, blauen Hemd und Krawatte lächelt in die Kamera

Prof. Manfred Fischedick

Seit 1991 habe sich die Arbeit des Instituts immer weiter verändert, sagt Instituts-Chef Professor Manfred Fischedick.
In seinen ersten zehn Jahren habe das Institut zuerst einmal für Themen wie Klima- und Umweltschutz oder Ressourcenknappheit sensibilisieren müssen, habe Aufklärung betreiben und den Politikern den Stand der wissenschaftlichen Forschung erklären müssen.
In den 2000er-Jahren habe die Politik damit begonnen, sich für erste Konzepte zu interessieren. Und habe auch nach Chancen gefragt, die mit Klimaschutzmaßnahmen verbunden sind.

Und das letzte Jahrzehnt sei schon konkret mit der Frage verbunden worden: Wie kann ich ganz konkret Klimaschutz umsetzen?

Anfangs ein schwieriges Verhältnis zur Politik

Aber nicht immer gingen Politik und Wissenschaft Hand in Hand. Richtigen Ärger gab es schon wenige Jahre nach der Gründung des Wuppertal-Institiuts: In einer Studie erklärte das Wuppertal-Institut 1997 den Braunkohleabbau Garzweiler II für verzichtbar. Wirtschaftsminister Wolfgang Clement schäumte damals über ein "politisches Pamphlet", das absolut unhaltbar sei, und degradierte die Studie: "Das hat mit wissenschaftlicher Arbeit relativ wenig zu tun."

Einige Jahre später wurde die Diskussion um Garzweiler II, die die Wissenschaftler angestoßen hatten, öffentlich geführt.

Rückenwind aus der Umweltbewegung

Heute ist es die Jugend, die von der Politik fordert, endlich auf die Erkenntnisse der Wissenschaft zu hören. Die "Fridays for Future"-Aktivisten etwa suchen immer wieder die Nähe zum Wuppertal-Institut. Sie haben beim Institut eine Studie in Auftrag gegeben, wie der Klimawandel gebremst und der CO2-Ausstoß in Deutschland minimiert werden könnte.

Breite Beratung

Ganz aktuell berät das Institut die Verwaltungen der drei Bergischen Großstädte Wuppertal, Solingen und Remscheid. Es geht um Nachhaltigkeit in der Stadtverwaltung: Abfallvermeidung, Bauen mit Recyclingmaterial und auch um langlebige Beschaffung in der Verwaltung. Auch die Wirtschaft klopft immer häufiger beim Wuppertal-Institut an: Etwa die Stahlindustrie, die wissen will, wie sie mittelfristig klimaneutral werden kann.

Stand: 24.06.2021, 10:34