Dramatischer Impfeinbruch in Köln

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Dramatischer Impfeinbruch in Köln

Von Jochen Hilgers

Und das mitten in der Omikron-Krise: In Köln geht die Impfbereitschaft dramatisch zurück. Derzeit gibt es nur 400 Erst-, Zweit- oder Drittimpfungen pro Tag. Vor Weihnachten waren es rund zehn Mal soviel.

Der leitende Impfarzt in Köln, Dr. Jürgen Zastrow, ist sauer, als er heute in der Kölner Arena Impfstoff abholt. Schon wieder ist so gut wie nichts los, sagt er. Bei so einer desaströsen Impfbereitschaft werden wir nicht ins normale Leben zurückfinden, sagt Zastrow, der auch Chef der kassenärztlichen Vereinigung in Köln ist. Der erfahrene Mediziner, der seit einem Jahr fast rund um die Uhr die Impfkampagne managt, plädiert eindeutig für eine Impfpflicht. Vor allem, weil in den städtischen Impfzentren - aber auch in den Praxen - die Zahl der Erstimpfungen gen Null tendiert.

Impfeuphorie ist vorbei

Impfarzt Dr. Jürgen Zastrow

Jürgen Zastrow ist stinksauer, weil sich in Köln kaum noch Menschen impfen lassen.

Auch Jürgen Zastrow hat die Impfkampagne in seiner Praxis dem Bedarf anpassen müssen. Jeweils Dienstag impft er 28 Patientinnen und Patienten. Manchmal sei es sogar schwierig, diese geringe Zahl an Impfwilligen zusammen zu bekommen. Zastrow erinnert daran, dass er im vergangenen Jahr Mittwochs, Freitags und Samstags jeweils mehr als 50 Menschen in seiner Praxis impfte. Damals habe es noch eine regelrechte Impfeuphorie gegeben.

Kaum Erst- oder Zweitimpfungen

Menschen laufen auf der Schildergasse an Werbedisplays vorbei, auf denen "Lass dich impfen!" steht.

Der Appell, sich Impfen zu lassen, scheint zu verhallen.

Die Stadt Köln reagiert auf die starke Impfmüdigkeit und schließt in der Kölner Arena eine von zwei Impfstraßen. Das Drive-In-Angebot vor der Arena bleibt aber bestehen. Dorthin verirren sich aber kaum noch Autos. Die Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes stehen sich die Füße in den Bauch. In die elf Impfkabinen geht nur selten jemand. Manchmal dreißig Minuten überhaupt niemand. Innen, wo mittlerweile Kölnerinnen und Kölner allen Alters ab fünf Jahren geimpft werden, sieht es kaum besser aus. Ein Arzt sagt, er habe heute nur rund 60 Menschen geimpft, darunter sei eine Erst- und eine Zweitimpfung gewesen. Alles andere seien Boosterimpfungen gewesen.

Kein Mangel an Impfstoff

Auch der Sprecher der Stadt Köln, Alexander Vogel, beginnt zu verzweifeln. Selbst eine teure Werbekampagne würde wohl nicht zu mehr Impfungen führen, sagt Vogel. Er appelliert trotzdem gebetsmühlenartig, sich impfen zu lassen. Auch Vogel sagt, dies sei der einzige Ausweg aus der Pandemie. An Impfstoff mangele es überhaupt nicht. Im Gegenteil: jeder einzelne Wirkstoff sei überreichlich vorhanden.

Booster-Impfungen in Köln: "Angebot noch mal gesteigert"

WDR 5 Morgenecho - Interview 22.12.2021 06:40 Min. Verfügbar bis 22.12.2022 WDR 5


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Impfkampagne: "Es ist extrem vieles gut gelaufen"

WDR 5 Morgenecho - Interview 27.12.2021 06:20 Min. Verfügbar bis 27.12.2022 WDR 5


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Stand: 14.01.2022, 16:55