Nach Missbrauchs-Gutachten: Dormagener Pfarrer verhüllt Jesus-Figuren

Stand: 25.01.2022, 17:07 Uhr

Ein Dormagener Pfarrer reagiert auf die Veröffentlichung des Missbrauchs-Gutachtens in der katholischen Kirche – mit einer ungewöhnlichen Aktion.

Er schäme sich "zutiefst", sagte der Dormagener Pfarrer Klaus Koltermann über die jüngsten Enthüllungen durch das Missbrauch-Gutachten dem WDR. Deshalb habe er nun die Jesus-Figuren in sechs Kirchen verhüllt.

Am vergangenen Donnerstag hatte eine Anwaltskanzlei ihr Gutachten vorgestellt. Dem emeritierten Papst Benedikt XVI. wird vorgeworfen, als Münchner Erzbischof zwischen 1977 und 1982 in vier Fällen nicht ausreichend gegen Missbrauchs-Täter vorgegangen sein. Auch Bischof Reinhard Marx soll in seiner Amtszeit Missbrauchsfälle nicht nach Rom gemeldet haben.

Koltermann wünscht sich eine andere Kirche

Dormagener Pfarrer spricht auf einer Demonstration

Pfarrer Klaus Koltermann gilt als scharfer Kritiker der katholischen Kirche und des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki. Koltermann fordert schon lange einen anderen Umgang mit den Opfern des jahrzehntelangen Missbrauchs. Nun geht er erneut in die Öffentlichkeit.

"Zeichen der Trauer Jesu"

Wegen der neuen Enthüllungen laste nun "über der Botschaft Jesu ein dunkler Schleier, ein dunkles Tuch", sagte Koltermann am Dienstag dem WDR. Deshalb habe er die Tücher aufhängen lassen und damit Kreuze und Kruzifixe verhüllt. Gedacht als "Zeichen der Trauer Jesu über das, was in der Kirche vorgefallen ist." Die eigentliche Botschaft Jesu sei durch das Verhalten der Amtsträger verdunkelt worden.

Die Jesus-Figuren sollen bis Aschermittwoch, Anfang März, verhüllt bleiben. Bei einer ähnlichen Aktion im November hatten Gelsenkirchener Gemeindemitglieder Kruzifixe in mehreren Kirchen verhüllt.

Nach Missbrauchs-Gutachten: Dormagener Pfarrer verhüllt Jesus-Figuren

00:45 Min. Verfügbar bis 25.01.2023