Laubbläser-Streit in Dormagen: Sicherheit, Lärm und Umweltschutz

Mann mit Laubbläser

Laubbläser-Streit in Dormagen: Sicherheit, Lärm und Umweltschutz

Laubbläser sind in dieser Jahreszeit nicht wegzudenken. Sie sorgen für laubbfreie Straßen – aber auch für Lärm. In Dormagen regt sich jetzt Widerstand gegen die Geräte.

Christine Kühn ist genervt von dem Lärm der Laubbläser. Aber die Anwohnerin in Dormagen sorgt sich auch um Insekten und Kleintiere. Denn wie ein Orkan pustet der benzinbetriebene Laubbläuser alles weg: Laub, Müll, aber auch Insekten haben keine Chance. Abgase und umherfliegender Schmutz kommen noch hinzu.

Anwohnerin Christine Kühn ist genervt von Laubbläsern in Dormagen

Christine Kühn aus Dormagen

Deswegen wünscht sich Kühn, dass die Stadt auf die Geräte verzichtet: "Man kann zu Besen und Rechen zurückkehren, wie wir es Jahrzehnte, Jahrhunderte gemacht haben, ohne zusätzlich die Luft zu belasten."

Stadt verteidigt eingesetzte Geräte: 300.000 Euro Ersparnis

Laut Stadt sei das aber nicht so einfach. Denn gerade weil Laubbläser so kräftig sind, seien sie so effizient. Die Stadt hätte an einer Versuchsfläche getestet, wie hoch der Arbeitsaufwand wäre, diese Fläche per Hand zu reinigen. Das Ergebnis: Der Aufwand wäre vier Mal größer, erzählt Nils Heinichen von der Stadt Dormagen auf Nachfrage des WDR: "Da haben wir letztlich natürlich auch eine Kostenfrage, denn die Stadt Dormagen würde das rund 300.000 Euro mehr kosten."

Außerdem muss die Stadt dafür sorgen, dass auf den Wegen kein Laub liegt, damit bei Nässe niemand ausrutscht. Deswegen kämen die Laubbläser auch nur auf befestigten Wegen und nicht auf Grünflächen zum Einsatz, damit Insekten und andere kleine Tiere geschützt sind: "Letztlich ist es immer ein Abwägen zwischen dem Faktor Sicherheit und den Umweltbelangen", so Heinichen.

Bund für Umwelt und Naturschutz kritisiert Laubbläuser

Umweltschützer kritisieren dagegen: Ein gewisser Schaden an der Natur sei kaum zu verhindern. Millionen von Kleintieren würden durch den Druck der Bläser getötet. "Benzinbetriebene Laubbläser haben meines Erachtens nach überhaupt gar keine Daseinsberechtigung. Allein schon aus Lärm- und aus Klimaschutzgründen. Dann sollte man wenigstens auf ökostrombetriebene Elektro-Bläser umsteigen – aber auch nur da, wo es aus zwingenden Gründen der Verkehrssicherheit nötig ist", so Dirk Jansen vom Bund für Umwelt und Naturschutz.

Akkubetriebene Geräte setzt die Stadt Dormagen auch ein. Sie sind leiser, haben aber einen Nachteil: Die Akkus müssen häufig geladen werden, wohingegen der Benziner länger läuft. Ein Umstieg ist so erst einmal nicht in Sicht.

Stand: 20.09.2021, 11:36

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