1.900 DNA-Tests im Mordfall Claudia Ruf

23.11.2019, Grevenbroich: Zu sehen sind zwei personalisierte (codierte) Wattestäbchen für den DNA-Speicheltest im Mordfall Claudia Ruf.

1.900 DNA-Tests im Mordfall Claudia Ruf

Von Christoph Hensgen und Jochen Hilgers

  • Ermittlungen der Mordkommission reichen bis nach Australien
  • Bislang 800 Proben ausgewertet – noch kein Treffer dabei
  • Polizei ist weiter zuversichtlich Claudias Mörder zu finden

In den Mordermittlungen im Fall Claudia Ruf hat die Polizei bereits Speichelproben von 1.400 Männern vorliegen. Weitere 500 Proben von früheren männlichen Bewohnern des Grevenbroicher Ortsteils Hemmerden stehen noch aus. Dort war die elfjährige Claudia Ruf 1996 entführt und vergewaltigt worden. Zwei Tage später wurde ihre Leiche bei Euskirchen gefunden.

Auch Verwandtschaftstests

Die Polizei lässt derzeit bundesweit Speichelproben durchführen. Außerdem werden mit Hilfe internationaler Polizeibehörden weitere 200 Speichelproben von Männer eingeholt, die mittlerweile im Ausland leben. Fast alle betreffenden Männer haben Datenanalysten des Landeskriminalamtes in langer Kleinarbeit bis hin nach Australien ausfindig gemacht.

Ungefähr ein Dutzend Männer, die damals zwischen 14 und 70 Jahre alt waren und einen Bezug zu Hemmerden aufwiesen sind mittlerweile verstorben. Hier führt die Polizei DNA-Tests im Verwandtenkreis durch. Mithilfe von einem sogenannten Beinahetreffer könnte der Täter selbst dann noch ermittelt werden.

Zuversicht bei der Mordkommission

Die Mordkommission mit Beamten aus Neuss und Bonn arbeitet weiter mit voller Besetzung von rund 20 Beamten. Obwohl bei den bisher im Labor ausgewerteten 800 DNA-Proben kein Treffer dabei war, sind sie zuversichtlich, den Fall in den kommenden Wochen klären zu können.  Beim LKA in Düsseldorf werden zur Zeit jeweils 90 DNA-Proben gleichzeitig untersucht.

Mordfall Claudia Ruf: Warten auf einen Treffer 05:28 Min. Verfügbar bis 10.12.2020 Von Christoph Hensgen

Neuer Ermittlungsansatz

Seit Herbst gehen Profiler im Fall Claudia Ruf einem neuen Ermittlungsansatz nach. Sie vermuten, dass der Täter das Mädchen damals mitten im Ort verschleppte und auch genau dort zumindest zeitweise wohnte. Seit 2017  gibt es eine wichtige Gesetzesänderung. Die LKA-Experten dürfen im Labor jetzt auch so genannte Beinahetreffer verwerten und an die Beamten der Mordkommission weitergeben.

Beinahetreffer, die über den Verwandtschaftsgrad den entscheidenden Hinweis zum Täter geben können. Sorgen, dass ihre Speichelprobe in einer Datenbank landet, müssen sich die betroffenen Männer nicht machen. Die Polizei versichert, dass alle Proben nach dem Test vernichtet werden.

DNA-Tests in der Vorweihnachtszeit

Die neuen Ermittlungsansätze der Polizei hatte die Menschen in dem kleinen Ort aufgewühlt. Der Fall Claudia Ruf ist fast allen noch sehr präsent. In der Grundschule des Ortes hatten 1.000 Männer aus Hemmerden in der Vorweihnachtszeit ihre Speichelprobe abgeben.

Vielleicht habe der Täter 23 Jahre unentdeckt unter uns gelebt, war mit im Schützenverein, habe mit an der Theke gestanden. Das sagten viele dem WDR, die jetzt auf Gewissheit hoffen.

Stand: 07.01.2020, 08:44

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