Kölner Erzbistum: Diözesanrat geht auf Distanz zu Woelki

Rainer Maria Kardinal Woelki

Kölner Erzbistum: Diözesanrat geht auf Distanz zu Woelki

Von Frank Piotrowski und Stefan Gerich

Der Diözesanrat, das oberste Gremium der katholischen Laien im Erzbistum Köln, geht auf Distanz zu Kardinal Woelki. Bis zur Auklärung möglicher Versäumnisse im Umgang mit sexuellem Missbrauch will der Rat mit dem Kardinal nicht mehr zusammenarbeiten.

Damit kündigt die katholische Basis Kardinal Rainer Maria Woelki die Gefolgschaft bei einem seiner wichtigsten Projekte auf.

So zum Beispiel, wie das Erzbistum und vor allem die Pfarreien bis zum Ende des Jahrzehnts aufgestellt sind. Dazu gehört die Frage, wie viele Pfarreien und wie viele Seelsorger es in Zukunft noch geben wird.

Laien gegen Kardinal Woelki

WDR 5 Morgenecho - Interview 30.01.2021 05:35 Min. Verfügbar bis 30.01.2022 WDR 5


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Deutliche Kritik an Woelki

Für den Herbst waren abschließende Gespräche geplant. Die lägen nun auf Eis, denn die Vertrauensbasis sei wegen der ungeklärten Missbrauchsaufarbeitung nicht mehr ausreichend, sagt ein Sprecher des Diözesanrates.

In einer offiziellen Mitteilung des Rates heißt es: "Der Erzbischof von Köln hat als moralische Instanz versagt und zeigt bis heute keine Haltung."

Kardinal Woelki steht seit Monaten in der Kritik, weil er die Veröffentlichung eines Gutachtens einer Münchener Anwaltskanzlei untersagt, das sich mit den Fällen sexualisierter Gewalt in Deutschlands größtem Bistum befasst.

"Das ist ziemlich beispiellos, dass in so konzertierter Aktion in so umfassender Form Kleriker und auch aus den Gemeinden Menschen sagen, bitte zurücktreten, bitte persönliche Konsequenzen ziehen. Wobei ich gar nicht glaube, dass es darum geht, den Erzbischof loszuwerden, sondern dass endlich personelle und persönliche Konsequenzen gefordert werden aus dem, was im Missbrauchsskandal zu Tage getreten ist", sagte Joachim Frank, Redakteur beim "Kölner Stadtanzeiger" und Experte für kirchliche und kirchenpolitische Themen, im WDR-Morgenecho.

Auch der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat sich "erschüttert" über das Verhalten des Kölner Erzbischofs gezeigt. "Dieses Verhalten diskreditiert den Aufarbeitungsprozess in der katholischen Kirche insgesamt und zerstört Vertrauen, das eigentlich zurückgewonnen werden müsste", sagte Rörig dem "Spiegel". 

Unterstützung vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken

Unterstützung erhalten die Laien auch vom Zentralkomitee der deutschen Katholiken, die eine Ausstrahlung der Kölner Vorgänge auf die gesamte katholische Kirche in Deutschland fürchten: Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki äußerte sich nicht.

Sein Weihbischof Ansgar Puff sagte dem WDR, auch der Erzbischof unterstütze, dass die Gemeindereform und die Aufklärung des Missbrauchsskandals voneinander getrennt werden.

Woelki hatte bereits eine Verschiebung des Entscheidungsprozesses angekündigt und Arbeitsgruppen zur weiteren Vorbereitung eingesetzt.

Weihbischof stimmt gegen Beschluss zur Verantwortungsübernahme

Weihbischof Puff lehnt einen Beschluss des Diözesanrats ab, dass die Kirchenoberen eine sofortige persönliche Verantwortung für Fehler bei der Missbrauchsaufklärung übernehmen sollen.

Zunächst solle die neu vom Kölner Erzbischof eingesetzte Kölner Kanzlei Mitte März ihr Gutachten zur Verantwortung von Entscheidungsträgern zum sexuellen Missbrauch von Priestern veröffentlichen.

Bis dahin sind es noch sieben Wochen. Sieben Wochen in denen der öffentliche Druck aufs Erzbistum nicht nachlassen wird.

Immer mehr Kritik an Kölns Erzbischof Woelki

WDR 5 Westblick - aktuell 28.01.2021 05:28 Min. Verfügbar bis 28.01.2022 WDR 5


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Stand: 30.01.2021, 11:37