Digitalisierung: Issumer Grundschule als Vorreiter

Schülerin arbeitet an einer digitalen Tafel

Digitalisierung: Issumer Grundschule als Vorreiter

  • Issumer Schule ersetzt Kreidetafel durch Whiteboard
  • Lehrerin: "Eine kleine Herausforderung"
  • Gewerkschaft: Digitalisierung in NRW "unzureichend"

Kreide-Döschen und Tafel-Schwamm sucht man in der Klasse 3b vergebens. An der Brüder-Grimm-Grundschule in Issum läuft der Unterricht über ein sogenanntes Whiteboard. Dort, wo in vielen Grundschulen noch alte Kreidetafeln hängen, ziert in Issum ein großes Display die Wand.

Lehrerin mit digitaler Tafel im Hintergrund

Für Lehrerin Heike Steckel ist das Whiteboard eine Herausforderung

Bedient wird es mit einem digitalen Stift, der auf Knopfdruck die Farben wechseln oder auch radieren kann. "An der neuen Tafel ist das Schreiben schon etwas schwieriger als an der alten mit Kreide", sagt Lehrerin Heike Steckel. 30 Jahre lang habe sie mit Kreide unterrichtet. "Es ist jetzt schon erstmal eine kleine Herausforderung."

Die Brüder-Grimm-Schule nimmt bereits eine Vorreiterrolle am Niederrhein ein. 45.000 Euro hat die Schule bisher in die neue Technik gesteckt. Das Geld stammt aus dem Fördertopf "Gute Schule 2020" des Landes NRW. Weitere 75.000 Euro kann die Schule noch abrufen – etwa für neue PC-Arbeitsplätze oder Tablets.

Gewerkschaft: Digitalisierung "unzureichend"

Auch aus dem frisch beschlossenen Digitalpakt können Schulen in Zukunft Gelder beantragen. Die Gewerkschaft Verband Bildung und Erziehung (VBE) fordert eine gerechte Verteilung: "Nach langem Warten müssen die Mittel fair, gezielt und schnell fließen."

Insgesamt bezeichnet die Gewerkschaft die Digitalisierung an NRW-Schulen als "unzureichend". An zwei Dritteln der Schulen fehlten Klassensätze an Tablet-PC und Smartphones. Und: "Die beste Technik hilft wenig, wenn angemessene Fortbildungen nicht mitgedacht werden oder die nötige Infrastruktur fehlt."

Konzepte sind wichtig

Sabine Mistler vom Philologen-Verband merkt an: "Die Technik entwickelt sich viel schneller, als wir die Konzepte gestalten können." Nur mit durchdachten Konzepten könne man die Technik sinnvoll im Unterricht einsetzen. Fortschritt sei wichtig, müsse aber mit Bedacht angegangen werden. Mistlers Credo: "Pädagogik vor Technik".

Reiches Land, arme Schulen

WDR 5 Polit-WG 24.08.2019 32:56 Min. Verfügbar bis 22.08.2020 WDR 5

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Für die Issumer Schulleiterin Christel Münster ist die Digitalisierung ihrer Schule noch nicht beendet: "Wir haben den ersten großen Schritt gemacht, aber ich denke, es ist immer noch verbesserungswürdig, an vielen Stellen."

Stand: 13.09.2019, 11:21