Dieselfahrverbot: Handwerker im Rheinland in der Enge

Ende eines Auspuffrohrs, darunter ein Schild Diesel-Fahrverbot, daneben das Verkehrschild "Durchfahrtsverbote für Kraftwagen", über allem Rauchschwaden

Dieselfahrverbot: Handwerker im Rheinland in der Enge

Von Anne Burghard

  • Drohende Dieselfahrverbote verursachen Sorgen
  • Umrüsten für Handwerker nicht immer möglich
  • Lkw mit Gas-Antrieb in Bonn

Das drohende Dieselfahrverbot in Städten wie Köln, Bonn und Essen macht insbesondere Handwerkern und Lieferanten große Sorgen. Die meisten haben Autos und Lieferwagen mit Dieselantrieb.

Und sie fragen sich, wie sie damit zu ihren Kunden in den künftigen Fahrverbots-Zonen kommen sollen. Ob es Ausnahmen geben wird, ist noch nicht geklärt.

Neu kaufen oder umrüsten

Thomas Radermacher hat eine Tischlerei in Meckenheim. Gerade produziert er neue Stühle für den Kölner Karneval. Im großen Saal des Gürzenich soll der Elferrat darauf Platz nehmen. Ein guter Auftrag.

Doch beim Stichwort Dieselfahrverbot ist Thomas Radermacher gar nicht mehr nach Karneval zumute. Sein Fuhrpark: Fünf Dieseltransporter, Euro-Norm 5.

Nach Köln reinfahren dürfte Radermacher bei einem Dieselfahrverbot damit nicht mehr, sagt er im WDR am Montag (10.12.2018): "Keines der Fahrzeuge ist älter als drei Jahre. Ob man die auf Euro-Norm 6 technisch aufrüsten kann, ist noch nicht klar. Bliebe neu kaufen. Aber das wäre ein harter Schlag ins Kontor."

Pro: Nachrüsten, und die Konzerne zur Kasse bitten

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 20.11.2018 01:54 Min. Verfügbar bis 20.11.2019 WDR 5

Download

Erster Gas-Lkw Deutschlands in Bonn

Ortswechsel. Beim Getränkehandel Vendel in der Bonner Innenstadt belädt ein Fahrer einen Zwölf-Tonner-Lkw. Seitlich unter der Ladefläche des Lasters sind zwei dicke Tanks montiert – für Gas.

Vor einem Jahr hat sich Getränkehändler Werner Vendel den damals ersten mit Gas betriebenen Lkw in Deutschland gekauft. "Wir haben den Lkw mit dem Hersteller entwickelt. Zum Beispiel mussten wir die Traglast erhöhen, um die schweren Lieferungen damit fahren zu können."

Ein Ladestecker eines Elektroautos steckt im Fahrzeuganschluss und der Akku wird geladen, signalisiert durch blaues Licht

Elektroautos - noch nicht voll einsetzbar für Handwerker und Lieferanten

Um die Ecke gibt es eine Tankstelle mit Gas-Zapfsäule. Seinen kleineren Firmenwagen betankt er direkt am Haus, mit Strom. Es ist ein Elektroauto, Reichweite 300 Kilometer im Sommer. Das funktioniere zuverlässig, sagt der Getränkehändler.

Kein Elektroauto für schwere Lasten

Tischlermeister Radermacher würde auch gerne elektrisch fahren. Doch das geht in seinem Handwerk gar nicht. Zwar gibt es inszwischen auch Elektro-Transporter, doch die kann er in seinem Betrieb nicht nutzen.

"Bei unseren großen Transportern brauchen wir genügend Traglast. Allein für unser Werkzeug gehen da schon 500 Kilo drauf. Und dann müssen wir ja noch Material laden", sagt Radermacher. "Elektrofahrzeuge oder Alternativen schaffen keine so hohen Gewichte."

Hoffen auf Ausnahme-Genehmigungen

Beide, der Tischler und der Getränkehändler, hoffen nun, dass es für Handwerker und Lieferanten Ausnahmen vom Dieselfahrverbot geben wird. Oder, dass das Oberverwaltungsgericht Münster die Fahrverbote sogar aufhebt.

Mit allen Tricks - Der Kampf gegen Dieselfahrverbote Westpol 18.11.2018 UT DGS Verfügbar bis 18.11.2019 WDR

Stand: 10.12.2018, 09:27

Weitere Themen