Corona-Warn-App - Erst belächelt, jetzt bewundert

Logo der Corona-Warn-App des Bundes auf einem Handy. Köln, 22.06.2020

Corona-Warn-App - Erst belächelt, jetzt bewundert

Von Sebastian Tittelbach

  • Mehr als 200 App-Nutzer meldeten positiven Corona-Test
  • Deutsches Know-how für britische Corona-App 
  • Datenaustausch mit anderen europäischen Apps geplant

14 Millionen Downloads meldet das Robert-Koch-Institut zwei Wochen nach dem Start der Corona-Warn-App: "Wir ahnten, dass es kein kompletter Fail wird", erinnert sich Peter Lorenz. Bei der Deutschen Telekom ist er einer der Väter der Warn-App. Es wurde der erfolgreichste Launch im deutschen App-Store, den es je gegeben hat. Das ziemliche Gegenteil von "Fail". 

Kein großes Interesse von Telekom und SAP an Corona-App 

Sicher war dieser Erfolg überhaupt nicht. Telekom und SAP waren wenig begeistert von der Anfrage der Bundesregierung, ob sie die deutsche Corona-App entwickeln. Zum Zeitdruck kamen technische Probleme. Die App soll über den Funkstandard Bluetooth erkennen, wie lange sich andere Handys in anderthalb Meter Abstand befinden.

Doch dafür ist Bluetooth nicht gedacht. "Eine wesentliche Herausforderung war: Wie holen Sie mit einer Technik, die man nutzt, um Ohrstöpsel zu koppeln und Drucker anzusteuern die richtige Information, um die anderthalb Meter zu schätzen", sagt Lorenz.

Deutsches Know-how soll britischer Corona-App helfen

Bislang wurden mehr als 200 App-Nutzer positiv auf Corona getestet und haben sich bei den Gesundheitsbehörden gemeldet. Die App funktioniert, perfekt ist sie nicht: Auf Smartphones, die älter sind als fünf Jahre, läuft sie gar nicht, auch nicht auf Spezialgeräten wie Angela Merkels Kanzlerhandy. Gelegentlich produziert die App Fehlermeldungen. Aber sie hat sich herumgesprochen.

Großbritanniens Premiere Boris Johnson behauptete vergangene Woche im britischen Unterhaus, es gebe weltweit kein einziges Land mit einer funktionierenden Kontakt-Nachverfolgungs-App. Oppositionsführer Keir Starmer kontert mit dem deutschen Erfolg: "Germany. 12 million downloads."

Inzwischen unterstützt das Team von Peter Lorenz Großbritannien bei der App-Entwicklung. "Wir haben denen alles gegeben, was wir haben. Am Ende des Tages ist mir der Premierminister nicht so wichtig. Mir ist eher wichtig, dass der Projektleiter eine funktionierende App auf die Füße kriegt."

Das ganz große Thema nimmt gerade erst Fahrt auf: Wie können sich die verschiedenen Corona-Apps in Europa vernetzen? Gerade jetzt zur Urlaubszeit wäre diese Funktion dringend nötig.

Corona-App: Sinnvoll und effektiv

WDR 5 Morgenecho - Interview 20.06.2020 05:40 Min. Verfügbar bis 19.06.2021 WDR 5

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Stand: 30.06.2020, 12:21

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