Ausstellung zu Karl V. in Aachen: "Der gekaufte Kaiser"

Ein Mann steht neben einem Ausstellungsstück.

Ausstellung zu Karl V. in Aachen: "Der gekaufte Kaiser"

Von Heiko Jaeckel

Ein historisches Treffen: Kaiser Karl V. und Albrecht Dürer kamen 1520 in Aachen zusammen. Der Grund: die Krönung Karls V. zum römisch-deutschen König und später zum Kaiser. Die Ausstellung dazu startet Freitag in Aachen, sie heißt: "Der gekaufte Kaiser".

500 Jahre ist es her, da wurde Karl V. im Aachener Dom zum römisch-deutschen König und "erwählten Kaiser des Heiligen Römischen Reiches" gekrönt – am 23. Oktober 1520. Damals galt er als mächtigster Herrscher der Welt. Eine Welt, die im Umbruch war: vom Mittelalter in die Neuzeit. Genau 500 Jahre später eröffnet das Aachener Centre Charlemagne eine Ausstellung über sein Leben. Unter dem Titel "Der gekaufte Kaiser", denn Karl hatte seine Wahl vor allem der Macht des Geldes zu verdanken.

Karls Ziel: Mächtigster Mann der Welt werden

Gemälde hängt an einer Wand mit Text.

Karl V., festgehalten von Tizian

Hoch gewachsen, kräftig, mit hervorstehendem Kinn und rotblonden Haaren – so ist Karl V. auf zeitgenössischen Bildern zu sehen. Schon mit 16 Jahren schrieb der Sprößling aus der Habsburger Dynastie Geschichte: als erster König Spaniens. Doch der im flämischen Gent geborene Karl wollte mehr: der mächtigste Mann der Welt werden. "Karl war tief in der Tradition des Mittelalters verwurzelt und wollte den Weltrang der Habsburger unbedingt weiterführen", erklärt Museumsleiter Frank Pohle. Aber auch Frankreichs Herrscher Franz I. und Englands König Heinrich VIII. meldeten ihren Anspruch auf den Titel an. Ein heftiger Wahlkampf entbrannte.

Mit Bestechung zum Thron

Karl gewann, weil er das Wahlkollegium aus Kurfürsten und Erzbischöfen mit finanziellen Mitteln überzeugte. Sprich: mit Bestechung. Mehr als 850.000 Gulden kostete ihn das Projekt. Geld, das er sich zum größten Teil vom Kaufmann Jakob Fugger geliehen hatte.

In Aachen wütete die Pest

Beinahe wäre die Krönung im Aachener Dom allerdings nicht zustande gekommen. Denn 1520 grassierte in Europa die Pest. Eine Pandemie, wegen der die Krönung nach Köln verschoben werden sollte. Aber Karl wollte in der Tradition seines Namenspatrons Karl der Große bleiben und bestand auf dem Krönungsort Aachen. "Und zum Glück für Karl war die Seuche in Aachen zum Zeitpunkt der Krönung bereits auf dem Rückzug", weiß Frank Pohle.

300 Exponate im Centre Charlemagne

Mehrere Gemälde hängen in einer Austellung.

Die Ausstellung zeigt unter anderem, wie die Stadt damals ausgesehen hat. Dank vieler Bild- und Textdokumente ist über keine Aachener Krönung mehr bekannt als über die Karls V. Im Centre Charlemagne sind sein Krönungsmantel zu sehen und eine Kopie der Reichskrone, insgesamt 300 Exponate, Gemälde, Statuen aus dem In- und Ausland. Die Ausstellung ist vom 23. Oktober 2020 bis zum 24. Januar 2021 zu sehen.

Dürer zeichnete ein klares Bild der Stadt

Dass man heute so ein klares Bild der Stadt vor 500 Jahren hat, ist auch dem Maler Albrecht Dürer zu verdanken, der im Krönungsjahr nach Aachen kam und seine Eindrücke in einer Serie festhielt. Das komplette Reisejournal Dürers mit mehr als 80 Werken wird das Aacher Suermondt-Ludwig-Museum im kommenden Jahr präsentieren.

Stand: 22.10.2020, 15:37