Tausende protestieren gegen hohe Mietpreise

Tausende protestieren gegen hohe Mietpreise

Von Kathrin Ohlmann

  • Bisher größte Demo in NRW für bezahlbare Wohnungen
  • Etwa 3.000 Teilnehmer aus ganz NRW
  • Forderung nach Enteignung großer Immobilienunternehmen

Ein Gruppe von Demonstranten schiebt zwischen den Lautsprecherwagen einen lila-gelb angemalten Wohnwagen die Straße hoch. Auf ihm steht "Wohnen für alle". Auf dem Kopf trägt der Besitzer ein Papphaus als Hut. Er ist zum Protest gekommen, um zu betonen, dass Wohnen ein Menschenrecht ist und kein Luxus sein soll.

Mieter-Initiativen aus ganz NRW

Die Demonstration unter dem Motto "Gemeinsam gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn" gibt insgesamt ein buntes Bild ab. Die Veranstalter sprechen von etwa 3.000 Teilnehmern, die Polizei geht etwa von der Hälfte aus. Es sind Familien da mit Kinderwagen, Gruppen junger Leute, Paare und ältere Menschen, viele haben selbstgemalte Plakate dabei mit Slogans wie "Mieter sind keine Zitronen" und "Selbst Adam und Eva brauchen heute bezahlbare Wohnungen - Mietenwahnsinn stoppen!".

Wohin entwickeln sich die Mieten? Interview mit Immobilienexperte Volker Eichner

WDR 5 Morgenecho - Interview 06.04.2019 05:46 Min. WDR 5

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Es sind Mieter-Initiativen aus Bochum, Aachen, Düsseldorf, Mönchengladbach und weiteren NRW-Städten gekommen. Viele haben sich zusammengetan, um etwas gegen heruntergekommene Wohnungen und steigende Mietpreise zu tun.

Heike Oligschläger von der Mieterinitiative Mönchengladbach sagt, die Proteste gegen einen Großvermieter zeigten schon Wirkung: "Wir wehren uns dagegen, dass dieses private Immobilienunternehmen die Wohnungen vergammeln lässt und trotzdem Mieterhöhungen fordert." Der Rat der Stadt würde sich jetzt der Sache annehmen.

Besserer Mieterschutz und bezahlbare Wohnungen gefordert

Auf der Auftaktkundgebung des Bündnisses "Wir wollen wohnen" am Heumarkt forderte der Vorsitzende des Kölner Mietervereines Franz-Xaver Corneth, dass in Köln einfach mehr gebaut werden müsse. "Es fehlen 70.000 bis 80.000 bezahlbare Wohnungen." Für ihn sei es ein Unding, dass in Köln viele Menschen das halbe Einkommen für die Miete ausgeben müssten.

Menschen demonstrieren gegen hohe Mieten

Kämpferische Stimmung

Er fordert von der Landesregierung, Mieterrechte aus- statt abzubauen. Die Landesregierung erwägt zurzeit, die sogenannte Mietpreisbremse im nächsten Jahr auslaufen zu lassen. Johanna, 28, und Michael, 39, sind mit ihrem zwei Monate alten Baby gekommen und halten ein Schild hoch mit "Kinderzimmer für alle". Sie wohnen mit zwei Kindern in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Köln und müssen jetzt umziehen. "Aber für die größere Wohnung reicht ein Einkommen einfach nicht aus", sagt Johanna.

Deshalb müssten sie sich um Kinderbetreuung bemühen, die aber auch sehr teuer sei. "Man kann sich als Normalverdienende in der Stadt Kinder und Wohnen einfach nicht mehr leisten."

Stand: 06.04.2019, 20:05

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