Rückkehr unter Tränen: Adil Demirci wieder frei

Adil Demirci steht im Kreis seiner Unterstützer auf einer Treppe. Sie halten ein Plakat mit der Aufschrift "Freiheit für Adil Demirci"

Rückkehr unter Tränen: Adil Demirci wieder frei

Von Jochen Hilgers

  • Kölner Sozialarbeiter wieder zuhause
  • Unterstützer applaudieren bei Ankunft
  • 3.000 Euro Kaution

Der seit April vergangenen Jahres in der Türkei inhaftierte Kölner Sozialarbeiter Adil Demirci ist wieder in Köln. Am Montagabend (17.06.2019) kam er auf dem Flughafen Köln/Bonn an. Demirci war wegen angeblicher terroristischer Unterstützung zunächst in Haft gewesen. Danach durfte er Istanbul nicht verlassen.

Bis zuletzt Skepsis bei Adil Demirci

Gut drei Dutzend Unterstützer nahmen Demirci am Flughafen in Empfang. Er habe bis zuletzt nicht geglaubt, die Türkei verlassen zu dürfen, sagte er bei seiner Ankunft. 3.000 Euro Kaution musste er noch am Montagnachmittag in Istanbul hinterlegen.

Tränenreiches Wiedersehen

Der wegen Terrorvorwürfen in der Türkei angeklagte Kölner Sozialarbeiter Adil Demirci Demirci (M) umarmt am Flughafen Köln/Bonn seinen Vater Eyüp (l) und seinen Bruder Tamer Demirci

Demirci fiel erst seinem Vater, dann seinem Bruder um den Hals. Sie verharrten minutenlang, es flossen Tränen. Er äußerte sich im Anschluss nur kurz, überwältigt von Emotionen. Bis zuletzt konnte er nicht glauben, ausreisen zu dürfen.

Mutter starb vergangene Woche

Seine Mutter konnte die Ausreise ihres Sohnes nicht mehr erleben. Sie starb in der vergangenen Woche. Demirci war 2018 in Istanbul von einer Spezialeinheit der Polizei verhaftet worden. Er hatte seine schwer an Krebs erkrankte Mutter auf einem Heimatbesuch begleitet.

Im Fadenkreuz türkischer Sicherheitsbehörden

Am letzten Tag der Reise wurde er inhaftiert. Demirci war wegen angeblich terroristischer Unterstützung ins Fadenkreuz der türkischen Sicherheitsbehörden geraten. Der Vorwurf: Mitgliedschaft in der linksextremen Marxistisch-Leninistischen Kommunistischen Partei (MLKP). Diese gilt in der Türkei als Terrororganisation.

Fall Demirci: "Prozess belastet Beziehungen mit Türkei"

WDR 5 Morgenecho - Interview 21.11.2018 06:33 Min. Verfügbar bis 21.11.2019 WDR 5

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Der Kölner, der als Sozialarbeiter in Remscheid arbeitet, soll als nebenberuflicher Journalist bei drei Beerdigungen von kommunistischen Politikern anwesend gewesen sein. Bis heute beteuert Demirci seine Unschuld.

Verhandlung im Fall Demirci wird fortgesetzt Lokalzeit aus Köln 30.04.2019 02:34 Min. Verfügbar bis 30.04.2029 WDR

Stand: 18.06.2019, 08:00

Kommentare zum Thema

1 Kommentar

  • 1 Beteuert seine Unschuld? 18.06.2019, 15:54 Uhr

    Bei einer Anklage wie "Der Kölner, der als Sozialarbeiter in Remscheid arbeitet, soll als nebenberuflicher Journalist bei drei Beerdigungen von kommunistischen Politikern anwesend gewesen sein." kann man sich nur fragen, was das Beteuern der Unschuld zu bedeuten hat. Daß er nicht anwesend war? Daß er nicht Mitglied der MLKP ist? In der Türkei sind Dinge kriminell oder gar terroristisch, die mit dem hiesigen Rechtsverständnis schwer begreiflich sind.