Bonner Datenanalyse: Größeres Corona-Risiko für sozial Benachteiligte

02:40 Min. Verfügbar bis 05.11.2022

Bonner Datenanalyse: Größeres Corona-Risiko für sozial Benachteiligte

Stand: 05.11.2021, 19:14 Uhr

Menschen mit wenig Geld haben ein größeres Risiko sich mit Corona zu infizieren. Das ist eines der Ergebnisse einer großen Daten-Analyse in Bonn.

Von Jörg Sauerwein

Die Stadt Bonn hat gemeinsam mit der Uniklinik und Infas360 analysiert, wie und wo sich das Coronavirus besonders stark ausgebreitet hat. Betroffen sind vor allem die Stadtviertel, in denen das Einkommen niedrig und der Migrationsanteil meist hoch ist. Gerade dort, wo es viele Mehrparteien- oder Hochhäuser gibt, ist das Infektionsrisiko doppelt so hoch.

Unterschied zwischen erster und späteren Coronawellen

Nur in der ersten Coronawelle war das anders. Da brachten vor allem Menschen aus gutsituierten Gegenden das Virus zum Beispiel aus dem Urlaub oder von Dienstreisen nach Bonn. Mit der zweiten Welle im vergangenen Herbst aber hat sich das Bild gedreht. Seitdem ist dort, wo die Einkommen niedrig sind, das Infektionsrisiko am höchsten.

Infektionen vor allem im sozialen Umfeld

Zu Beginn der Pandemie sei die Angst vor einer diffusen Verbreitung des Virus groß gewesen, sagt Nico Mutters, Direktor des Hygiene-Instituts an der Bonner Uniklinik. Dabei stand die Frage im Raum, ob überhaupt nachvollzogen werden kann, über welche Wege sich das Virus ausbreitet.

Inzwischen aber habe man festgestellt, dass der öffentliche Personennahverkehr wohl keine große Rolle bei der Ansteckung gespielt habe. Außerdem gibt es nach Ansicht von Nico Mutters deutliche Hinweise darauf, dass die Hygienemaßnahmen an den Arbeitsplätzen in den meisten Fällen gut funktionieren. Stattdessen breite sich das Virus vor allem innerhalb des privaten sozialen Umfelds aus.

Besonders gefährdete Berufe

Das allergrößte Risiko für eine Infektion haben Menschen in Pflege- und Alteneinrichtungen. Bei den Berufsgruppen sind zum Beispiel Gesundheits- und Reinigungsberufe, sowie die Branchen Verkehr und Logistik besonders gefährdet. Am stärksten sogar die nichtmedizinischen Gesundheitsberufe wie Masseure.

Aber auch in Schulen oder Kitas ist das Risiko höher als bei anderen. Ebenso im Tourismus, in Hotels oder in der Gastronomie. Im Einzelhandel aber sei das Risiko sehr gering, so das Ergebnis der Bonner Corona-Datenanalyse.

Erkenntnisse für die Zukunft

Für die Stadt Bonn geht es bei den Ergebnissen aber nicht nur darum, die ersten drei Corona-Wellen im Nachhinein zu verstehen. Susanne Engels, die Leiterin des Gesundheitsamts, hofft, dass man mit diesem Wissen jetzt der Pandemie auch besser begegnen kann.

Wenn man wisse, in welchen Stadtvierteln, Bevölkerungs- oder Altersgruppen das Risiko besonders groß ist, könne man entsprechend aufklären oder auch gezielte Impfangebote machen. Man könne die Menschen jetzt gezielter mit Informationen versorgen. Das sei "das Wesentliche überhaupt, um mit einer Pandemie umzugehen."