Das letzte Foto – wenn Frauchen von ihrem Hund Abschied nimmt

Ein Fotograf schießt ein Foto von einer Frau und ihrem Hund

Das letzte Foto – wenn Frauchen von ihrem Hund Abschied nimmt

  • Mo Iseraths Hund Kiki stirbt bald – sie möchte mit einem letzten Fotoshooting Abschied nehmen und ein Erinnerungsstück schaffen
  • Michael Hoffmann alias „Der Papagraf“ führt das Shooting durch. Er fotografiert Tiere kurz vor ihrem Tod
  • Der Fotograf lebt seine Leidenschaft – trotz einer Tierhaar-Allergie

Die Sonne scheint vom stahlblauen Himmel herunter. Beste Voraussetzungen für ein perfektes Shooting. Mo Iserath und ihre Hündin Kiki haben sich an diesem warmen Junitag mit Fotograf Michael Hoffmann in der Kölner Altstadt getroffen. Sie wollen gemeinsame Fotos machen. Ein schönes Erlebnis – mit einem traurigen Hintergrund. Denn Kiki wird bald sterben. Sie hat Krebs.

Ein letztes Fotoshooting, bevor Kiki stirbt

Frauchen und Hund auf der Wiese. Im Hintergrund erkennt man den Kölner Dom

Mit dem Fotoshooting will Mo Iserath Erinnerungsstücke schaffen. Für die Zeit, wenn ihre geliebte Hündin nicht mehr da ist. „Ich weiß, dass Kiki und ich nicht mehr viel Zeit zusammen verbringen können“, sagt Mo. „Da möchte ich etwas haben, was über normale Handyfotos hinausgeht. Etwas, das ich mir einrahmen kann.“

Kiki ist zwölf Jahre alt. Das ist ein hohes Alter für Staffordshire Terrier. Ihr Frauchen und sie fanden vor fünf Jahren über einen Tierschutzverein zueinander. Bis dahin war das Leben des Vierbeiners der reinste Horror.

Mo und Kiki: ein echtes „Dream Team“

Seitdem sind der Staffordshire Terrier und die Kölnerin unzertrennlich. Ein „Dream Team“, wie es die Kölnerin ausdrückt. „Wenn ich daran denke, dass wir bald nicht mehr zusammen sein können, treibt es mir die Tränen in die Augen“, sagt Mo und kann ihre Emotionen kaum unterdrücken. „Egal, wie gut ich mich auf den Tag vorbereite: Ich weiß einfach schon jetzt, dass es mir den Dolch ins Herz treiben wird.“

Fotograf Michael Hoffmann alias „Der Papagraf“ will das Dream Team an diesem Junitag bestmöglich in Szene setzen. „Papagraf“ ist eine Kombination aus Papagei und Fotograf. Die Vögel fotografierte Michael Hoffmann viel, als er begann, mit seinem Hobby Geld zu verdienen. Doch heute holt er vor allem Hunde vor die Linse – für normale und auch sogenannte „Regenbogenshootings“, wie er es mit Mo und Kiki macht.

Michael Hoffmann bekommt Gänsehaut beim Entwickeln der Fotos

Auch nach zwölf Jahren im Job gehen ihm die Schicksale von Tier und Mensch sehr nahe. „Oft bekomme ich Gänsehaut, wenn ich die Bilder bearbeite“, sagt er.

Weil er nebenbei noch als Einzelhandelskaufmann arbeitet, hat Michael Hoffmann nicht selten eine 90-Stunden-Woche. Aber gerade, wenn es um seinen Job als Fotograf geht, nimmt er den Arbeitsaufwand gerne in Kauf.

Michael Hoffmann ist Fotograf und Seelsorger zugleich

„Mit manchen Kunden bin ich auch zehn Jahre später noch in Kontakt und fotografiere teilweise auch den nächsten Hund“, sagt Hoffmann. Zu seiner Arbeit gehöre nicht nur das Fotografieren. Er sei in gewisser Weise auch Seelsorger. „Wenn ich mit den Besitzern über die Tiere spreche, lassen wir das gesamte Leben noch einmal Revue passieren.“

Hündin befindet sich in der Kölner Altstadt und guckt in die Kamera

Die Erinnerungen an Kiki bleiben für immer

Für das Fotoshooting mit Mo und Kiki nimmt Hoffmann einen Freundschaftspreis. Denn er weiß, was Frauchen gerade emotional durchmacht und wie viel sie für medizinische Behandlungen bezahlen muss. „Die Leute sollen sich nicht auch noch Gedanken darüber machen müssen, ob sie das Fotoshooting bezahlen können“, sagt er.

Für Mo Iserath jedenfalls hat sich jeder Euro gelohnt. „Ich weiß, dass es super emotional werden wird, wenn ich die Bilder das erste Mal zu sehen bekomme. Aber ich freue mich darauf.“ Und wenn Kiki dann in den Hunde-Himmel kommt, hat Mo eine Erinnerung, die für immer bleibt.

Stand: 30.06.2020, 19:04