Cybermobbing an Schulen während Corona rasant gestiegen

Cybermobbing an Schulen während Corona rasant gestiegen

Von Jochen Hilgers

Lehrer und Staatsanwälte schlagen Alarm. Immer mehr Kinder und Jugendliche machen einschlägige Erfahrungen mit Cybermobbing. Die Täter und Opfer werden immer jünger.

Lehrer und Staatsanwälte schlagen Alarm: Es gibt immer mehr Mobbing und Hassnachrichten im Internet, sagen sie. Die Zahl der Netzattacken im Bereich Kinder und Jugendliche sei besorgniserregend. Die Stadt Köln schickt jetzt aufklärende Theaterprojekte an die Schulen wie zum Beispiel an die Peter-Ustinov-Realschule in Köln-Nippes. Selbst die 12-Jährigen der siebten Klasse haben bereits einschlägige Erfahrungen mit Cybermobbing.

Das Stück, das einen typischen Mobbingfall mit weitergeschickten Nacktfotos thematisiert, erstaunt sie wenig. Die Geschichte ist typisch. Leo überredet eine Mitschülerin, ihm Nacktfotos von ihr zu schicken. Später kommt es zum Streit und er schickt die Fotos einfach ins Netz: der Shitstorm ist entfacht. Die Nacktfotos werden hundertfach, tausendfach geteilt. Die Schülerin wird sexuell beleidigt, sie bekommt hunderte abwertende und drohende Kommentare.

Die Schauspieler fragen die 12-Jährigen später, ob sie schon mal pornographische oder Nazi-Motive auf ihr Handy bekommen hätten. Fast alle zeigen auf, was die Direktorin Susanne Braun nicht weiter überrascht. Selbst die 12-Jährigen hätten Erfahrungen mit diskriminierenden Nachrichten, die ungefragt auf das Handy kämen.

Zuviel Zeit alleine am Computer

Die Kinder haben durch Corona extrem viel Zeit am Computer und zu Hause verbracht, sagt die Direktorin. Auch Marcel Maybusch, der dem Stück aufmerksam folgt und seine eigenen Schlüsse zieht. Er habe Angst vor Mobbing oder Hänseleien, sagt der 12-Jährige. Er würde aber seine Lehrer und Eltern einschalten, wenn ihm so etwas widerfahre. Und Freunden würde er helfen, wenn die gemobbt würden. 

Kinder teilen Kinderpornographie

Die Staatsanwaltschaft hat noch keine Zahlen für dieses Jahr erhoben. Mobbing und Cybercrime hätten aber nach ihrer Beobachtung stark zugenommen, sagt Christoph Hebbecker. Er ist Staatsanwalt der Abteilung ZAC (Zentrale Anlaufstelle Cyberkriminalität), die von Köln aus Cyberkriminalität und Mobbing im Internet in ganz Nordrhein-Westfalen bekämpft. Hebbecker stellt fest, dass kinderpornographische Schriften längst nicht mehr nur unter Erwachsenen geteilt würden. Selbst Kinder würden sie sich untereinander schicken, sagt Hebbecker. Geteilt unter Kindern würden auch antisemitische Symbole und Aufrufe zu Gewalttaten. Sie seien von den Verfassern vermeintlich lustig gemeint, so der Ermittler. Es handele sich aber um Straftaten.

Ungewollte Nachrichten aufs Handy

An der Peter-Ustinov-Realschule wurde vor kurzem eine Umfrage zu Cybermobbing durchgeführt. Gut die Hälfte der Befragten antwortete. Die meisten hätten angegeben, so die Schulleiterin, ungewollt antisemitische Symbole, Pornographie oder Hassbotschaften zu bekommen. Immer wieder würde die Schule deshalb Elternabende veranstalten. Es sei aber auch nicht immer leicht die Eltern auch zu erreichen, bedauert Susanne Braun.

Theaterprojekt als Vorbeugung

Das Theaterprojekt "Comic on" tourt mittlerweile täglich nicht nur durch die Kölner Schulen. Der Aufklärungsbedarf sei leider riesig, sagen die Theatermacher - auch befördert durch Corona. Der Theaterleiter Marc Scheidegg beobachtete in der Coronazeit, dass analoges Mobbing durch digitales Mobbing abgelöst worden sei. Im Gegensatz zu vielen anderen wissen die Theatermacher, was auf den Handys der Kinder los ist. Nach den Auftritten seien die Kinder zumindest vorsichtiger im Umgang damit.

Stand: 21.09.2021, 20:58