Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr stehen unweit einer Zufahrt zum Chempark Leverkusen, über dem eine dunkle Rauchwolke aufsteigt.

Hat Currenta Chemieabfälle mit Wasser verdünnt?

Stand: 22.12.2021, 06:30 Uhr

Der Chempark-Betreiber Currenta soll nach der Explosion Ende Juli in der Sondermüllverbrennungsanlage in Leverkusen bis zu 12 Millionen Liter Löschwasser und Chemieabfälle über ein Klärwerk im Rhein entsorgt haben.

Von Oliver Köhler

Currenta hat die Entsorgung des mit Insektengiften und giftigem PFT belasteten Wassers im Rhein gegenüber der Bezirksregierung mit einer Notlage begründet. Nach der Explosion hätten laut Currenta nicht ausreichend Tanks zum Auffangen des Löschwassers zur Verfügung gestanden. Das geht aus einer Stellungnahme der Kölner Bezirksregierung an den WDR hervor.

Es habe deshalb die Gefahr bestanden, dass die Kläranlage auf dem Werksgelände mit großen Mengen kontaminiertem Löschwasser überlastet worden wäre und nicht mehr ordnungsgemäß funktioniert hätte. Dadurch hätte laut Currenta die Umwelt massiv beeinträchtigt werden können.

Zweifel an Darstellung von Currenta

Nach eigener Darstellung von Currenta hatte die Feuerwehr bei dem Einsatz nach der Explosion 5,25 Millionen Liter Löschwasser verwendet. Warum dann aber bis zu 12 Millionen Liter Löschwasser in den Rhein geleitet wurden, hat Currenta bisher nicht erklärt. 12 Millionen Liter sind immerhin mehr als das Doppelte der Wassermenge, die laut Currenta beim Löschen insgesamt angefallen war.

Wurden Chemieabfälle systematisch mit Wasser verdünnt?

Am 27. Juli 2021 kam es im Chempark zu einer Explosion.

Am 27. Juli 2021 kam es im Chempark zur Explosion.

"Diese Zahlen geben Anlass, an der Darstellung von Currenta zu zweifeln", sagt Paul Kröfges, Wasserexperte der Umweltorganisation BUND in Nordrhein-Westfalen. "Currenta muss dringend aufklären, was es mit den bis zu 12 Millionen Litern kontaminiertem Wasser auf sich hat, die Currenta in den Rhein geleitet hat. Vor allem muss Currenta jetzt erklären, welche Mengen Chemieabfälle auf diese Art und Weise mit Wasser verdünnt in den Rhein geflossen sind", fordert Kröfges. "Es könnte der Eindruck entstehen, dass hier systematisch Chemieabfälle mit sehr viel Wasser verdünnt wurden, um sie dann unauffällig in der Umwelt zu entsorgen".

Currenta hat Fragen des WDR zu den im Rhein entsorgten Löschwassermengen bisher nicht beantwortet.

Einleitung von belastetem Löschwasser der Öffentlichkeit verschwiegen

Nach Angaben der Kölner Bezirksregierung wurde das Löschwasser aus einem Speichertank in vier Teilschritten mit jeweils 2.000 bis 3.000 Kubikmeter gezielt in die Kläranlage eingeleitet.  Auch die Bezirksregierung erklärt nicht, warum mehr Löschwasser entsorgt wurde als bei dem Einsatz entstanden ist.

Sie betont aber, dass die Vorgehensweise von Currenta "nicht zu beanstanden" sei. Laut Bezirksregierung kam es nicht zu Überschreitungen von Schadstoffwerten bei der Einleitung des Abwassers in den Rhein. Das Abwasser sei im Rhein mit so großen Wassermengen vermischt worden, dass keine Schwellenwerte überschritten wurden.  "Deshalb war auch die Veranlassung eines Rheinalarms nicht geboten", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme der Kölner Bezirksregierung.

Der WDR hatte in der vergangenen Woche aufgedeckt, dass Currenta nach der Explosion am 27. Juli mit Giftstoffen belastetes Löschwasser in den Rhein geleitet hatte. Currenta hatte das der Öffentlichkeit verschwiegen. Erst nachdem der WDR Currenta mit den Rechercheergebnissen konfrontiert hatte, räumte das Unternehmen die Einleitung ein.

Weitere Themen