Rund eine Million feiern CSD-Parade in Köln

Rund eine Million feiern CSD-Parade in Köln

  • Große Party und politische Demo
  • 170 Trucks und Fußgruppen bei CSD-Parade
  • Polizei hatte kaum etwas zu tun

Christopher Street Day in der Kölner Innenstadt: Am Sonntag (08.07.2018) haben nach Angaben des Veranstalters rund eine Million Menschen das Straßenfest und die bunte CSD-Parade besucht.

CSD: Flamingos, Wasserpistolen und Oma-Tatoos

Von Nina Magoley

Viel, viel Sonne, gelassene Stimmung und Musik - der Christopher Street Day (CSD) in Köln verlief unter optimalen Bedingungen.

Menschenmenge

Das Wetter hätte nicht besser sein können für den diesjährigen Kölner CSD: Knapp 30 Grad, ein leichtes Windchen - so ging es um 12 Uhr direkt in Hochstimmung am Heumarkt los.

Das Wetter hätte nicht besser sein können für den diesjährigen Kölner CSD: Knapp 30 Grad, ein leichtes Windchen - so ging es um 12 Uhr direkt in Hochstimmung am Heumarkt los.

Für ein Tänzchen auf der Straße musste sich diese brasilianische Diva auch gleich hergeben.

Getanzt wurde ohnehin kräftig - zu teils wummernden Bässen.

Die Farben des Regenbogens - und traditionell die der LGBTQ-Bewegung, wie sie mittlerweile international heißt. LGBTQ steht übersetzt für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender und queere Bevölkerungsgruppen.

Auffallend viele Jugendliche und Schüler liefen in der Parade mit. Das diesjährige Motto "Coming out in Deinem Style" sollte vor allem jungen LGBTQ Mut machen.

Liebe, Freiheit, Identität, Vielfalt: Rubicon, die Kölner Beratungsstelle für homosexuelle Menschen jeden Alters, verteilte Schilder mit den wichtigsten Werten als Aufschrift.

"Liebe verdient Respekt" - auch ein richtiger Satz - der hier allerdings mit Schüssen aus, nun ja, Wasserpistolen begleitet wurde.

Viele Gruppen warben außerdem dafür, dass die Freiheit, homosexuell zu leben, über Grenzen, Hautfarben und Nationalitäten hinaus selbstverständlich sein muss.

Blanke Pobacken gab es, wie jedes Jahr, natürlich auch zu sehen.

Mit dabei auch der ehemalige grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck, der gemeinsam mit der Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker marschierte. "Sister Cities stand together" stand auf dem Banner: Schwesterstädte halten zusammen.

Kostenlose Kondome und Werbung für den Aidstest gab es von der Kölner Aidshilfe. Dort, so heißt es im dazugehörigen Flyer, bilden sich jeden Tag lange Warteschlangen am sogenannten "Checkpoint".

In tanzende Flamingos hatten sich die Mitglieder des Kölner SC Janus verwandelt, dem nach eigenem Bekunden größten und ältesten schwul-lesbischen Sportverein Europas. Ihr Motto: "Kein Abseits nach dem Coming out".

"Gay Pride" über alle Grenzen, Nationalitäten und Hautfarben hinweg.

An bedrohte Rechte für Homosexuelle in den USA erinnerte die graziös schreitende "Lady Liberty".

Das gefiel auch Zoe aus Colorado, USA: Weil sie den CSD in ihrer Heimat wegen Krankheit verpasst hat, sei sie zusammen mit ihrem Onkel extra nach Köln gereist. Statements wie die für internationale Toleranz und gegen Rassismus findet sie besonders bemerkenswert.

Es wäre nicht der Kölner CSD, wenn es im Zug nicht auch eine Blaskapelle gäbe: Die 2003 gegründete "Statt-Garde Colonia Ahoj" ist mittlerweile fester Bestandteil des Kölner Karnevals.

Immer wieder Applaus erntete die Truppe der "Fans gemeinsam gegen Homophobie" im Fußball.

Sie sei "eine Antwort auf den Dieselskandal", erklärte diese Dame, die kleidsam mit Volkswagen-Teilen behängt war.

Nein, das sei nicht Angela Merkel da auf ihrem Oberarm, musste Teilnehmerin Julia aus Bergisch Gladbach wohl nicht nur einmal erklären. Es handele sich bei dem Porträt vielmehr um ihre Großmutter.

Seit dreißig Jahren sind Karl-Heinz und Holger aus Köln jedes Jahr beim CSD. Freundinnen Jutta und Margret kommen so oft wie möglich mit. Verglichen mit einigen total verregneten Paraden in der Vergangenheit waren sie heute hochzufrieden mit dem strahlenden Sommerwetter.

Der Kölner Christopher Street Day ist eine der größten Veranstaltungen der lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans-, intergeschlechtlichen und queeren (LGBTIQ) Community in Europa.

Laut Veranstalter nahmen dieses Jahr mit 170 Gruppen - zu Fuß oder auf geschmückten Trucks - so viele wie noch nie an der Parade teil. Trotz der Ausmaße der Party in der Kölner Innenstadt hatte die Polizei kaum etwas zu tun: "Eine sehr friedliche Veranstaltung ohne besondere Vorkommnisse", lautete das Fazit eines Polizeisprechers am frühen Abend.

Als musikalischen Höhepunkt am Sonntagabend hatten die Organisatoren Netta, Gewinnerin des Eurovision Song Contest, engagiert. Ihre öffentlichen Statements zu Themen wie Gleichberechtigung und Freiheit seien wichtig, richtig und stets auf dem Punkt, so die Veranstalter.

Außerdem standen unter anderem Auftritte der österreichischen Dragqueen Conchita Wurst und der Echo-Preisträgerin Franka Morgano auf dem Programm.

Unter den prominenten Teilnehmern der Parade waren diesmal mit Danielle Brooks, Natasha Lyonne und Jackie Cruz auch drei Darstellerinnen der US-Serie "Orange Is The New Black" dabei. Die Serie ist wegen der lesbischen und transgender Figuren in der Community besonders beliebt.

Identitätsfindung unterstützen

Das diesjährige Motto "Coming out in Deinem Style" sollte die jüngere Generation in ihrer Identitätsfindung unterstützen. Die Selbstmordrate unter LGBTIQ-Jugendlichen ist laut CSD-Veranstalter siebenmal höher als die von gleichaltrigen Heterosexuellen.

Stand: 08.07.2018, 20:01

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