Cotti Coffee in NRW | Aktuelle Stunde
01:36 Min.. Verfügbar bis 18.02.2028.
Cotti Coffee in NRW: Kaffee-Kampf mit Billig-Preisen?
Stand:
Die chinesische Kaffee-Kette Cotti Coffee ist mit Kampfpreisen in NRW angekommen. Erste Filialen gibt es in Düsseldorf und Köln. Den Espresso gibt es für nur 99 Cent: Wie machen die das? Und was macht das mit der Konkurrenz?
Von
Jörn Seidel
Dialogbox
Zu den Kommentaren [5]Die weltweit gestiegenen Kaffee-Preise bekommt man nicht nur an der Supermarkt-Kasse zu spüren. Auch so manches Café hat seine Preise angehoben. Als wäre nichts davon geschehen, versucht sich jetzt eine neue Coffeeshop-Kette mit Billig-Preisen den deutschen Markt zu erobern. Cotti Coffee aus China hat in Düsseldorf, Köln, Hamburg und Berlin erste Filialen eröffnet.
Espresso bei Cotti Coffee für derzeit 99 Cent
Den Espresso gibt es derzeit für nur 99 Cent, den Americano für 1,99 Euro. Allerdings sind das nur Sonderangebote in den ersten Wochen. Normalerweise kostet der kleine Espresso 2,00 Euro und der Americano 2,70 Euro - zumindest in Köln. Billig ist bei Cotti also nicht alles.
Trotzdem: Der Preis für einen Café Latte liegt ohne Rabatt je nach Größe zwischen 3,10 und 3,70 Euro. Zum Vergleich: Bei Starbucks zahlt man für das Getränk schon mal 4,90 - in der kleinen Variante.
"Werbewirksame Verkaufsmaßnahmen"
Carsten Schabosky, WDR-Wirtschaftsredaktion
"Aktionspreise wie der Espresso für 99 Cent sind natürlich werbewirksame Verkaufsmaßnahmen", sagt Carsten Schabosky von der WDR-Wirtschaftsredaktion. Und weiter:
"Das brennt sich ein." Carsten Schabosky, WDR-Wirtschaftsredaktion
Man kenne das von Temu, Shein und vielen anderen Firmen und Produkten aus China, sagt Schabosky: Es gehe erst mal darum, Marktanteile zu sichern. Sei die Botschaft der Billig-Preise erst mal in den Köpfen angekommen, könnten die Preise durchaus steigen. Zum Teil stelle man auch fest, dass die Qualität entsprechend billig ist.
Der bei Cotti Coffee erhältliche Cappuccino oder Matcha Mango Frappé, der Blueberry Crumble Muffin oder Zebra-Rahm Käse-Kuchen scheinen in Deutschland jedenfalls gut anzukommen. In den sozialen Medien sind viele positive User-Kommentare zu finden.
"Für uns wär das nicht machbar." Dirk Barthelmeß, Moxxa Caffè
Dirk Barthelmeß, Moxxa Caffè
Mitbewerber schauen mit Skepsis auf niedrige Preise wie die 99 Cent für den Espresso. "Für uns wär das nicht machbar", sagt Dirk Barthelmeß, Mitinhaber der Kölner Rösterei und Kaffeebar Moxxa Caffè, dem WDR. Dafür seien die Kosten im Hintergrund zu hoch: "Es fängt damit an, dass wir Räumlichkeiten haben, die wir als Begegnungsstätte sehen." Dafür brauche man entsprechende Mitarbeiter, die man auch ausbilden müsse.
Vor allem sei aber auch der Einkaufspreis für Kaffee sehr hoch, sagt Barthelmeß. Im Vergleich zum Vorjahr sei er etwa um ein Drittel gestiegen. Im Vergleich zu vor fünf Jahren habe er sich sogar mehr als verdoppelt.
Hohe Kaffee-Preise auch eine Folge des Klimawandels
Einige der Gründe für den Preisanstieg: Ernteausfälle durch Klimawandel-Folgen wie Dürren und Überschwemmungen, geringe Lagerbestände, hohe Energie- und Produktionskosten, Spekulation und eine gestiegene Nachfrage.
Cotti Coffee verfolgt ein völlig anderes Konzept als Moxxa. Die bisherigen Filialen in Deutschland seien eigentlich nur Abholstationen, sagt Schabosky. Das unterscheidet Cotti auch stark von Starbucks. "Die Filialen sind winzig. Dadurch spart man Miete, Fläche, Einrichtung und Arbeitskraft." Gerade mal vier Stühle gibt es in der Filiale Opern Passage Köln.
Schabosky: Cotti Coffee "brutal auf Masse ausgelegt"
Außerdem gebe es wenig Personal, so Schabosky. Hinzu komme: "Das Ganze ist brutal auf Masse ausgelegt. Da kommen Einkaufsmengen zusammen, von denen kleine deutsche Coffeeshops bei uns nur träumen können."
Das könnte für so manchen Mitbewerber zum Problem werden, sagt der Wirtschaftsjournalist. "Viele kleine Coffeeshops bei uns kämpfen sowieso schon mit Mieten, Personal und Energiekosten. Genau da sticht Cotti rein. Gerade für die Kleinen wird es wahrscheinlich noch härter."
Fehlende Transparenz zu Anbauprojekten und sozialen Standards
Eine weitere mögliche Schattenseite: Cotti verrät nicht viel über die Herkunft seiner Kaffeebohnen. Zwar hängt in der Filiale Opern Passage Köln eine große Weltkarte an der Wand mit vielen Punkten, wo Kaffee angebaut wird. Details über Bauern, Anbauprojekte oder soziale Standards gebe es von Cotti aber praktisch keine, sagt Schabosky.
Ob die Günstig-Konzepte von Cotti Coffee oder Konkurrent LAP Coffee aufgehen, entscheiden am Ende die Kunden. Verboten sind Dumpingpreise, also Preise unter den Herstellungskosten, jedenfalls nicht. Das hat erst vergangene Woche das Oberlandesgericht Düsseldorf festgestellt. Tchibo hatte wegen niedriger Kaffeepreise gegen Aldi geklagt. Die Klage wurde abgewiesen.
Unsere Quellen:
- Website von Cotti Coffee
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- WDR-Interview mit Carsten Schabosky, WDR-Wirtschaftsredaktion
- WDR-Interview mit Dirk Barthelmeß, Rösterei und Kaffeebar Moxxa
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 18.02.2026, 18.45 Uhr
5 Kommentare
Kommentar 5: Paul S. schreibt am 20.02.2026, 16:54 Uhr :
Normalerweise bedeckt ein kleiner Espresso, gerade mal knapp den Boden der Tasse. Für diese paar Tropfen an Espresso zahlen Kunden 99 Cent?
Kommentar 4: Znerol schreibt am 19.02.2026, 21:57 Uhr :
Stellt sich die Frage, wie fair und nachhaltig die Kaffees sein können bei solchen Preisen? Ist ja schön wenn der Espresso nur 99cent kostet, aber sollen dafür die Menschen in den Anbauländern „zahlen“? Hier sollten wir uns alle die Frage stellen, ob wir so einen Kaffee genießen können..
Kommentar 3: Franziska 1 schreibt am 19.02.2026, 17:46 Uhr :
„Ob die Günstig-Konzepte von Cotti Coffee oder Konkurrent LAP Coffee aufgehen, entscheiden am Ende die Kunden“. Artikel Zitat. Ja, da hat man mit dieser Ansicht recht. Wenn Kunden nicht hingehen würden, dann wäre dieser Konkurrenz -Spuk bald zu Ende. Leider ist es so, das Kunden diese billige Cent - Fuchserei unterstützen. Alles wegen einem billigen Schluck Kaffee.
Kommentar 2: Fritz Lehr schreibt am 19.02.2026, 17:29 Uhr :
Konkurrenz belebt das Geschäft, von daher trinke ich gerne dort für 0,99€ meinen Espresso.
Kommentar 1: Achmed schreibt am 19.02.2026, 15:21 Uhr :
Ja, klingt alles toll. Hoffentlich bleiben die Schlagzeilen über Lohndumping und "Unregelmässigkeiten" entlang der Lieferkette aus...