Selbstversuch: Spargelernte in Zeiten von Corona

So funktioniert das Spargelstechen

Selbstversuch: Spargelernte in Zeiten von Corona

Von Erik Rönicke

  • Bauern fehlen Erntehelfer wegen Corona-Krise
  • Studierende und Arbeitssuchende sollen helfen
  • Kann das klappen? Ein Selbstversuch

Mittwochmorgen (01.04.2020) auf dem Spargelfeld der Familie Robertz in Kaarst-Vorst. Viel ist derzeit nicht los und das hat vor allem zwei Gründe. Zum einen lässt der Spargel aufgrund des kalten Wetters der letzten Tage noch etwas auf sich warten. Zum anderen und das ist in diesem Jahr eine neue Erfahrung für die Landwirte in Nordrhein-Westfalen, fehlen wegen der Corona-Krise derzeit viele der bis zu 300.000 Erntehelfer, die sonst vor allem aus Osteuropa kommen.

Eine Idee, die derzeit kursiert, um dem Problem entgegenzutreten: Studierende und zum Beispiel auch Arbeitssuchende auf den Feldern einsetzen.

Lokalzeit-Reporter probiert sich als Erntehelfer

Ob dieser Vorschlag wirklich die Probleme der Bauern schmälern kann, will ich heute ausprobieren. Ich bin Erik, Lokalzeit-Reporter aus Neuss und derzeit noch Student. Meine Erfahrung in der Landwirtschaft: nicht vorhanden.

Skeptisch begrüßt mich Junior-Chef Marcel Robertz, der den Hof der Familie bald in die fünfte Generation führen will. Für mein mitgebrachtes Werkzeug aus dem heimischen Kleingarten-Repertoire hat er nur ein müdes Lächeln übrig. „Damit machen wir die Pflanzen kaputt“, entgegnet er und reicht mir eine Metallstange mit scharfer Spitze zum Ernten der Stangen.

Dann zeigt mir Marcel, wie es richtig funktioniert: Spargel finden, Erde beiseiteschaffen, Spargel stechen und weiter. Das alles auf den Knien oder in gebückter Haltung – ziemlich anstrengend.

So funktioniert die Spargelernte

Junior-Landwirt Marcel Robertz erklärt das Stechen von Spargel Schritt für Schritt.

So funktioniert das Spargelstechen

Zuerst die Folie über dem Spargeldamm entfernen und nach einer reifen Spargelstange Ausschau halten.

Zuerst die Folie über dem Spargeldamm entfernen und nach einer reifen Spargelstange Ausschau halten.

Gar nicht so einfach einen reifen Spargel zu finden, denn nicht alle Stangen recken ihren Kopf so freiwillig aus der Erde hervor.

Hat man eine Stange gefunden, muss man die Erde um die Stange vorsichtig beiseiteschaffen, ohne die anderen Spargelpflanzen zu beschädigen.

Wenn man tief genug gegraben hat, kann man die Spargelstange mit dem scharfen Ende des Werkzeugs stechen und in die eigene Sammelbox legen.

Zu guter Letzt den Damm wieder verschließen und dann geht es weiter zur nächsten Stange.

Das Ergebnis: nicht wirtschaftlich

Das ernüchternde Ergebnis nach einer halben Stunde Arbeit: Ich habe circa ein Viertel der Menge geschafft, mit der sich die Arbeit für mich lohnen würde.

Während ich eine Stange ernte, holt ein erfahrener Erntehelfer bis zu fünf Stangen aus der Erde. Unter anderem auch wegen meinem Ergebnis ist Marcel Robertz skeptisch, ob freiwillige Helfer die Lösung des derzeitigen Problems sein können.

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Klöckner will Erntehelfern Einreise ermöglichen

Viele Erntehelfer aus Osteuropa kämen derzeit nicht über die geschlossenen Grenzen oder hätten Angst sich in Deutschland mit dem Coronavirus anzustecken, berichtet Marcel. Freiwillige Helfer setze seine Familie aber derzeit noch nicht ein, obwohl im Moment nur 40% der üblichen Zahl an Erntehelfern vor Ort sei.

Bundes-Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner will jetzt die Einreise von Erntehelfern nach Deutschland unter strengen Auflagen ermöglichen. Marcel Robertz glaubt aber nicht, dass noch viele Helfer nachkommen.

Stand: 02.04.2020, 13:42