Uniklinik Köln setzt auf Pooltests an Schulen

Pool-Tests an Schulen Aktuelle Stunde 20.11.2020 UT Verfügbar bis 27.11.2020 WDR Von Monika König

Uniklinik Köln setzt auf Pooltests an Schulen

Von Rihan Rodosthenous

Die Uniklinik Köln probiert gemeinsam mit den Unikliniken in Düsseldorf, Bamberg, Heidelberg und München Corona-Pooltests an Schulen und Kitas aus. "Pools" werden gesammelte Abstriche mehrerer Personen genannt. Auch die Kölner Königin-Luise-Schule nimmt am Projekt teil. Doch wie alltagstauglich ist die Methode?

Menschen in Kitteln, Kopfhauben und Schutzmasken in den Gängen - dieses Bild gehört seit zwei Wochen zum Alltag der rund 700 Schülerinnen und Schüler der Königin-Luise-Schule. "Natürlich ist es ungewohnt, wenn sie hier im Kittel und mit Maske sind. Aber es stört nicht", sagt der 16-jährige Schüler Ben Shibata. Er und hunderte andere Schüler werden heute für die Pooltest-Studie einen Abstrich machen. Beim Pooltest werden die Abstriche von 15 Personen gesammelt auf das Coronavirus getestet.

Fünf Minuten pro Klasse

Insgesamt drei Wochen lang wird Zülfü Cosgun, Arzt an der Uniklinik Köln hier testen. Ein paar wenige Medizinstudierende unterstützen ihn dabei. An einem Tag schaffen sie es, etwa 370 Personen in weniger als vier Stunden zu testen. "Wir brauchen nur circa fünf Minuten pro Klasse", erklärt Cosgun. Je die Hälfte aller Schüler und Lehrer wird in der Woche zwei bis drei Mal getestet.

Ein Team von medizinischem Personal nimmt Coronatests bei den Schülern vor

Zülfü Consgun und sein Team sind bereit, die Schüler zu testen

Weniger Sorgen dank Test

Heute ist auch der Biologiekurs Q1 dran. Dafür wird der Unterricht kurz unterbrochen. "Das stört den Unterricht zwar ein bisschen, aber dafür, dass man so der Forschung helfen kann, ist es eine gute Sache", sagt Schülerin Marie Pursch. Die Tests geben ihr außerdem Gewissheit. "Normalerweise hat man die Sorge, dass man vielleicht das Virus hat und es verbreitet", so die 16-jährige. Jetzt könne sie ihre Oma ohne Sorgen besuchen.

Schüler nehmen den Test gelassen

Die gesamte Klasse muss beim Test zeitgleich für 15 Sekunden am Tupfer lutschen. In anderen Gruppen wird ein Rachenabstrich gemacht. Dieser gilt als wesentlich unangenehmer, aber die Schüler sehen es gelassen. "Eine Sekunde kitzelt es, aber danach ist es ok", sagt die 13-jährige Inas. Sie hat den Rachenabstrich schon mehrfach hinter sich und ist froh, an der Studie teilnehmen zu können.

Methode spart Testkapazitäten

Die einzelnen Tests werden dann vom medizinischen Personal in sogenannte Pools aufgeteilt, also in Gruppen. Erst im Labor werden die je 15 Proben in einen Behälter zusammengeführt und dann mittels PCR-Test ausgewertet. Der Vorteil: an einem Tag können hunderte Personen getestet werden. Für die Sammelproben werden täglich nur 25-30 Tests gebraucht. Das spart Kapazitäten.

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Doch die Methode bringt einen riesigen organisatorischen Aufwand mit sich. Für Schulleiterin Ute Flink war das unerwartet: "Den zeitlichen Ablauf zu organisieren, hat uns in der Verwaltung viel Zeit gekostet." Die Durchführung hingegen sei weniger aufwendig. Insgesamt habe das Projekt die Unsicherheit an ihrer Schule minimiert.

Testergebnis nach wenigen Stunden

Das Testergebnis kommt bereits am Abend. Ist eine Sammelprobe positiv, erfolgt ein Zweittest in Form von Einzeltests aller Schüler des Pools. Bei einem negativen Test können jeweils 15 Schüler weiterhin zum Unterricht. Damit vermeide man, dass gesamte Klassen in Quarantäne müssen, so Isabelle Suárez, Ärztin der Infektiologie der Uniklinik Köln. "Wir wollen Infektionsketten brechen und so die Schulen offen behalten".

Pooltest soll „alltagstauglich“ werden

"Unser Ziel ist, etwas alltagstaugliches hinzukriegen", erklärt Suárez. In Zukunft solle das Lehrpersonal so ausgestattet werden, dass es die Tests selbstdurchführen kann. Damit wolle man den organisatorischen Mehraufwand vermeiden. Außerdem setze man bald auch auf größere Pools – über 30 Abstriche je Sammelprobe sind möglich.

Stand: 20.11.2020, 17:07