Corona-Studie in Heinsberg liefert Argumente für Exit-Diskussion

Corona-Studie in Heinsberg liefert Argumente für Exit-Diskussion

Von Christian Wolf

  • Erste Zwischenergebnisse zur Corona-Studie in Heinsberg
  • Bis zu 15 Prozent könnten schon infiziert sein
  • Diskussion über Lockerungen nimmt neue Fahrt auf

Seit rund zwei Wochen wird im Kreis Heinsberg geforscht, wie weit sich das Coronavirus dort bereits ausgebreitet hat. Der Virologe Hendrik Streeck hat am Donnerstag (09.04.2020) erste Zwischenergebnisse präsentiert. Demnach sei in der besonders betroffenen Gemeinde Gangelt bei 15 Prozent der über 500 Probanden eine aktuelle oder bereits überstandene Infektion nachgewiesen worden.

Corona-Briefing #13 - Zurück in die Normalität

WDR RheinBlick 09.04.2020 25:51 Min. Verfügbar bis 09.04.2021 WDR Online

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Geringere Sterblichkeit?

HIV-Forscher Professor Hendrick Streeck von der Uniklinik Bonn

Virologe Hendrik Streeck

Auch zur Sterblichkeitsrate durch das Coronavirus macht die Studie neue Aussagen. Bislang geht die renommierte Johns Hopkins Universität davon aus, dass in Deutschland 1,98 Prozent der Infizierten sterben. Dadurch, dass in der Heinsberger Studie nun auch bislang unentdeckte Infizierungen hinzukommen und die Gesamtzahl der Corona-Betroffenen damit höher ist, liegt die Todesrate für Gangelt nur bei 0,37 Prozent.

Insgesamt haben an der Studie rund 1.000 Menschen teilgenommen. Die nun vorliegenden Zwischenergebnisse stammen von rund der Hälfte der Probanden.

Wann kommt "Phase zwei"?

Virologe Streeck betonte auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf, dass die Zwischenergebnisse nicht auf das gesamte Land übertragen werden könnten. Die Einschränkungen im öffentlichen Leben bezeichnete er als "richtig und wichtig".

Dennoch hält er eine beginnende Lockerung für möglich. Weil die meisten Menschen "so aktiv und diszipliniert" mitmachten, sei es jetzt möglich, in eine "Phase zwei" einzutreten. Dazu könnten erste Öffnungen gehören – unter der Voraussetzung, dass die Abstandsregeln und die hygienischen Vorsichtsmaßnahmen weiter eingehalten würden.

Lockerungen nur, wenn Hygiene eingehalten wird

Genau dies betonte auch der Bonner Hygiene-Professor Martin Exner. Nach derzeitigem Wissensstand übertrage sich das Coronavirus vor allem durch Tröpfcheninfektionen. Deshalb müsse auf ständiges Händewaschen geachtet und niemand dürfe angehustet werden. Auch müsse gelernt werden, sich nicht ständig ins Gesicht zu fassen. All das klinge banal, sei aber wichtig, um Infektionen zu verhindern, so Exner.

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In Heinsberg soll zu Corona geforscht werden

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Doch nicht nur die können durch Hygiene und Abstand unterbunden werden. Laut Gunther Hartmann, Professor für Klinische Chemie und Pharmakologie an der Universität Bonn, wird nach ersten Einschätzungen davon ausgegangen, dass auch der Schweregrad der Erkrankung dadurch reduziert werden kann. "Die Zahl der Erreger hat bei Erstinfektionen Einfluss auf den Schweregrad der Erkrankung", sagte er.

Laschet gibt erste Hinweise

Ob und welche Lockerungen es tatsächlich geben wird, ließ NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Donnerstag offen. Er verwies auf eine gemeinsame Konferenz aller Regierungschefs der Bundesländer mit der Kanzlerin am Mittwoch nach Ostern. Allerdings ließ Laschet durchblicken, wie es weitergehen könne. So verwies er darauf, dass auch kleine Geschäfte oder Autohäuser die Hygienevorschriften einhalten könnten – so wie es Bäckereien gerade auch schafften.

Den Bewohnern in Alten- und Pflegeheimen machte Hygiene-Professor Exner hingegen wenig Hoffnung. Die dortige "restriktive Politik" müsse aufrechterhalten werden. Es sei "nicht auszuschließen, dass eine längere Zeit die Abstinenz zu den besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen aufrechterhalten werden muss."

Stand: 09.04.2020, 17:24

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