WDR-Interview: Schwalmtaler übersteht zweite Corona-Infektion

WDR-Interview: Schwalmtaler übersteht zweite Corona-Infektion

Markus Wallrafen aus Schwalmtal ist schon zweimal an COVID-19 erkrankt. Im WDR-Interview erzählt er, welche Nachwirkungen er immer noch spürt.

Fast überall in unserer Region steigen seit Tagen die Corona-Infektionszahlen. Einige wenige Menschen stecken sich zum zweiten Mal mit dem Virus an. Einer von ihnen ist Markus Wallrafen aus Schwalmtal. Der Musiker hat seine zweite Infektion überstanden und seine Quarantänezeit am Donnerstag beendet. Auch bei der zweiten Infektion hatte er starke Symptome, erzählt Wallrafen. Sein Geruchssinn beispielsweise sei noch nicht komplett zurückgekehrt.

WDR: Die wichtigste Frage vorweg. Wie geht es Ihnen aktuell?

Markus Wallrafen sitzt in seinem Wohnzimmer, bereit für sein Interview.

Zwei Mal mit dem Coronavirus infiziert: Markus Wallrafen

Markus Wallrafen: Jeden Tag geht es mir deutlich besser. Seit heute (Donnerstag) darf ich raus aus der Quarantäne, ab morgen (Freitag) habe ich dann schon wieder Dienst am Opernhaus in der Neuen Philharmonie Westfalen. Ich bin richtig froh, jetzt wieder raus und unter die Leute zu dürfen.

WDR: Was war das schwierigste in der Quarantäne, die Sie ja zwei Mal durchgemacht haben?

Wallrafen: Das Schwierigste war schon so ein Gefühl - vor allem jetzt beim zweiten Mal - dass mir jemand den Stecker zieht. Dazu kommt, dass ich vor einer guten Woche plötzlich keinen Geruchs- und Geschmackssinn mehr hatte. Seitdem ist das ein wenig besser geworden. Gestern (Mittwoch) habe ich das erste vorsichtige Gläschen Wein getrunken. Das hat aber wieder gezeigt: Gut ist der Geschmackssinn noch lange nicht.

WDR: Momentan ist der Stand der Dinge ja, dass es sehr unwahrscheinlich ist, ein zweites Mal an COVID-19 zu erkranken. Es heißt auch, dass der zweite Verlauf dann milder ist als der erste.

Wallrafen: Insgesamt kann man ja sagen, dass es bei mir zwei milde Verläufe sind. Bei der Infektion vor gut zweieinhalb Monaten habe ich noch sehr lange gemerkt, dass ich Luftknappheit habe. Ich mache Sport, habe den dann nach der Infektion auch wieder gemacht. Das geht einigermaßen. Aber ich bin noch lange nicht wieder bei 100 Prozent. Aber das bezeichnet man als milden Verlauf, da bin ich sehr dankbar. Vor allem, wenn man das mit anderen Fällen vergleicht, die deutlich schlimmer verlaufen.

WDR: Wie deprimiert waren Sie denn, als Sie zum zweiten Mal in Quarantäne mussten?

Wallrafen: Mich hat das sehr erschrocken. Ich hatte gedacht, auch in Absprache mit dem Gesundheitsamt, dass das eigentlich nicht passieren kann. Aber die Symptome waren sehr deutlich. Und die Alternative wäre gewesen, nach zwei, drei Tagen im Bett wieder zum Dienst zu fahren. Da hätte ich ein ganzes Orchester, wenn nicht sogar eine ganze Region wahrscheinlich infiziert. Und der Test, den ich dann erneut gemacht habe, war entsprechend positiv.

WDR: Wie haben Sie ihre beiden Quarantänen verbracht?

Wallrafen: Am meisten vermisst habe ich, rauszugehen in den Wald oder zu joggen. Ich habe Geige geübt, wenn ich mich nicht zu schwach gefühlt habe, aber dadurch hatte ich einen halbwegs strukturierten Tag. Ansonsten habe ich viel gelesen, Musik gehört und meinem Körper viel Ruhe gegönnt. Die braucht er auch in Zukunft noch weiter.

WDR: Haben Sie auf den Test gedrungen? Den hätte es von amtswegen ja nicht geben müssen.

Wallrafen: Ja, aber die Damen und Herren vom Gesundheitsamt, die einen fantastischen Job machen, aber zur Zeit aufgrund der Krise völlig überlastet sind, haben auf die Vorschriften geschaut und gesagt: Das kann nicht sein. Der kann das nicht mehr haben. Wir testen nicht nochmal. Ich habe eben wegen der Symptome weiter auf einen Test gedrängt.

WDR: Wie ist Ihr Umfeld damit umgegangen? Das war wahrscheinlich beim ersten Mal schon erschrocken und beim zweiten Mal erst recht, oder?

Wallrafen: Da ist natürlich die Sorge um den 89-jährigen Papa, der es glücklicherweise schon beim ersten Mal nicht hatte, obwohl wir gemeinsam in Südtirol wandern waren. Nach dem positiven Test haben wir alle die Füße still gehalten und uns an alle Regeln und Vorschriften gehalten.

WDR: Wissen Sie, wo oder wie Sie sich infiziert haben?

Wallrafen: Beim ersten Mal vor zweieinhalb Monaten weiß ich es eben nicht. In Südtirol waren wir sehr vorsichtig, es war tolles Wetter und jede Mahlzeit hat draußen stattgefunden und wir sind viel gewandert. Wo ich mir das da eingefangen habe, kann ich nicht sagen.

Jetzt ist es ganz klar festzumachen: Ich war zwei Tage lang zusammen auf dem Rotwein-Wanderweg zusammen mit meinem Cousin unterwegs. Er bekam am zweiten Tag den Anruf, dass sein Chef positiv getestet worden sei. Mein Cousin hat dann direkt einen Schnelltest gemacht und auch das positive Ergebnis bekommen. Wir sind sofort nach Hause gefahren, ich habe mich direkt in Quarantäne begeben. Die Symptome setzten drei, vier Tage später ein.

WDR: Wie ist Ihre Meinung zu Menschen, die Corona komplett leugnen?

Wallrafen: Das ist ein abendfüllendes Thema. Das Leugnen kann ich überhaupt nicht verstehen, auch schon im Frühjahr nicht. Ich habe Kontakt zu italienischen Musikern, die zu Beginn des Jahres sehr betroffen waren. Leugnen geht einfach gar nicht. Ich habe vier fast erwachsene Kinder, die auch sorgloser damit umgehen als ich, aber auch an ihre Oma und ihren Opa denken.

Ich kann aber aus eigener Erfahrung sagen, dass es sich gruselig anfühlt, auch wenn der Verlauf nicht so schwer war. Also: Vorsichtig sein, denn selbst wenn man nicht erkrankt, trägt man das Virus ja weiter.

Das Interview führte Andreas Turnsek.

Stand: 22.10.2020, 20:14