Nach Corona-Ausbruch: Pflegeheim in Sankt Augustin teilweise evakuiert

Nach Corona-Ausbruch: Pflegeheim in Sankt Augustin teilweise evakuiert

  • Corona-Ausbruch in Pflegeheim in Sankt Augustin
  • Infizierte Bewohner in Krankenhäuser verlegt
  • Großteil der Pflegekräfte erkrankt oder in Quarantäne

Das Pflegeheim Sankt Monika in Sankt Augustin wurde wegen eines Corona-Ausbruchs teilweise evakuiert. 37 der 70 Bewohner des Pflegeheims wurden positiv auf das Coronavirus getestet - ebenso 38 Pflegekräfte des Heims. Die positiv getesteten Bewohner wurden in nahegelegene Krankenhäuser gebracht. Nach Angaben des Heimbetreibers (11.04.2020) gehe es ihnen den Umständen entsprechend gut.

Die nicht infizierten Bewohner können im Heim bleiben. Dafür wurden einige Pfleger bereits nach einer Woche statt nach zwei Wochen aus der Quarantäne zurück in den Dienst geholt. Das ist seit einigen Tagen offiziell erlaubt.

Verlegung der Heimbewohner unumgänglich

In der Nacht zuvor hatte der Katastrophenschutz die Betreuung der Senioren übernehmen müssen, weil die meisten Pfleger des Heims infiziert waren. In der Aktuellen Stunde äußerte Sebastian Schuster, der Landrat des Kreises Kritik. Der Betreiber hätte Warnsignale missachtet und die Osterschichtpläne einfach beibehalten.

Bis Freitagabend hatten der Landrat und Sankt Augustins Bürgermeister Klaus Schumacher versucht, die Evakuierung zu vermeiden. Über einen öffentlichen Aufruf versuchten sie noch Pfleger und Krankenschwestern zu finden. Doch es meldeten sich zu wenige. Deshalb sei die Verlegung der Heimbewohner unumgänglich geworden.

Unter den 29 Freiwilligen, die sich auf den Aufruf – unter anderem in der Lokalzeit aus Bonn - des Seniorenheims St. Monika in Sankt Augustin gemeldet haben, ist nach Angaben der Pressesprecherin Annette Zang, eine Krankenschwester. Sie ist bereits im Einsatz. Die übrigen Freiwilligen stehen bereit, um bei Bedarf im Servicebereich eingesetzt zu werden.

Die Versorgung der im Haus verbliebenen nichtinfizierten Senioren sei mit eigenen Mitarbeitern gesichert. Ein konkretes Rückkehrdatum für die mit Covid-19 infizierten Bewohner, die gestern in die Krankenhäuser der Region verlegt wurden, steht bisher nicht fest.

"Echte Pflegekräfte" sollen Katastrophenschutz schnell ablösen

Die Betreuung der Bewohner hatten am Donnerstagabend Mitarbeiter des Katastrophenschutzes übernommen. Am Freitagvormittag hatte sich der Krisenstab des Rhein-Sieg-Kreises unter Leitung von Landrat Schuster in Sankt Augustin, um über die Situation zu beraten. Der Krisenstab kam überein, dass der Katastrophenschutz möglichst schnell von "echten Pflegekräften" abgelöst werden muss.

Dazu soll eine Ausnahmegenehmigung bei der Bezirksregierung eingeholt werden, damit die negativ getesteten Mitarbeiter doch nicht in Quarantäne müssen.

Pflegekräfte über Nacht gesucht

Der Betreiber, die Caritas Betriebs- und Trägergesellschaft, hatte der Stadt Sankt Augustin am Donnerstag (09.04.2020) mitgeteilt, dass er kein Personal aus anderen Einrichtung abziehen kann. Landrat Sebastian Schuster sprach davon, dass es nun um Leben und Tod gehe. Er übte scharfe Kritik an der Heimleitung, die eine solche Personalkrise zugelassen habe.

Damit der Rhein-Sieg-Kreis in Zukunft besser auf ähnliche Vorfälle wie in Sankt Augustin vorbereitet ist, hat am Samstag noch einmal ein Leistungsstab mit Landrat Sebastian Schuster getagt. Ziel war es, besser auf unterschiedliche Krisenlagen vorbereitet zu sein. Dabei ging es u.a. um die Einrichtung eines Behelfskrankenhauses.

Auch andere Einrichtungen betroffen

Doch das Haus Sankt Monika ist nicht das einzige Pflegeheim, das im Rhein-Sieg-Kreis betroffen ist. Die Zahl der Heime, in denen das Coronavirus festgestellt wurde steigt rasant: Waren es am Mittwoch (08.04.2020) noch fünf betroffene Heime, so waren es am Donnerstag schon 16 Pflegeeinrichtungen.

Stand: 11.04.2020, 14:32

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