DGB Jugend Aachen: Corona-Leugner sind Gefahr für die Gesellschaft

Proteste in Dortmund. Ein Mann hält einen Banner hoch, auf dem steht "GroKo & Lügenpresse kriegen heute auf die Fresse"

DGB Jugend Aachen: Corona-Leugner sind Gefahr für die Gesellschaft

Von Helga Hermanns

Die DGB Jugend Aachen bewertet die Bewegung der Corona-Leugner als Gefahr für die Gesellschaft. Die Gewerkschaftsjugend setzt sich intensiv mit dem Phänomen auseinander.

Auf einer Online-Veranstaltung diskutierten junge Gewerkschafter mit Wissenschaftlern über Verschwörungsmythen und die Querdenker-Szene.

Grundlage war eine Studie der Hochschule Düsseldorf im Auftrag des Landes NRW. Autor Alexander Häusler hatte seit Beginn der Pandemie die zahlreichen Demos von Corona-Leugnern in NRW begleitet, von denen die weitaus meisten bisher im Regierungsbezirk Köln stattfanden: 283 Versammlungen in 20 Städten.

Protestbewegung anfangs sehr heterogen

Demonstration gegen die Maßnahmen in der Corona-Pandemie.

Neu war für den Politikwissenschaftler die bunte und heterogene Zusammensetzung der Bewegung. Es trafen Familien und kritische Bürger mit Hippies, Vertretern rechtsextremer Parteien und Querdenker aufeinander. Anfangs habe der Protest eher an ein alternatives Straßenfest erinnert, so Häusler. Erst im weiteren Verlauf der Pandemie übernahmen radikalisierte und prominente Influenzer aus dem Querdenker-Netzwerk zunehmend die Organisation der Proteste.

Zunehmender Antisemistismus

Dabei beobachtete der Düsseldorfer Politikwissenschaftler Häusler auch eine Wende hin zu mehr Antisemitismus. So werde bei Demos offen der Holocaust banalisiert oder Impfstoffe mit dem Gas Zyklon B verglichen, das die Nazis zur Ermordung der Juden einsetzten. Zu den verbreiteten Verschwörungsmythen gehört auch, dass die Juden durch die Pandemie angeblich eine neue Weltordnung schaffen wollen.

Radikalisierung verhindern

Nach Häuslers Vortrag diskutierten Vertreter der Aachener Gewerkschaftsjugend und des im Dezember gegründeten Centrums für Antisemitismus- und Rassismusforschung (CARS) an der Katholischen Hochschule Aachen über mögliche Konsequenzen der Studie.

Die DGB-Jugend sieht ihre Aufgabe darin, der Bewegung der Corona-Leugner Argumente entgegenzusetzen und vor allem auf die Menschen zuzugehen, die psychisch oder wirtschaftlich unter der Pandemie leiden. Eine Radikalisierung breiter Gesellschaftsschichten müsse verhindert werden.

Genaue Analyse

CARS dagegen hält es nicht für aussichtsreich, argumentativ gegen diese verhärtete Form des Antisemitismus vorzugehen, da er "faktenresistent" sei. Das Centrum schließt sich der Radikalisierungsthese nur bedingt an: Der Antisemitismus sei nicht erst in die sogenannte 'Mitte' der Gesellschaft hineingetragen worden, sondern komme aus ihr heraus. Außerdem will das Centrum eine intensive Analyse der nun sichtbar werdenden Probleme an deren Wurzel betreiben. Konkret heißt das: die spezifisch ökonomischen Gründe des Antisemitismus sowie die Struktur der Gesellschaft, die die genannten Probleme produziert, sollen in den Blick genommen werden.

Stand: 04.05.2021, 18:32