Das Leid der Kinder in der Corona-Pandemie

Die Erzieherinnen lesen den Kindern aus dem Corona-Bilderbuch vor. Alle sitzen auf dem Boden in einem Kreis.

Das Leid der Kinder in der Corona-Pandemie

Von Michael Esser

Immer mehr Kinder und Jugendliche leiden unter der Corona-Pandemie. Laut Kinderpsychiatern am Dürener Marienhospital und am Uniklinikum Aachen hat ihre Zahl zugenommen.

Mittlerweile leidet jedes dritte Kind unter den Belastungen der Pandemie, sagt Dr. Bodo Müller vom Dürener Marienhospital. Die Quote der betroffenen Kinder und Jugendlichen sei seit dem ersten Lockdown von 20 auf 30 Prozent gestiegen, eine Zunahme um die Hälfte.

Auch die Verhaltensstörungen sind ernst- und dauerhafter. Diese Beobachtungen machen viele Fachärzte bundesweit, zuletzt hatten Kinderärzte in Essen mit einem offenen Brief auf die psychischen und körperlichen Schäden aufmerksam gemacht, die Corona und der Lockdown für den Nachwuchs haben.

Alltagsstruktur fehlt

Es fehlen die Schulkontakte, die Eltern sind ebenfalls be- oder überlastet und Freunde als Ausgleich und Stabilitätsanker derzeit meist weit weg oder ganz unerreichbar. Es fehlt eine Struktur im Alltag, die vor dem Lockdown Sicherheit und Halt gab. Das Gefühl, dass die Wohnung ein Käfig ist, tut ein übriges. Die Folge: Corona bedingte Symptome reichen danach von Ess- und Verhaltensstörungen über Aggression oder Depression bis zum Rückzug in die Welt der Konsolen und Internetspiele, mehr ein Ausweichen als ein Ausweg. Manche Kinder meinen es sogar wegen Corona besonders gut: Sie ziehen sich von der Außenwelt zurück, damit sie Oma und Opa nicht anstecken können.

Bewegen, begleiten und feste Regeln

Die Fachleute raten den Eltern, ihre Kinder aufmerksam zu beobachten, im engen Kontakt zu bleiben und viel gemeinsam zu unternehmen, vor allem rauszugehen in die Natur. Allein schon, um dem Bewegungsmangel vorzubeugen und neben dem Körper auch den Geist zu aktivieren. Wichtig sei, so Dr. Müller, eine verbindliche Alltagsstruktur einzuhalten, etwa Aufstehen zu fester Zeit, gemeinsame Mahlzeiten und gemeinsame Aktivitäten.

Klar ist: Nicht jede Verhaltensänderung ist eine Folge der Pandemie, sondern manchmal auch der Pubertät oder anderen Entwicklungen geschuldet. Wenn Eltern dann nicht weiterwissen, sind Haus- und Kinderärzte, Erziehungsberatungsstellen oder Jugendämter die ersten Anlaufstellen.

Stand: 26.02.2021, 15:22