Personal am Limit: Mehrere Corona-Fälle in Kölner Einrichtung für Menschen mit Behinderung

Eine Frau steht an einem Tisch, auf dem Hygieneartikel und Essen liegen

Personal am Limit: Mehrere Corona-Fälle in Kölner Einrichtung für Menschen mit Behinderung

Von Sabine Büttner

  • 14 Bewohner mit Corona-Virus infiziert
  • Mitarbeiter gehen nur zum Schlafen nach Hause
  • Vorrat an Schutzkleidung wird knapp

In einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Köln sorgt das Corona-Virus für einen Ausnahmezustand. Die Gesellschaft „Lebenshilfe“ betreut in der Wohnstätte Menschen mit geistiger Behinderung. Seit fast zwei Wochen steht die Einrichtung unter Quarantäne, damals war der erste Fall einer Corona-Infektion in der Wohnstätte bekannt geworden. Wie das Virus dorthin kam, ist nicht bekannt.

Mitarbeiter arbeiten in drei Schichten rund um die Uhr

Nach Angaben der Leiterin Ruth Muckle leben derzeit 23 Menschen in der Einrichtung, 14 von ihnen sind inzwischen infiziert. Eine Bewohnerin war vergangenen Freitag (20.03.2020) gestorben: Ihr Zustand hatte sich im Laufe eines Tages stark verschlechtert, sie erlag einem Herzversagen. Muckle steht täglich in engem Austausch mit dem Kölner Gesundheitsamt, denn die Situation stellt sie und ihre Mitarbeiter vor eine große Herausforderung.

Dieser Tage seien 16 bis 17 Mitarbeiter im Dienst. Sie arbeiteten in drei Schichten rund um die Uhr, erzählt die Leiterin. Der Job sei für alle besonders anstrengend, denn es sei schwer, einem Menschen mit geistiger Behinderung zu vermitteln, was gerade passiere.

Bewohner „verstehen die Welt nicht mehr“

Auf einem Tisch liegen Hygieneartikel und Essen

Auf einem Tisch in der Einrichtung liegen Hygieneartikel und Essensvorräte

Einige Bewohner verstehen zum Beispiel nicht, warum sie sich nicht mit den Händen ins Gesicht fassen sollen. Überhaupt die Krankheit „Corona“ zu begreifen, falle ihnen schwer. Dazu komme, dass die ihnen vertrauten Mitarbeiter der Einrichtung plötzlich in Schutzkleidung vor ihnen stehen – denn die, die noch gesund sind, müssen ja vor einer Infektion geschützt werden. Für die Bewohner sei das alles zuviel: „Die verstehen die Welt nicht mehr“, sagt die Wohnstättenleiterin.

Mitarbeiter müssen schwierige Entscheidung treffen

Ruth Muckle betont, dass sie und ihre Kollegen eine pädagogische Grundausbildung haben, jetzt aber täglich mit vielen Fragen aus dem medizinischen Bereich konfrontiert seien: Wie beurteile ich den Krankheitsverlauf eines Bewohners? Muss ich den Notarzt rufen? Würde das den Bewohner vielleicht sehr aufregen, weil er Angst vor Ärzten hat – und sich im Nachhinein als medizinisch nicht notwendig herausstellen?

Vorräte an Schutzkleidung werden knapp

Gleichzeitig ist Ruth Muckle damit befasst, ihre Mitarbeiter zu organisieren, den Kontakt zu Angehörigen der Bewohner zu halten und Schutzkleidung zu besorgen. Das wird auch für die Kölner Wohnstätte immer mehr zum Problem, denn die Vorräte werden knapp und Nachschub ist schwer zu bekommen.

Stand: 27.03.2020, 18:21