130 Corona-Fälle in St. Augustiner Flüchtlingsheim

Eine Sammelunterkunft für Flüchtlinge in Sankt Augustin ist wegen Corona-Fällen unter Quarantine gestellt.

130 Corona-Fälle in St. Augustiner Flüchtlingsheim

Von Norbert Hiller und Marius Reichert

  • 130 Flüchtlinge positiv getestet
  • Quarantäne im besonderen Teil der Unterkunft
  • Häufig schnelle Ausbreitung in Flüchtlingsheimen

In einem Flüchtlingsheim in Sankt Augustin bei Bonn sind 130 Flüchtlinge positiv auf Corona getestet worden. Das erste positive Testergebnis war am Donnerstag (14.05.2020) bekannt geworden. Insgesamt 300 Speichelproben wurden in dem Flüchtlingsheim bis Sonntag genommen. 130 Proben sind positiv. Erkrankt ist bisher noch niemand.

Zwei Wochen Quarantäne

Die mit Corona infizierten Flüchtlinge werden jetzt in einem besonderen Teil der großen Sammelunterkunft isoliert. Sie müssen zwei Wochen in Quarantäne. Betreiber des Flüchtlingsheims ist die Bezirksregierung Köln. Deren Sprecherin sagte, dass jetzt teilweise Familien auseinandergerissen werden müssen. Dabei gibt es Diskussionen.

Viele Familien sehen nicht ein, dass sie isoliert werden sollen. Dolmetscher müssen ihnen immer wieder erklären, warum die Quarantäne nötig ist. Die Sprecherin der Bezirksregierung betont, dass letztendlich aber alles friedlich abläuft. 60 Flüchtlinge sind inzwischen in eine Jugendherberge nach Bonn und eine Flüchtlingsunterkunft in Schleiden bei Aachen verlegt worden.

Infiziertenzahl könnte sich noch deutlich erhöhen

Ein großes Problem für die Betreiber ist, dass circa 100 Flüchtlinge, die in der Sammelunterkunft gemeldet sind, noch nicht angetroffen wurden. Bei ihnen wurden bisher noch keine Tests gemacht. Die Verantwortlichen befürchten, dass sich die Zahl der Corona-Infizierten noch deutlich erhöhen wird, denn einige der gesuchten Personen könnten infiziert sein. Der Leiter der Unterkunft sagte dem WDR, er hoffe, dass die fehlenden Personen bald in die Unterkunft zurückkehren. Denn in den nächsten Tagen sei Taschengeldausgabe.

Bewohner machen Betreiber und Land Vorwürfe

Die Bewohner des Flüchtlingsheims erheben nun schwere Vorwürfe gegen den Betreiber und das Land. Die Unterkunft sei zu voll gewesen. Sie berichten dem WDR von verschmutzten Toiletten und Schlangen an der Essensausgabe.

Mehrere Familien hätten sich einen großen Raum teilen müssen. Der Betreiber weist die Kritik zurück und verweist ans Land, das sei zuständig für die Verteilung der Flüchtlinge.

Schnelle Ausbreitung in Flüchtlingsheimen

Die schnelle Ausbreitung des Coronavirus ist in Flüchtlingsheimen keine Seltenheit. Allein in NRW waren bereits zwei Einrichtungen stärker betroffen. So wurden in Euskirchen mehr als 50 Personen positiv getestet, in Mettmann bei Düsseldorf kam es in einem Flüchtlingsheim zu mehr als 30 Positivfällen.

Eingesperrt und ausgeliefert: Corona in deutschen Flüchtlingsunterkünften Monitor 30.04.2020 07:04 Min. UT Verfügbar bis 30.04.2099 Das Erste Von Andreas Maus, Neila Doss

Stand: 19.05.2020, 15:19