Bonner Forscher arbeiten an Impfstoff gegen Coronavirus

Hendrik Streeck und zwei Kolleginnen.

Bonner Forscher arbeiten an Impfstoff gegen Coronavirus

Von Jörg Sauerwein

  • Dutzende Wissenschaftler arbeiten rund um die Uhr
  • Keine schnellen Erfolge beim Impfstoff erwartet
  • „Wir stehen am Anfang“

Fast alle Viren-Experten der Bonner Universitätsklinik kennen zurzeit nur noch ein Thema: Das Coronavirus. Auch Forscher, die sonst nach einem Impfstoff gegen HIV oder Hepatitis C suchen, wurden ins Team geholt. Davon erhofft sich Hendrick Streeck, der Direktor der Virologie an der Bonner Uniklinik, möglichst schnelle neue Erkenntnisse über das Virus, von dem noch viel zu wenig bekannt ist.

Proben halten Forscher auf Trab

Zum Beispiel bei den Fragen, wo hält sich das Virus überhaupt auf und wie lange bleibt es dort? Dafür ist Streeck mit einigen Mitarbeitern in den Kreis Heinsberg gefahren und hat dort Proben genommen. Nicht nur Rachen- und Blutproben bei infizierten Menschen, sondern auch Proben aus der Luft, von Toiletten, Siphons, Handys, Türklinken und sogar von Haustieren. Die Auswertung dieser Proben dauert mehrere Tage, an denen die Forscher rund um die Uhr beschäftigt sind. Dazu kommen jeden Tag rund 600 neue Proben von möglichen Coronavirus-Infizierten, die eine Diagnose brauchen.

Kein schneller Erfolg bei Impfstoff erwartet

Portrait Hendrik Streeck

Hendrik Streeck, Chef der Virologie

„Wir sind erst am Anfang“, sagt Streeck zum Stand der Forschung. Und auch die Aussicht auf einen Impfstoff könne man seriös noch nicht einschätzen. Es sei durchaus möglich, dass es im nächsten Jahr einen Wirkstoff gibt, der nicht nur im Labor, sondern auch bei Menschen erfolgreich wirkt. Aber bis dahin sei es ein Marathonlauf. Und Viren wie HIV oder Hepatitis C hätten gezeigt, dass die Entwicklung eines Impstoffes teilweise sehr lange dauern können.

Stand: 06.03.2020, 16:23