Wissenschaftler nehmen Bonner Corona-Daten unter die Lupe

Fahrradfahrerin fährt mit Mundschutz durch die Bonner Innenstadt.

Wissenschaftler nehmen Bonner Corona-Daten unter die Lupe

Von Märte Burmeister

Auch die Stadt Bonn freut sich derzeit über niedrige Corona-Inzidenzen. Damit das so bleibt, werfen nun unter anderem Wissenschaftler einen genauen Blick auf Falldaten.

Das Hygiene-Institut der Bonner Uni-Klinik und das Forschungsinstitut infas 360 arbeiten dabei zusammen. "Wir bekommen die Gesundheitsdaten der Stadt Bonn zur Verfügung, aber anonymisiert, nur Adressen", erklärt Barbara Wawrzyniak, verantwortlich für den Bereich "Daten und Analysen" bei infas 360.

400 Daten zu jeder Adresse

Zu den Adressen, wo Corona-Fälle aufgetreten sind oder nicht, lassen sich rund 400 weitere Daten zuordnen: Zum Beispiel die Art des Gebäudes, Altersstruktur oder Einkommen. "Alles pseudonomisiert", versichert Wawrzyniak im Hinblick auf Datenschutz-Bedenken.

Die so genannten "Mikrogeographischen Daten" sind genauer als die Infektions-Daten der ganzen Gemeinde. Und je detaillierter sie sind, desto besser. Denn auch die Aufschlüsselung nach einzelnen Stadtteilen, wie in Köln und Bonn bereits geschehen, birgt noch Fallstricke.

Inzidenz und Nachverfolgung: Rechercheergebnisse des WDR

WDR 5 Morgenecho - Beiträge 15.01.2021 04:03 Min. Verfügbar bis 15.01.2022 WDR 5 Von WDR


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Ist wirklich das Mehrfamilienhaus schuld?

Wenn etwa ein Stadtteil mit vielen Mehrfamilienhäusern hohe Inzidenzwerte aufweist, denkt man schnell, dass beengte Wohnverhältnissen der Grund dafür sind. Nachgewiesen ist das aber nicht, warnt Barbara Wawrzyniak: "Theoretisch kann es sein, dass kein einziger Infizierter im Mehrfamilienhaus wohnt."

Mehrere Tausend Adressen auf einmal kann die Statistik-Software bei infas 360 verarbeiten. Anschließend kommt das Hygiene-Institut der Bonner Uni-Klinik ins Spiel: "Die bereinigten Daten beschreiben erst mal das Bild", erklärt Professor Nico Mutters, der Direktor des Instituts.

Den Infektionen auf der Spur

Mutters und sein Team schauen sich das Datenbild in enger Kooperation mit infas mit Hygiene-Experten-Wissen genau an und gehen mit eigenen Analysen Infektionsketten nach. "Dann kann man hoffentlich Brennpunkte identifizieren", sagt Mutters:

"Zum Beispiel kann es sein, dass zufälligerweise in einem Viertel viele Arbeiter einer Firma wohnen und sich infiziert haben, weil der Aufenthaltsraum im Betrieb nicht gut belüftet war." Da könnte man dann zügig Maßnahmen ergreifen.

Die richtigen Maßnahmen finden

Solche gezielten Maßnahmen zu finden, sind das Ziel der detaillierten Analyse von Bonns Corona-Daten. "Auf Dauer funktioniert es nicht gut, immer erst alles zu öffnen, und dann, wenn die Infektionszahlen wieder steigen, erneut alles zu schließen", findet Professor Nico Mutters.

Er empfiehlt, die Zeit der niedrigen Inzidenzen jetzt zu nutzen und möglichst viele "Brennpunkte" zu finden, die zu Infektionen geführt haben, sowie Maßnahmen dagegen. Ende September erwartet die Stadt Bonn erste Erkenntnisse darüber, wie sie im besten Falle die Inzidenzen niedrig halten kann – auch im Herbst und trotz Virus-Mutationen.

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