Vor 20 Jahren: Als der Concorde-Absturz Mönchengladbach ins Mark traf

Absperrungen an der Concorde-Absturzstelle

Vor 20 Jahren: Als der Concorde-Absturz Mönchengladbach ins Mark traf

Von Alexa Godbersen

  • Flugzeug-Unglück am 25. Juli 2000
  • 42 der 113 Toten stammten aus NRW
  • Verein "Crash" hilft Opfern von Unglücken

Schwarze Trümmerteile, eine kilometerhohe Rauchsäule, verbrannte Erde - Monika Bartsch erinnert sich noch genau an den Schock, den die Bilder vom Absturz der Concorde vor genau 20 Jahren bei ihr auslösten: "Für mich war das nicht irgendein Flugzeugunglück - ich dachte, da ist mein Büroleiter an Bord." Wenig später erfuhr die damalige Oberbürgermeisterin von Mönchengladbach, dass ihr Kollege für denselben Tag einen anderen Flug von Paris nach New York gebucht hatte – was ihm das Leben rettete.

Reisegruppe wollte zur Kreuzfahrt fliegen

Monika Bartsch

"Das ist uns unter die Haut gegangen"

Dennoch traf der Concorde-Absturz am 25. Juli 2000 Mönchengladbach ins Mark: Von den 113 Todesopfern stammten 13 aus der Stadt. Alle Passagiere gehörten zu einer Reisegruppe, die in New York gemeinsam zu einer Kreuzfahrt starten wollte. "Das ist uns allen hier unter die Haut gegangen", erinnert sich Monika Bartsch. Denn es waren viele stadtbekannte Persönlichkeiten unter den Opfern, darunter mehrere Unternehmer und Lehrer mit ihren Familien. Zu der Trauer, sagt die 71-jährige frühere Oberbürgermeisterin, sei damals das Entsetzen über manche Boulevard-Reporter gekommen: "Die haben nicht einmal davor zurückgeschreckt, bei den Hinterbliebenen im Vorgarten zu stehen."

Jahrestag wird in aller Stille begangen

Für die Stadt war die Organisation der zentralen Trauerfeier deshalb eine Herausforderung: Die Hauptkirche in Rheydt wurde von Sicherheitsdiensten und mit Sichtwänden abgeschirmt, Zutritt hatten nur Hinterbliebene. Bartsch stellte sich nach dem Gottesdienst Fragen von Journalisten, um die Angehörigen zu schützen. Der 20. Jahrestag des Unglücks soll in aller Stille begangen werden.

Rechtsanwalt Christof Wellens

Anwalt Wellens: Verkettung tragischer Ereignisse

Schnelle Hilfe hat damals der Anwalt Christof Wellens organisiert: Er hat Hinterbliebene von 25 Familien vertreten und für sie Entschädigungszahlungen ausgehandelt, die deutlich über den in Deutschland üblichen 100.000 Euro lagen. Einen Teil des Geldes haben die Angehörigen als Startkapital für den Verein "Crash" zur Verfügung gestellt. Der will Menschen helfen, die durch ein Unglück in seelische, juristische oder finanzielle Not geraten, und hat auch nach dem Germanwings-Absturz Hinterbliebene betreut.

Wellens ist Vorsitzender des Vereins und weiß: Genauso wichtig wie finanzielle Unterstützung ist praktische Hilfe im Alltag. Bei dem Absturz in Paris sind zum Beispiel die Chefs von zwei großen mittelständischen Unternehmen aus Mönchengladbach ums Leben gekommen, die Betriebe waren plötzlich ohne Führung. "Da haben wir dann gemeinsam mit Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern überlegt, wie es weitergehen kann."

Am Strafverfahren nicht beteiligt

Aufnahme der Concorde-Absturzstelle von oben, Trümmer und Rauch

Luftaufnahme der Concorde-Absturzstelle

An dem Strafverfahren nach dem Concorde-Absturz haben sich die Hinterbliebenen der insgesamt 42 Opfer aus NRW nicht beteiligt. Die langwierigen Ermittlungen zur Unglücksursache waren für sie nicht zentral, sagt Wellens. "Sie haben bei der Gegenseite einen ehrlichen Willen gespürt, Verantwortung zu tragen und faire Entschädigungen zu zahlen. Dadurch konnten sie das Unglück als Verkettung tragischer Ereignisse akzeptieren."

Absturz einer Concorde bei Paris (am 25.07.2000)

WDR 2 Stichtag 25.07.2020 04:17 Min. Verfügbar bis 23.07.2030 WDR 2


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Stand: 25.07.2020, 06:00