"Colonia Dignidad": Sektenarzt muss in kein deutsches Gefängnis

Ein Bild von Hartmut Hopp aus dem Jahre 2011

"Colonia Dignidad": Sektenarzt muss in kein deutsches Gefängnis

  • Keine Haftstrafe für Sektenarzt in Deutschland
  • Finale Entscheidung des Oberlandesgerichts in Düsseldorf
  • Gericht bezieht sich auf Gerichtsverfahren in Chile

Der in Krefeld lebende frühere Arzt der Sekte "Colonia Dignidad" in Chile, Hartmut Hopp, muss in kein deutsches Gefängnis. Die Entscheidung sei abschließend, weitere Rechtsmittel gebe es nicht, teilte das Düsseldorfer Oberlandesgericht am Dienstag (25.09.2018) mit.

Das Gericht hat sich mit einem Urteil aus Chile befasst, wo der über 70-Jährige 2011 rechtskräftig zu fünf Jahren Haft verurteilt wurde. Das chilenische Gericht sah es als erwiesen an, dass Hopp Beihilfe zu sexuellem Kindesmissbrauch in 16 Fällen geleistet hatte.

Nennung konkreter Handlungen für Inhaftierung nötig

Das Düsseldorfer Oberlandesgericht befand nun, dass in dem Urteil keine "konkreten dienlichen Handlungen" genannt würden. Deswegen sei Hopp nach deutschem Recht nicht strafbar.

Im Urteil beruft sich das chilenische Gericht demnach auf die Struktur der Sekte. So müsse Hoppe als Stellvertreter der Sekte von den Taten gewusst haben. Laut dem Düsseldorfer Oberlandesgericht belegen diese Feststellungen nicht, dass Hopp Missbrauch ermöglicht oder erleichtert habe.

Unabhängig von dieser Entscheidung ermittelt die Staatsanwaltschaft Krefeld in drei Punkten gegen Hopp: Beihilfe zum Missbrauch, Beihilfe zum Mord dreier Oppositioneller zur Zeit der Pinochet-Diktatur und Missbrauch von Psychopharmaka. Wann eine Anklage erhoben wird, kann die Staatsanwaltschaft jedoch nicht sagen.

Früherer Sektenarzt war nach Deutschland geflohen

Hopp war 2011 nach Deutschland geflohen, bevor seine Strafe rechtskräftig wurde. Als Deutscher darf er nicht an Chile ausgeliefert werden. Daher hatte Chiles oberstes Gericht die Vollstreckung der Strafe in Deutschland beantragt. Das Landgericht Krefeld hatte dem im Sommer 2017 stattgegeben. Doch Hopp legte gegen das Urteil Rechtsmittel ein.

Rechte Hand des Sektengründers

Hopp soll die rechte Hand des aus Deutschland stammenden Sektengründers Paul Schäfer gewesen sein. In der landwirtschaftlichen Siedlung wurden während der Militärdiktatur politische Häftlinge gefoltert und ermordet. Schäfer wurde 2006 wegen Kindesmissbrauchs in Chile zu 20 Jahren Haft verurteilt. Er starb 2010 im Gefängnis.

Reaktionen aus der Politik

Die Grünen-Politikerin Renate Künast zeigte sich enttäuscht von dem Urteil: "Diese Entscheidung wird vielen Opfern der Colonia Dignidad sehr weh tun." Die meisten von ihnen seien traumatisiert und würden in Armut leben. Nun sei es umso wichtiger einen Bundestags-Beschluss aus dem Jahr 2017 umzusetzen, nach dem unter anderem ein Hilfsfonds für die Opfer eingerichtet werden soll.

Auch der Linken-Bundestagsabgeordnete Jan Korte erklärte, das Urteil sei "nur schwer zu ertragen". Umso wichtiger sei es, "dass die Bundesregierung umgehend alles ihr Mögliche unternimmt, damit sowohl in Chile als auch in Deutschland endlich mit Nachdruck gegen die Täter ermittelt wird."

Redaktioneller Hinweis (27.09.2018, 12:11 Uhr): In einer früheren Fassung haben wir den Eindruck erweckt, dass Hartmut Hopp in Deutschland in Haft saß. Seit seiner Flucht nach Deutschland 2011 war er jedoch immer auf freiem Fuß. Konkretisiert haben wir außerdem, dass laut OLG Herr Hopp in kein deutsches Gefängnis muss. Wir bitten die Fehler zu entschuldigen.

Stand: 25.09.2018, 17:16

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