Zwei Festnahmen in Villa von Leverkusener Clan

Ein Polizist steht vor einer Villa in Leverkusen

Zwei Festnahmen in Villa von Leverkusener Clan

In der sogenannten Leverkusener "Clan-Villa" sind erneut zwei Mitglieder des Al-Zein-Clans festgenommen worden. Gegen beide lagen Haftbefehle wegen Geldwäsche und bandenmäßigen Betrugs vor.

Das hat die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft am Donnerstag mitgeteilt. Eine Sprecherin des Amtsgerichts bestätigte, dass der Haftbefehl gegen einen der beiden Männer gegen die Zahlung einer Kaution von 30.000 Euro wieder aufgehoben wurde. Der andere Mann sei in Untersuchungshaft gekommen.

Aufregung nach Razzia

Die Villa in Leverkusen hatte Anfang der Woche für Schlagzeilen gesorgt: Gut drei Monate nach einer Clan-Razzia fiel ein Bericht des Justizministers ernüchternd aus. Angehörige des Al-Zein-Clans, die trotz des Verdachts auf Sozialleistungsbezug in einer Leverkusener Villa residierten, wohnen dort noch immer. Sie müssen auch keine Miete an den Staat zahlen. Das hatte NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) in dem Bericht an den Rechtsausschuss eingeräumt.

Der Minister konnte auch nicht ausschließen, dass die Clan-Angehörigen weiter Sozialleistungen kassieren, obwohl gegen sie wegen Sozialleistungsbetrugs ermittelt wird. Dies sei Sache des Jobcenters, darüber habe man keine Informationen, hieß es. Aus Datenschutzgründen könnte ohnehin keine Auskunft erteilt werden - selbst wenn die Informationen vorlägen.

Rechtsstaat muss nun handeln

Auch NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) äußerte sich zu den Umständen: "Wir haben alles unternommen, was möglich ist. Jetzt muss der Rechtsstaat handeln. Das wird dauern und dann wird es aber irgendwann ein Ergebnis geben. Jetzt ist abzuwarten, ob Anklage erhoben wird, wie die Anklage erhoben wird und wie das Urteil nachher aussieht. Und am Ende kann beides sein: Es kann sein, dass die Villa dem Clan weggenommen wird. Es kann aber auch sein, dass das nicht passiert."

Clan-Mitglied nach Razzia im Juni verhaftet

Die Polizei hatte das Anwesen im vergangenen Juni gestürmt und durchsucht. Sie fand scharfe Schusswaffen und sechsstellige Summen Bargeld. Im Visier stand dabei ein 46-Jähriger, der in dem Clan eine ranghohe Position einnehmen soll. "Wir haben ihn nicht nur festgenommen, sondern ihm auch sein Zuhause weggenommen", hatte Reul damals gesagt. Die Villa werde nun im Grundbuch dem Staat übertragen. Dies hatte kritische Nachfragen seitens der SPD-Opposition ausgelöst. Reul habe bereits selbst eingeräumt, dass seine Aussage damals juristisch nicht präzise gewesen sei, teilte sein Kabinettskollege Biesenbach nun mit.

Villa mehr als eine Million Euro wert

Tatsächlich sei ein Veräußerungsverbot für die Villa erwirkt und ins Grundbuch eingetragen worden. Dies bedeute, dass die Beschuldigten das Haus nicht verkaufen und das Geld beiseite schaffen können, bis die Frage einer Eigentumsübertragung an den Staat geklärt sei. Ermittler taxierten das Anwesen im Stadtteil Rheindorf auf einen Wert von mehr als einer Million Euro.

Ein scheinbar mittelloser Sohn der Familie hatte das Haus den damaligen Angaben zufolge gekauft und an seinen Vater vermietet. Die Miete habe das Jobcenter beglichen. Die Umstände der Finanzierung der Immobilie sprächen für "Geldwäsche in Reinkultur", hatte Thomas Jungbluth gesagt, leitender Ermittler gegen Organisierte Kriminalität im Landeskriminalamt NRW.

Stand: 30.09.2021, 17:30