"Kritik von alten Männern": Machtkampf in der CDU

"Kritik von alten Männern": Machtkampf in der CDU

  • CDU diskutiert über eigene Richtung und das Personal
  • Günther verteidigt Merkel gegen Kritik von "älteren Männern"
  • NRW-Politiker wollen keine Diskussion zum jetzigen Zeitpunkt
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Nach der Wahlschlappe von Thüringen ist in der CDU ein Streit über die Richtung und das Personal der Partei entbrannt. Ex-Fraktionschef Friedrich Merz hatte für eine vorzeitige Ablösung von Bundeskanzlerin Angela Merkel plädiert. Auch Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer steht in der Kritik. Hier einige Stimmen zur Diskussion:

Stimmen zur CDU-Debatte: "Wir brauchen solche Diskussionen nicht"

Für Friedrich Merz ist die Sache klar: Merkel und Kramp-Karrenbauer sind Schuld am schlechten Abschneiden der CDU in Thüringen. Die Widerrede kam prompt und war heftig.

Daniel Günther, Ministerpräsident Schleswig-Holstein

"Es ist eine Debatte, die im Moment gerade von älteren Männern geführt wird, die vielleicht nicht ihre Karriereziele erreicht haben in ihrem Leben. Aber das ist eine Sache, die sollten sie mit sich persönlich ausmachen und das sollten sie jetzt nicht in die CDU reintragen. Wir haben, die jetzt politische Verantwortung haben, ein ganz klares Zeittableau. Das bedeutet, dass wir die Kanzlerschaft entscheiden im Dezember 2020. Und dieser Zeitplan wird von ernst zu nehmenden Leuten in der Union auch gar nicht bestritten." Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther im ZDF

"Es ist eine Debatte, die im Moment gerade von älteren Männern geführt wird, die vielleicht nicht ihre Karriereziele erreicht haben in ihrem Leben. Aber das ist eine Sache, die sollten sie mit sich persönlich ausmachen und das sollten sie jetzt nicht in die CDU reintragen. Wir haben, die jetzt politische Verantwortung haben, ein ganz klares Zeittableau. Das bedeutet, dass wir die Kanzlerschaft entscheiden im Dezember 2020. Und dieser Zeitplan wird von ernst zu nehmenden Leuten in der Union auch gar nicht bestritten." Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther im ZDF

"Offensichtlich gibt es ein paar Herren, die immer noch auf der Pirsch sind und meinen, sie müssten Rechnungen von früher begleichen. (...) Mir fehlt jedes Verständnis dafür, dass man sich jetzt in der CDU damit beschäftigt, eine Frage zu diskutieren, die gar nicht ansteht. Wenn man sich untereinander die Köppe einhaut, dann endet das so wie in der SPD. Dann hat man keine Bedeutung mehr." NRW-Innenminister Herbert Reul

"Die Parteivorsitzende nach wenigen Monaten aus dem Amt zu jagen, verstärkt die Probleme nur. Führung kann auch kaputt geredet werden. Das hat zu tun mit einer maßlosen Überschätzung, was die Parteichefs leisten sollen. Es wäre naiv zu glauben, mit einer deutlich konservativeren Parteispitze ließen sich verloren gegangene Wähler leicht zurückgewinnen und so alle Probleme lösen." ARD-Hauptstadtkorrespondent Christoph Prössl im WDR5-Morgenecho

Uneinige Union: Was denkt die Basis?

WDR 5 Morgenecho - Beiträge 30.10.2019 02:34 Min. Verfügbar bis 29.10.2020 WDR 5 Von Melanie Weyand

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Gemischte Stimmung an der Basis

Der erneute Streit in der Partei war am Mittwochabend (30.10.2019) auch Thema bei der CDU-Mitgliederversammlung in Meckenheim, die sich eigentlich auf die Kommunalwahl vorbereiten wollte.

An der Basis ist man sich uneins, ob die Kritik von Merz hilfreich oder kontraproduktiv ist. Manche Mitglieder sind genervt, andere sind besorgt über die Zukunft der Partei.

"Streit ist nie gut, das schreckt Mitglieder ab", hieß es. Die Angst vor Wahlverlusten macht die Runde: "Die CDU muss aufpassen, dass sie nicht ins gleiche Fahrwasser wie die SPD kommt." Manche erwarten ein Machtwort der Kanzlerin.

Übrigens: Der aus NRW stammende CDU-Europapolitiker Elmar Brok kann sich vorstellen, dass Merkel jemanden als Kanzlerkandidat vorschlägt, der nicht Parteichef ist. Etwas Ähnliches habe es schon früher gegeben, nämlich 1980 und 2002.

Damals wurden Franz-Josef Strauß bzw. Edmund Stoiber, beides CSU-Vorsitzende. Brok betont aber, dass er entgegen anderslautenden Meldungen nicht an den heutigen CSU-Chef Markus Söder gedacht habe. "Ich glaube nicht, dass er selbst das will."

Stand: 31.10.2019, 09:25

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23 Kommentare

  • 23 wovo 31.10.2019, 12:54 Uhr

    Durch demografischen Wandel, Globalisierung, ethnische Auffächerung unterliegt das bundesdeutsche Parteiensystem fundamentalem Wandel. Die AfD in allen Landtagen ist das augenfälligste Zeichen. Denken im Rechts-Links-Schema und hinlänglich bekaannten taktischen Winkelzügen hat eine Erklärungsreichweite und "Halbwertzeit" lediglich von Wahl zu Wahl.

  • 22 wovo 31.10.2019, 12:29 Uhr

    Der Vorsstoss der "alten Männer" ist wohlvorbereitet und began mit der Abwahl Kauders, dem "Kaltstellen" von Weber als Eurospitzenkandidat, der massiven Kritik an Zimias als Prüfungsversager.... Eine Revolte in der CDU hatten wir schonmal: 1986? Geisler,Späth,Süssmuth gegen Kohl, der seinen Krankenhausaufenthalt unterbrach und sich mit Blasenkatheder aufs Podium setzte und allein durch Masse abschmetterte. Der anstehende Parteitag wird spannend.

  • 21 Iphigenie 31.10.2019, 12:11 Uhr

    Eine lächerliche und völlig überflüssige Diskussion. Schauen Sie sich lieber im Alltag an, was die Altparteien angerichtet haben: Eine in jeder Hinsicht katastrophale Leistung und das vor dem Hintergrund, dass diese Politiker, und es sind durch diese 16+1 Parlamente jede Menge, denkbar komfortabel für's Alter abgesichert sind. Zudem bleiben die wirklichen Probleme auf der Strecke....

  • 20 Wolfgang Vonhausen 31.10.2019, 11:55 Uhr

    Stimme mit Merz lediglich in einem Punkt überein: Durch Merkels "Moderationsstil" wurde die Verfassungsinstitution des Kanzlers beschädigt. Sie steht immer im Spannungsverhältnis von Richtlinienkompetetenz und Ressorthoheit. Politiscche Entscheidungen letztendlich als "alternativlos" gegenüber dem Wähler darzustellen, ist im Kern Kapitulation der Politik, meist gegenüber der Ökonomie. Merkels CDU erntet jetzt den "Fluch der bösen Tat": die von Ihr Gekränkten sammeln sich und blasen zum Angriff, er wird AKK samt Gefolge hinwegblasen und Blackrock übernimmt.

  • 19 Olaf Walter 31.10.2019, 11:15 Uhr

    Meinen die Politiker tatsächlich die Deutschen sind doof? Dazu, Kanzlerschaft (analog hierzu Staatsratsvorsitzschaft) welche sich 12 Jahre und länger hinauszogen und wie gegenwärtig hinausziehen haben Deutschland nie wirklich weiter gebracht — Demokratie ist dazu weder Monarchie, Kaisertum noch Diktatur, eigentlich. -- Olaf Walter (58), Tuttlingen (BW)

  • 18 Eugen 31.10.2019, 10:04 Uhr

    Alte Männer begleichen alte Rechnungen. Ganz sicher nicht der richtige Weg. Allerdings zeigt sich auch die Kanzlerin in Haltung und Umgang mit selbstbewußten und kritischenalten Männern ausgesprochen unversöhnlich. Redet endlich mal miteinander. Gebt den jungen Menschen positive Beispiele. Stellt Eure Eitelkeiten zurück.

  • 17 Gordon Shumway 31.10.2019, 08:06 Uhr

    @Frank Druhm: Herr Druhm, mit Glauben hat das eher weniger zu tun. Ich hoffe einfach, dass die gemäßigten konservativen Kräfte - aus der die AFD in der Mehrheit besteht - die Oberhand behalten und sich durchsetzen. Vergleiche mit Weimarer Republik und NSDAP verbieten sich hier, weil sich so etwas auf deutschem Boden gesicniemals wiederholen wird. Die AFD ist vom Grundsatz her eine konservative und bürgerliche Partei, die im Rückblick auf die 80èr und 90èr Jahre die Positionen der damaligen CDU/CSU vertritt. Zugegebenermaßen befinden sich einige schwierige Personen in ihren Reihen. Insbesondere im Osten der Republik. Es ist Sache des Bundesvorstandes, sich von diesen Leuten abzugrenzen. Auf der anderen Seite steht der Absturz in die Bedeutungslosigkeit und ich glaube nicht, dass die gemäßigten Kräfte dies zulassen werden. Von daher gehe ich davon aus, dass sich die AFD mittelfristig aufspalten wird. Der übrigbleibende gemäßigte Teil wäre ein geeigneter Koalitionspartner für die Union

  • 16 Ich frag nur 30.10.2019, 22:13 Uhr

    "Kritik von alten Männern" - darf man das ungestraft sagen? Die Redewendung ist nicht diskriminierend? Bin ich, obwohl weiblich und somit nicht betroffen, mal wieder zu empfindlich?

  • 15 W. Hengesbach 30.10.2019, 22:12 Uhr

    Selbstkritik ist gefordert, auch von Herrn Günther. Günther ist maßgeblich mitbeteiligt am Kurswechsel der CDU und am Verlust von Wählervertrauen. Es braucht nicht junge oder alte Politiker sondern fähige, die den Kurs neu bestimmen auf alte, erfolgreiche Werte! Es ist endlich eine fundamentale Sachdiskussion dringend gefordert. Dabei sind Personen zweitrangig. Aber falsche Strategie gehört endlich auf den Tisch!

  • 14 steamtrain 30.10.2019, 19:03 Uhr

    Egal ob SPD oder CDU, hier agieren nur mehr Egomanen denen es um ihre eigene Macht bzw. Machterhalt geht. Politik im Sinne und zum Wohle des Volkes wird scheinbar bei beiden Parteien nur mehr am Rande betrieben. Wird einmal wirklich etwas im Sinne des Parlaments getan gibt es sogleich jemanden der diese Arbeit in den Dreck zieht oder zumindest lächerlich macht. Kein Wunder wenn diese Parteien langsam aber sicher den Ast auf dem sie bisher sitzen selbst absägen, ihnen die Wähler davon laufen. Wann endlich kümmern sich unsere (noch) Volksvertreter um die wirklich wichtigen Dinge in Deutschland, der EU und der übrigen Welt, bringen hierzu konstruktive Vorschläge und ggf. Gesetze auf den Weg ohne sich dabei selbst immer wieder mit Schmutz zu bewerfen. Im Moment machen sie genau das was sie der AfD vorwerfen, nichts konkretes sagen oder gar liefern, statt dessen billiges BlahBlah und endlose Personaldebatten.

  • 13 Heinz-Hubert Philippen 30.10.2019, 18:34 Uhr

    Diese "alten Männer" sollten sich wirklich was schämen - oder wollen die ihre Renten und Pensionen aufbessern? Sie haben bisher politisch das nicht geschafft, was sie erreichen wollten und teilen jetzt ohne Sinn nach rechts und links aus. Es wäre doch gelacht, wenn man mit der CDU nicht so tief fallen könnte, wie die SPD das mit sich selbst geschafft hat.