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Düsseldorfer Studie: Milliarden-Einnahmen durch Cannabis-Legalisierung möglich

Stand: 17.11.2021, 09:33 Uhr

Die Legalisierung von Cannabis könnte dem Staat mehr als 4,7 Milliarden Euro zusätzlich einbringen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Uni Düsseldorf.

Mehr Steuereinnahmen, neue Jobs und weniger Kosten für Polizei und Justiz – die Studienmacher rechnen mit Mehreinnahmen in Milliardenhöhe, jedes Jahr.

Der Wettbewerbsökonom Justus Haucap von der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf stützt sich dabei auf Vergleichsdaten aus Ländern, wo Cannabis bereits legalisiert wurde. Die Studie wurde am Dienstag vom Deutschen Hanfverband vorgestellt.

Staat könnte 4,7 Milliarden einnehmen

HHU-Forscher Haucap für Cannabis-Legalisierung

Ökonom Justus Haucap, HHU Düsseldorf

Allein eine Cannabissteuer – wie bei Alkohol oder Tabak – würde dem Staat 1,8 Milliarden Euro pro Jahr bringen. Mehreinnahmen in Höhe von rund 735 Millionen Euro erwartet Ökonom Haucap bei der Körperschafts-, Gewerbe- und Umsatzsteuer, dazu 526 Millionen Euro an Sozialbeiträgen.

Zusätzlich könnten noch 280 Millionen Euro an Lohnsteuer anfallen – durch rund 27.000 Arbeitsplätze, die im Fall einer Legalisierung entstehen würden, so der Studienautor.

Weniger Kosten bei Strafverfolgung und Justiz

Haucap geht zudem davon aus, dass eine Legalisierung Einsparungen in der Strafverfolgung im Umfang von 1,05 Milliarden Euro und bei der Justiz in Höhe von 313 Millionen Euro bringen würde. "Gerade weil der Cannabiskonsum gesundheitsschädlich sein kann, sollte der Schwarzmarkt unter staatliche Aufsicht gestellt werden", so Studienautor Haucap. Die Verbotspolitik sei gescheitert. Durch eine Regulierung des Marktes steige der Schutz der Verbraucher und auch die Suchtprävention werde erleichtert.

Der Geschäftsführer des Deutschen Hanfverbands, Georg Wurth, erklärte, durch das Verbot von Cannabis würden "Milliarden für sinnlose Polizeieinsätze aus dem Fenster geworfen. Das Geld wäre bei Aufklärung, Prävention und Hilfe viel effektiver eingesetzt".

Ampel-Parteien könnten für Legalisierung sorgen

Die Legalisierung von Cannabis ist auch bei den Sondierungsgesprächen zwischen SPD, Grünen und FDP immer wieder Thema. FDP und Grüne befürworten den Verkauf in "lizensierten Fachgeschäften", die SPD will Cannabis hingegen zunächst nur im Rahmen von Modellprojekten kontrolliert an Erwachsene abgeben. Die neue Bundesregierung könnte mit einer Entkriminalisierung auch Bußgelder und Strafen für Besitz und Konsum von Cannabis reformieren oder komplett abschaffen.

Stadt Düsseldorf setzte geplantes Modellprojekt nie um

Düsseldorf hatte schon vor Jahren ein Modellprojekt zur Legalisierung von Cannabis geplant, es aber nie umgesetzt. Laut einem führenden CDU-Ratsmitglied ist die Studie kein Grund, erneut über eine Legalisierung nachzudenken. Er halte die Studie für unseriös. Eine Reaktion der Stadtspitze gab es bisher nicht. Die Meinungen in der Schwarz-grünen Koaltion im Düsseldorfer Rat dürften bei dem Thema jedoch nicht einheitlich sein. Das Thema könnte durch eine Ampel-Koaltion im Bund aber auch auf die Tagesordnung der Düsseldorfer Politik rutschen.