Julius von Bismarcks Ausstellung "Feuer mit Feuer" in der Bundeskunsthalle Bonn

Julius von Bismarck. Feuer mit Feuer, Bundeskunsthalle Bonn 2020 (Ausstellungsansicht)

Julius von Bismarcks Ausstellung "Feuer mit Feuer" in der Bundeskunsthalle Bonn

Von Henning Hübert

Julius von Bismarck bannt die Naturgewalten in seiner Medien- und Digitalkunst. Der 36-Jährige Urururgroßneffe des ehemaligen Reichskanzlers Otto von Bismarck fängt in seinen Werken Blitze und Waldbrände ein, jagt Wirbelstürme, verprügelt und peitscht den Zürichsee.

Damit will er die moderne Ausbeutung der Natur kritisieren. Der Künstler ist bei der Eröffnung der Einzelausstellung „Feuer mit Feuer“ in der Bonner Bundeskunsthalle dabei – eine Konfrontation mit Naturkatastrophen und ihrer Visualisierung für das kollektive Gedächtnis.

Videoinstallation über Waldbrände und deren Folgen

Die Ostgalerie der Bundeskunsthalle bespielt Julius von Bismarck mit einem einzigen riesigen Werk: „Feuer mit Feuer“ ist ein gut einstündiges Video. Es zeigt große Waldbrände und deren Folgen. Die Wände links und rechts: aschgrau. Der Blick geht nach vorn in die Flammen auf der Videoleinwand, nah ran an verkohlende Bäume in Schweden und Kalifornien. Sie lodern und qualmen in Zeitlupe, alles ist gedoppelt.

Davor reihen sich acht Denkmale auf, ebenfalls in strenger Symmetrie: Es sind Ehrenmale, Krieger-Gedenkstätten von Aserbaidschan bis Südafrika. In allen flackern ewige Flammen. Julius von Bismarck stellt sie in bunten, aber kalten LED-Hologrammen dar.

Julius von Bismarck in der Bundeskunsthalle

WDR 5 Scala - Hintergrund Kultur 04.09.2020 10:40 Min. Verfügbar bis 04.09.2021 WDR 5

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Genaue Naturbeobachtung

„Feuer mit Feuer“ ist eine genaue Naturbeobachtung und zugleich eine Einladung zur Reflexion über Vergänglichkeit und Ewigkeitsvorstellungen. Schön ist es nicht, was man da sieht. Die Zeitlupen erfordern Geduld beim Betrachten der Bilder, die Bismarck von seinen Drehs an der Seite der schwedischen und US-amerikanischen Feuerwehrleute mitgebracht hat.

Bilder vom Feuer: Bundeskunsthalle zeigt Julius von Bismarck

Von Thomas Köster

Blitze, Hurricanes und Ozeane: Julius von Bismarck ist der Künstler der Naturgewalten. In der Bundeskunsthalle Bonn hat er sich - ab Freitag - dem Feuer verschrieben. Wie immer mit spektakulären Video-Bildern.

Julius von Bismarck, Punishment #6, 2011, Video still

In Rio de Janeiro peitschte er das Meer, in Venezuela ging er auf die Jagd nach Blitzen, in den USA nach Hurricanes: Der 36-jährige Berliner Künstler Julius von Bismarck, Urururgroßneffe Otto von Bismarcks, liebt den Dialog und die Auseinandersetzung mit den Mächten der Natur. Und findet dafür in seinen international beachteten Videoarbeiten und Installationen nicht weniger gewaltige Bilder.

In Rio de Janeiro peitschte er das Meer, in Venezuela ging er auf die Jagd nach Blitzen, in den USA nach Hurricanes: Der 36-jährige Berliner Künstler Julius von Bismarck, Urururgroßneffe Otto von Bismarcks, liebt den Dialog und die Auseinandersetzung mit den Mächten der Natur. Und findet dafür in seinen international beachteten Videoarbeiten und Installationen nicht weniger gewaltige Bilder.

In Bonn hat Julius von Bismarck durch Corona um einige Monate verzögert die raumgreifende Installation "Feuer im Feuer" aufgebaut, in dessen zentraler Videoinstallation sich der Künstler mit der Gewalt, aber auch der Schönheit von Waldbränden auseinandersetzt.

Im Grunde aber geht es um die Gesamtheit der medialen und überlieferten Bilder eines Elements, das laut griechischer Mythologie von den Göttern stammt und dessen Raub den Menschen erst zum Beherrscher der Erde gemacht hat.

Und um die Symbole, die wir mit dem ideologisch und religiös vereinnahmten "ewigen Feuer" verbinden. Bei Julius von Bismarck ist es auch da, wo es täuschend echt scheint, nur ein Bild. Genauer: ein Hologramm auf einer rotierenden Propellerscheibe.

Wie blicken wir heute auf Natur und auf die Elemente? Wie haben Medien unseren Blick auf Naturkatastrophen verändert? Das sind Fragen, die von Bismarck beschäftigen. In Bonn heißt das speziell: Was sehen wir, wenn wir Feuer sehen? Welche archaischen Bilder ruft das Unbewusste bei seinem Anblick in uns hervor?

Julius von Bismarck geht es um das, was er die "Psychoanalyse des Feuers" nennt. Deshalb sind in einer Vitrine des Raums auch Faltbilder von "Rorschach-Tests", den Tintenklecks-Bildern, versammelt.

Und auch die langsam sich verändernden Symmetrien der an ihrer Mittelachse gespiegelten Videobilder entfalten sich zu immer neuen "Rorschach-Tests", mit denen wir unser Unterbewusstes ausloten können. Das ist schon ziemlich spektakulär. Und auch ziemlich schön.

Nimmt das der Katastrophe nicht den Schrecken? Ignoriert das nicht die Opfer etwa einer Feuerkatastrophe? Nein, eigentlich nicht. Denn Julius von Bismarck steuert unseren Bildern und Vorstellungen von dem, was Feuer ist und macht, nur neue, oder: vergessen geglaubte Bilder bei.

"Es gibt wahnsinnig viele Möglichkeiten, die Welt zu sehen", sagt Julius von Bismarck. Mit "Feuer im Feuer" bietet uns der Künstler eine solche Möglichkeit an. Schon dafür lohnt sich der Besuch.

"Julius von Bismarck. Feuer mit Feuer" ist noch bis zum 24. Januar 2021 in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen. Zur Ausstellung ist eine vom Künstler erstellte Zeitschrift erschienen, die unter anderem philosophische Reflexionen zur "Psychoanalyse des Feuers" enthält.

Worum es Julius von Bismarck nach eigener Aussage in seiner Kunst geht: nicht den bloßen Schrecken, die ungeahnte Katastrophe zeigen, sondern das Faszinierende, das in einem Naturereignis wie einem Waldbrand steckt. Bis zum 24. Januar kann man sich in Bonn hineinbegeben.

Stand: 03.09.2020, 16:06

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