Unterwegs im Bürgerbus - Eine Erfolgsgeschichte am Niederrhein

Unterwegs im Bürgerbus - Eine Erfolgsgeschichte am Niederrhein

Von Chadia-Aurora Hamade

  • 140 Bürgerbusvereine: NRW ist Spitzenreiter in Deutschland
  • Rund 80.000 Nutzer im Jahr
  • Vier Bürgerbusse in Kevelaer

Es ist Montagmorgen und wir steigen in den kleinen Acht-Sitzer ein, den Marianne Wolf geschickt durch den Verkehr der Wallfahrtsstadt Kevelaer lenkt. Das freundliche Lächeln der pensionierten Lehrerin bekommen alle Fahrgäste gratis dazu. Eine Fahrt kostet zwischen einem und zwei Euro; Kinder zahlen 70 Cent. Auf der Route Kevelaer–Twisteden gibt es zwölf Haltestellen. Im Wechsel tönt ein herzliches "Guten Morgen" oder "Einen schönen Tag noch" durch den Kleinbus. Stündlich, immer um Viertel nach, startet der Bus am Bahnhof, um ins gut sieben Kilometer entfernte Twisteden zu kommen. Wer in die Ortschaften Winnekendonk, Kervenheim oder Wetten muss, kann hier am Bahnhof umsteigen. Denn die insgesamt vier Bürgerbusse sind hier perfekt vernetzt. 

Zufriedenes pendeln mit dem Bus für Jung und Alt

Wenn der öffentliche Nahverkehr sich von Routen verabschiedet, die nicht mehr rentabel sind, bleiben immer Menschen auf der Strecke. In Kevelaer am Niederrhein, nahe der niederländischen Grenze, waren vor 24 Jahren viele Menschen davon betroffen. Als Konsequenz haben sie den Bürgerbusverein gegründet. Finanziell wurde der Verein unterstützt durch die Stadtwerke Kevelaer, Spenden und Fördermittel des Landes. Inzwischen sind in Kevelaer vier Bürgerbusprojekte angerollt. Jeder Verein besitzt einen Bus. Insgesamt zählen die Vereine über 160 ehrenamtliche Bus-Chauffeure.

NRW-weit haben die Bürgerbusvereine 1,5 Millionen Fahrgäste

"Wir alten Leute und die Jugend haben meistens kein Auto und sind froh über den Bürgerbus", erzählt uns eine 80-jährige Dame. Schule, Job, Arztbesuche, Einkäufe: Die Bürgerbusvereine verschaffen vielen Menschen im ländlichen Raum mehr Mobilität und mehr Freiheiten. In Kevelaer nutzen etwa 80.000 Fahrgäste die Busse der Bürgerbusvereine. Von morgens bis abends sind die Fahrzeuge unterwegs. "Darauf können wir, die darauf angewiesen sind, uns verlassen. Das ist wirklich toll", freut sich ein Fahrgast.

Der Bus ist morgens bis auf den letzten Platz besetzt. "Wenn unser Bus so voll besetzt ist, dass niemand mehr einsteigen kann, bestellen wir auf Kosten unseres Vereins ein Taxi", sagt uns die ehrenamtlich engagierte Fahrerin Marianne Wolf.

In vielen Bundesländern keine Förderung

140 Bürgerbusvereine gibt es in Nordrhein-Westfalen. Mittlerweile gibt es auch Bürgerbusse in Großstadtregionen, denn auch in Randbereichen liegen Strecken, die der ÖPNV nicht ausreichend abdeckt. Der Vorsitzende des Dachverbandes "Pro Bürgerbus NRW" Franz Heckens weiß die Förderung zu schätzen: "In manchen Bundesländern gibt es gar keine Förderung. In NRW hat es von Anfang an eine intensive Förderung gegeben."

In Kevelaer scheint zumindest mit den Bürgerbussen niemand auf der Strecke zu bleiben. Nicht solange es Fahrerinnen wie Marianne Wolf gibt – und das Lächeln gibt's auch noch gratis dazu.

Stand: 25.11.2019, 15:09

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