Umstrittene Ultranet-Stromautobahn: Bürgerbeteiligung gestartet

Arne Westphal (Mitte) und weitere Anwohner stehen vor einer Stromleitung und blicken in einen Aktenordner mit Unterlagen

Umstrittene Ultranet-Stromautobahn: Bürgerbeteiligung gestartet

  • Netzausbau für die Energiewende
  • Neuartige Starkstromtrasse durch den Rhein-Erft-Kreis
  • Anwohner kritisieren kurze Beteiligungsfrist

Arne Westphal aus Pulheim-Geyen ist ganz nah dran an der deutschen Energiewende. Hinter seinem Garten hat der Netzbetreiber Amprion einen mehr als 80 Meter hohen Stahlmast gesetzt. Auf ihm sollen deutschlandweit erstmalig Gleich- und Wechselstrom übertragen werden. Über die so genannte Ultranet-Leitung sollen große Mengen an Ökostrom aus den Windparks im Norden Deutschlands nach Süden fließen. Der Korridor für die "Trasse E" zwischen Rommerskirchen und Weißenthurm ist seit heute online.

Gesundheitsrisiko Ultranet ?

In Pulheim-Geyen soll die neuartige Stromautobahn mitten durch den Ort verlaufen. Ein bundesweit bislang einzigartiges Experiment, sagt Arne Westphal und er, seine Familie sowie seine Nachbarn seien dabei die Versuchskaninchen. Denn Humanstudien zu Auswirkungen der Ultranettrasse würden immer noch fehlen. Ein Versetzen der neuen Hybridmasten an den Ortsrand lehnt Amprion ab. Zwei Monate hat Arne Westphal nun Zeit, seine Einwendungen bei der Bundesnetzagentur einzureichen.

Bundesfachplanung bis Mitte April

Karte der Ultranet-Hochspannungsleitung

In großen Anzeigen weist die Behörde auf die für Bürger bis zum 16. April befristete Öffentlichkeitsbeteiligung im Rahmen der so genannten Bundesfachplanung hin. Ob es danach auch zu einem Erörterungstermin kommen werde, hänge jedoch von der rechtssicheren Bedeutung der Einwendungen ab, sagt Arne Westphal. "Wir sind für die Energiewende. Doch nur zwei Monate, um sich in umgerechnet 4 000 - 5000 Seiten Material einzuarbeiten, was von Behörden und Unternehmen in vier Jahren erstellt worden ist, das ist für den Otto Normalverbraucher einfach unmöglich", so Westphal.

...und die Zeit läuft

Zusammen mit über einhundert Anwohnern hat sich Arne Westphal mittlerweile der "Pulheimer Bürgerinitiative gegen Ultranet" angeschlossen. Zusammen haben sie einen Berliner Anwalt beauftragt, rechtssichere Einwendungen zu entwickeln. Zur Zeit arbeitet die Initiative auch an einem Online-Portal. Darüber soll es bald möglich sein, Einwendungen zu formulieren und diese an die Bundesnetzagentur zu mailen. Doch die Zeit drängt. Denn nur diejenigen, die sich fristgerecht melden, können noch Einfluss auf das Ultranet Projekt nehmen, sagt Arne Westphal. Für alle anderen sei danach die Tür zu.

Hilfreiche Links:
Internetseite der Bürgerinitiative "Pulheim gegen Ultranet"
Internetseite mit den Plänen der Bundesnetzagentur

Stand: 17.02.2020, 07:24