Nach Immerather Dom-Abriss: NRW-Braunkohle gegen Klimaschutz

Nach Immerather Dom-Abriss: NRW-Braunkohle gegen Klimaschutz

  • Abriss des Immerather Doms belebt Diskussion über Braunkohle
  • Argumente für und gegen den Abbau
  • Klimaschutz, Stromkosten, Arbeitsplätze

Seit Jahren wird über das Für und Wider des Braunkohleabbaus diskutiert. Aktuell erfährt die Diskussion eine neue Emotionalität - auch durch den Abriss des Immerather Doms im Rheinischen Braunkohlerevier. Die Kirche musste dem Braunkohletagebau Garzweiler weichen.

Ist dieser massive Abbau von Braunkohle überhaupt noch nötig? Was spricht für, was spricht gegen den Braunkohleabbau? Einige Argumente.

Klimaschutz

Insgesamt wird etwa die Hälfte aller CO2-Emissionen in Deutschland von der Energiewirtschaft verursacht - der größte Teil durch Kohle. Braunkohle schneidet besonders schlecht ab, weil in Kohlen fast nur Kohlenstoff zur Verbrennungsenergie beiträgt.

Stromgewinnung

Windräder und Strommasten bei untergehender Sonne

Der Anteil von Braunkohle an der Stromerzeugung liegt in NRW bei 45 Prozent. Mit allen Energiequellen zusammen wird in Deutschland mehr Strom produziert als nötig. Überflüssiger Strom wird ins Ausland exportiert.

Nach Einschätzung der Bundesnetzagentur würde selbst ein Abschalten von bis zu sieben Gigawatt Kohlekraftwerkskapazität bis 2023 nicht zu einer Gefährdung der Versorgungssicherheit führen.

"An Tagen ohne Sonne und Wind brauchen wir Kohlekapazitäten, um die Nachfrage in Deutschland zu befriedigen", hält Thilo Schäfer vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln dagegen.

Reaktor Tihange

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet will die Abschaltung des maroden belgischen Atomkraftwerks Tihange beschleunigen - und dazu mehr Strom nach Belgien liefern. Dazu brauche man die Braunkohle, meint der CDU-Politiker.

Laschet: Kohle-Strom aus NRW statt Tihange

00:14 Min.

Strompreise

Kohlestrom gilt als billiger Strom. Inwieweit sich der Ausstieg auf den Strompreis auswirkt, hängt von vielen Faktoren ab. Dazu zählen auch die Lage auf dem Weltmarkt und der Wert anderer Energiequellen.

Stromzähler in Nahaufnahme

Gegner des Kohleausstiegs befürchten einen Anstieg des Strompreises

Das Umweltbundesamt hat in einer Studie das Szenario errechnet, wenn bis 2030 drei Viertel aller Braunkohlekraftwerke stillgelegt würden. Dann würde sich der Strompreis je Kilowattstunde um 0,2 Cent verteuern. Das wären für den Durchschnittshaushalt sieben Euro im Jahr.

Arbeitsplätze

Die Energiekonzerne warnen vor dem Verlust tausender Arbeitsplätze in der Braunkohlebranche. Wie viele Stellen konkret von der Braunkohle und den verarbeitenden und zuliefernden Betrieben abhängen, lässt sich schwer berechnen. RWE beschäftigt nach eigenen Angaben etwa 9.000 Menschen im Rheinischen Braunkohlerevier.

Anwohner

Der BUND spricht bereits von einem massiven Eingriff in die Grundrechte, wenn ganze Dörfer dem Braunkohleabbau weichen müssen. Die Umsiedlung tausender Menschen halten die Naturschützer für verfassungswidrig.

Stand: 10.01.2018, 20:26